Eine Pflegekraft hilft in einem Seniorenheim in Frankfurt (Brandenburg) einer alten Frau beim Trinken aus einem Becher.
Pflegekräfte aus dem Ausland strömen nach Deutschland - allerdings eher in den Westen als in den Osten. Bildrechte: dpa

Bundesweiter Anstieg Warum ausländische Pflegekräfte Mitteldeutschland meiden

Dass Deutschland angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft dringend ausreichend Pflegepersonal braucht, dürfte als Fakt unbestritten sein. Der Anteil an Pflegekräften aus dem Ausland wächst bundesweit. Doch in Mitteldeutschland ist er noch immer nahezu verschwindend gering. Der Grund dafür ist auch aus anderen Bereichen bekannt.

von Immo Hesse, MDR AKTUELL

Eine Pflegekraft hilft in einem Seniorenheim in Frankfurt (Brandenburg) einer alten Frau beim Trinken aus einem Becher.
Pflegekräfte aus dem Ausland strömen nach Deutschland - allerdings eher in den Westen als in den Osten. Bildrechte: dpa

In Deutschland gibt es seit Jahren zu wenige Fachkräfte im Pflegebereich. Doch die Lage wäre wohl noch deutlich schwieriger, wären da nicht Pflegekräfte aus dem Ausland. Deren Zahl ist von 2012 bis 2016 deutlich gestiegen: um 62 Prozent. Das entspricht einem Anteil von 6,7 Prozent.

Besonders viele Fachkräfte und Pflegehelfer kommen aus Ost- und Südosteuropa. Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt können davon allerdings nur wenig profitieren. Zwar hat sich auch hier die Zahl der Pflegekräfte mehr als verdoppelt - das entspricht aber nur einem Anteil von 2,3 Prozent.

Greifbar werden diese Zahlen am Beispiel Sachsen. Sigrid Winkler-Schwarz von der Diakonie fasst zusammen: "Der Anstieg von osteuropäischen Pflegekräften bei unseren diakonischen Pflegeträgern ist minimal, eigentlich verschwindend. Bei uns arbeiten 24.000 Leute, davon 323 Ausländer. Wir als Diakonie Sachsen profitieren von diesem Wandel, der auf dem Pflegemarkt herrscht, nicht."

Die Lohnschere ist Schuld

Warum aber kommen die Pflegekräfte aus dem Ausland nicht nach Mitteldeutschland? Verantwortlich dafür ist das enorme Lohngefälle zwischen Ost und West, das im Pflegebereich noch deutlich größer ist als in anderen Berufen, erklärt Sigrid Winkler-Schwarz: "Wer als anerkannte Fachkraft im Pflegebereich seine Heimat verlässt, der geht natürlich dorthin, wo ihm dieser Schritt am höchsten vergütet wird. Das ist bestimmt nicht Sachsen, sondern eher Westdeutschland oder auch die Schweiz."

Ändern würde sich dies nur, wenn die berühmte Schere zwischen Ost und West bei den Einkommen kleiner werden würde. Dafür müsste es allerdings die Bereitschaft der Tarifparteien geben, daran etwas zu ändern. "Wenn wir unsere Bestrebungen ansehen, mit den Pflege- und Krankenkassen die Refinanzierungsbedingungen zu verhandeln, dann stoßen wir da nach wie vor auf ganz ganz dicke Bretter", beschreibt Winkler-Schwarz.

Fachkräfte dürfen nicht abwandern

Trotzdem blickt Winkler-Schwarz mit einem gewissen Zweckoptimismus in die Zukunft: "Ich denke, in der Zukunft wird sich da was wandeln müssen, das wird sich annähern müssen. Es kann nicht sein, dass wir hier im Osten keine Fachkräfte mehr haben, weil alle abwandern. Da wird sich was bewegen, denn das wird einfach ein Nachfragemarkt werden, der enorm ist und da werden die Arbeitnehmer klar im Vorteil sein."

Schnelle und effektive Lösungen sind gefragt, um mit dem Mangel an Pflegekräften in Mitteldeutschland fertig zu werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.05.2017 | 05:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2017, 08:05 Uhr

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32 Kommentare

13.05.2017 20:53 Peter 32

Eines vorausgeschickt: Ich bin sehr dafür, dass die Arbeitnehmer in Deutschland, besonders die, welche für wenig Geld arbeiten müssen, mehr verdienen.
Allerdings eine Frage: Sind wir auch bereit, höhere Beiträge in die Pflegeversicherung einzuzahlen? Von nichts kommt nun mal nichts.

13.05.2017 19:16 Sandra Bertram 31

Steienr 50:
"Diese Menschen wissen doch genau, wie schlimm in manchen Orten rechtsexreme Gewalttäter wüten."
Bei diesem Satz bekam ich einen Lachkrampf, erinnert an DDR-Propaganda über die böse BRD- glauben sie so etwas eigentlich selbst?

13.05.2017 18:22 Barbara 30

ja richtig zum teil werden die Flüchtlingsheime auch
von denen selber angezündet für viel Geld was der Steuerzahler bezahlt hat, nicht vergessen Steiner,
haben die Asylanten das recht unsere Frauen an zugreifen ????? und uns hählt es ab denen zu begegnen..................

13.05.2017 17:45 Barbara 29

@ 1 9 wegen die Grammatikfehler braucht man sich nicht auf zu heizen, aber so seit ihr Gutmenschen, unsere Pflegekräfte müssen auch für den Lohn den diese erhalten arbeiten aber die feinen Ausländer haben das nicht notwendig, sieht man ein.......... ich habe genügend Pflegekräfte duch, was z. Teil die reinste Katastrophe war von denen , würd zu lang das alles zu schreiben.

13.05.2017 15:51 Steiner 28

Die "Lohnschere" allein kann nicht die Ursache sein. Diese Menschen wissen doch genau, wie schlimm in manchen Orten rechtsexreme Gewalttäter wüten. Auch die bei uns im Osten überwältigend hohe Zahl von Brandstiftungen bei Flüchtlingsheimen und die immer mehr zunehmende Gewalt (verbal und physisch) gegen fremd Aussehende halten die Menschen ab, zu uns zu kommen. Der Verweis auf die Touristen-Zahlen in Dresden ist absolut unpassend, denn mit diesem Argument lügt man sich selbst in die eigene Tasche. Dass die Neonazis je so viel Empathie entwickeln, um für Pflegebedürftige, Behinderte, Kranke und Alte Hilfe zu leisten, darf als törichte Illusion abgetan werden. Erinnern wir uns doch mal an die "Euthanasie" vor 77 Jahren, da bekommt doch jeder sofort Brechreiz.

13.05.2017 15:27 Steinbock 27

Einfach gute Löhne zahlen, dann klappt es auch mit dem Personal...

13.05.2017 12:39 Sandrad Bertram 26

van Böhlsen:
"aus Angst von einem Nazi verprügelt zu werden" - da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wer hier aus dem Ausland als Pfleger kommt, möchte Geld für sich und seine Familie verdienen- das und nichts anderes ist der Grund. Das schlechte Image des Ostens ist ein reines Medienprodukt. Schauen sie wieviele Touristen/Ausländer nach Dresden kommen und wieviele nach Köln.

13.05.2017 10:20 van Böhlsen 25

Geld ist sicherlich ein Motivator, aber m.E. nicht der ausschlaggebende Punkt. Vielmehr schreckt der schlechte Ruf des Ostens ab, welcher vor allem durch Vorurteile und Stereotypen von Westdeutschen aufrecht erhalten wird.
Die Leute sehen im Fernsehen immer nur die braunen grölenden Dumpfbacken auf irgendwelchen Demos. Dass es lebhafte Gegenbewegungen gibt, ist meistens eher nebensächlich.
Wenn ich aus dem Ausland käme, würde ich auch die westdeutschen Bundesländer bevorzugen, einfach um potenziellen Ärger aus dem Weg zu gehen. Ich habe mit Ausländern im Westen gesprochen, die mich nur ungläubig angeschaut haben, als ich meine Herkunft (Sachsen) verriet. Vor allem die Frauen würden sich nachts nicht auf die Straße trauen, aus Angst von einem Nazi verprügelt zu werden.
Aus Erfahrung weiß ich aber auch, dass die Wessis, die am lautesten gegen den Osten wettern, auch nach knapp 30 Jahren noch keinen Fuß über die alte Grenze gesetzt zu haben, um sich einen Eindruck zu verschaffen.

12.05.2017 21:37 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 24

Wenn man alle 'ausländischen Pflegekräfte' vergrault, dann muß auch mal ein Nazi ein bissl Pflegedienst leisten...

... oder man verzichtet eben auf gewisse Pflege.

Hängt alles zusammen:
Wenn man 'Opa' nicht selbst pflegen will, sollte man Pflegekräfte nicht vergraulen!

12.05.2017 20:54 Silvia 23

Jemand schrieb hier, das kaum einer diesen Beruf einen (Arbeits-)Leben lang ausüben kann, weil es unter den Arbeitsbedingungen nicht zu packen ist. Dem kann ich voll zustimmen, mir macht der Beruf an sich Spaß, aber unter den vorherrschenden Bedingungen zermürbt man sich selbst und gibt nach und nach sein Privatleben vollends auf. Das für eine eher schlechte Bezahlung und das obwohl es in der Arbeit immerhin um Menschen geht, empfinde ich als extrem ungerecht.
Warum nun die ausländischen Pflegerinnen, die wir in Deutschland dringend brauchen, weil ohne sie längst nichts mehr lief, nicht gerne nach Mitteldeutschland kommen, hat neben dem Lohngefälle sicherlich auch mit dem zweifelhaften Ruf des braunen Molochs zu tun, den einige mitteldeutsche Gegenden leider nicht zu Unrecht tragen.