Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 14.09.2017 in Frankfurt am Main (Hessen) mit dem Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG, Dieter Zetsche, an einer E-Smart-Studie.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der IAA 2017 in Frankfurt am Main mit Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche neben einer E-Smart-Studie. Bildrechte: dpa

IAA in Frankfurt Merkel: Autobauer müssen Vertrauen zurückgewinnen

Überschattet vom Dieselskandal und Fahrverboten in großen Städten hat die Automesse IAA in Frankfurt begonnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte in ihrer Auftaktrede, einzelne Unternehmen hätten Regelungslücken exzessiv ausgenutzt. Der Branchenverband VDA räumte gravierende Fehler ein. Ungeachtet dessen macht die Autoindustrie weiter gute Umsätze - der Absatz von Dieselwagen allerdings ist eingebrochen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 14.09.2017 in Frankfurt am Main (Hessen) mit dem Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG, Dieter Zetsche, an einer E-Smart-Studie.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der IAA 2017 in Frankfurt am Main mit Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche neben einer E-Smart-Studie. Bildrechte: dpa

Überschattet vom Dieselskandal und möglichen Fahrverboten in großen Städten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in Frankfurt die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) eröffnet. Sie forderte die Branche auf, das durch den Abgasskandal zerstörte Verbrauchervertrauen wieder aufzubauen. Einzelne Unternehmen hätten Regelungslücken exzessiv ausgenutzt. Sie hätten damit nicht nur sich selbst Schaden zugefügt, "sondern vor allem auch Verbraucher und Behörden getäuscht und enttäuscht".

Branche wirbt für "innovative Zukunftsstrategien" statt Fahrverbote

Der Präsident des Automobilverbands VDA, Matthias Wissmann, hatte zuvor gravierende Fehler einzelner Konzerne eingeräumt. Die Branche habe die Fehler aber erkannt und werde ihnen mit aller Konsequenz nachgehen. Es sei nun ein zentrales Anliegen der Autobranche, das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen. Der VDA-Präsident wandte sich zugleich gegen "Pauschalurteile" und gegen Fahrverbote. "Innovative Zukunftsstrategien" seien "allemal besser als pauschale Fahrverbote".

Zahl der Neuzulassungen steigt

Dennoch boomt die Branche: Sowohl die Zahl der Neuzulassungen insgesamt und als auch ihr Anteil an dem, was die Industrie in Deutschland produziert. Der Marktanteil bei den Diesel-Neuzulassungen allerdings sei nach Angeben des europäischen Herstellerverbandes ACEA in Brüssel leicht gesunken. Insgesamt kletterte laut ACEA die Zahl der Neuzulassungen im August im Vergleich zum Vormonat um 5,6 Prozent auf mehr als 865.000 Neuwagen.

Elektro profitiert vom Diesel-Skandal

Vor allem Elektro- oder Hybridantriebe legten zu, um 74 Prozent auf insgesamt gut 27.500 Fahrzeuge. Das entspricht laut ACEA einem Marktanteil von 4,7 Prozent. Diesel-Zulassungen seien indes allein auf den fünf größten Absatzmärkten der EU - Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien - im August um sieben Prozent zurückgegangen.

Plug-in hybrid SUV BMW X7 bei IAA
Erster Einblick in die IAA - hier noch nicht offiziell eröffent: Ein SUV BMW X7. Bildrechte: dpa

Der Anteil der Autobranche an der Bruttowertschöpfung in Deutschland stieg von 2005 bis 2015 von 3,4 auf 4,5 Prozent. Die Bruttowertschöpfung, die den im Produktionsprozess geschaffenen Mehrwert angibt, lag laut Statistischem Bundesamt in der Autobranche 2015 bei knapp 124 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten gibt das Statistikamt mit rund 871.000 Erwerbstätigen an.

Digitalisierung ein Schwerpunkt der Messe

Schwerpunkte auf der IAA mit rund 1.000 Ausstellern aus 39 Ländern sind dann auch Digitalisierung und Elektromobilität. Nach zwei Fachbesuchertagen wird die IAA ab Samstag bis zum 24. September auch für das Publikum geöffnet.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 14.09.2017 | 08:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 19:17 Uhr

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13 Kommentare

15.09.2017 06:20 Wo geht es hin? 13

Ein schönes Beispiel, wie Mutti seit fast 12 Jahren sich durchwurschtelt. Selber gar nix machen oder wenn doch, unausgegorenes Zeug verzapfen und dann mit dem Finger auf andere zeigen. Sie ist nun mal die Chefin und will es ja auch bleiben - also trägt sie auch die Last der Verantwortung. Sollte man zumindest meinen. Aber nix da - auf sie darf nicht mal der Hauch einer Verschmutzung der angeblich so weissen Weste kommen! Das hat sie bei der IAA auch noch mal persönlich klar demonstriert.

14.09.2017 23:43 part 12

Hier geht es um Vorgaben aus der Politik, die entweder nicht realiserbar sind auf Grund der Gegebenheiten oder um eine Wirtschaftsbranche, die diese Vorgaben nie und nimmer erfüllen könnte oder möchte. Statt überborderte SUV mit Sondersteuern zu belegen wird die autofahrende Allgemeinheit geschröpft und verteufelt, also wieder nur eine Umverteilung von untern nach oben. Es gibt heute durchaus umweltschonendere Antriebsformen als den totgebohrenen alleinigen Elektroantrieb, doch sind diese auch erwünscht oder fürchten die Kartelle um ihre Pfründe?

14.09.2017 17:58 Michael Möller 11

korr: bitte um entschuldigung : soll heißen zu den Absprachen zu bekennen

14.09.2017 17:37 Sabine Sonntag 10

Die Autobauer haben einen schweren Fehler gemacht. Merkel hat einen sehr, sehr schweren Fehler gemacht. Und eine Reihe anderer schwerer Fehler noch dazu. Die Reaktion der medien war aber doch recht unterschiedlich. Warum eigentlich?

14.09.2017 17:17 optinator 9

Als Mitarbeiter von einem Zulieferer von VW, Audi und Skoda geht es jetzt los. Keine Diesel werden mehr verkauft.
Eine neue Fertigungshalle mit Teilen für Benziner und Diesel steht. Abnahme von Teilen für Dieselfahrzeuge ist bei NULL.
Kollegen werden kurzfristig Umgesetzt, müssen andere Schichten machen.
Da fragt keiner nach dem Privatleben. Man muss springen.
Danke Frau Merkel und ihren Lobbyisten.

14.09.2017 16:42 Michael Möller 8

vor einiger Zeit kam im TV eine Doku über Deutschland und seine Autoindustrie sowie die Zusammenarbeit mit der Politik. mit welchen Recht greift diese Kanzlerin die alle Verschärfungen und die Kontrole auf der Strasse verhindert hat , die Autoindustrie an. es ist in meinen Augen ein grosses Armutszeugnis von den Politikern ,das Sie noch nicht mal den Anstand haben sich zu den Absprachen zu begehnen die Sie mit der Industrielobbyisten hatten. ich kann mich nur bei den Journalisten bedanken die dies Aufgedeckt haben .

14.09.2017 16:29 Markus 7

Diese Strasse darf nicht nur in einer Richtung gehen... PKW-Hersteller halten an Normen, und der Staat setzt REALISTISCHE Normen ein. So sollte das aussehen. Wenn aber die Naturschützer uns mit realitätsfremden Wünschen erpressen, so werden Hersteller auch weiter so machen. Wie sollte das sonst sein? Die Hersteller können Naturgesetze doch nicht abschaffen?

14.09.2017 16:25 Querdenker 6

Jetzt könnte die Politik ja nun wenigstens eingreifen und was passiert? Nichts! Sammelklagen werden verhindert (siehe „Deutschlandfunk VW-Skandal Verkehrsminister Dobrindt verhinderte Sammelklagen“) genau so wie die hardwareseitige Umrüstung. siehe hierzu das Video „Saubere Diesel sind mit Umrüstung möglich ZDFmediathek“ - - - Der Dieselskandal ist ein Meisterstück der „geplanten Obsoleszenz“. Und die ziehen das voll durch, denn die Dieselautos sind auch mit dem lächerlichen Softwareupdate Schrottautos! Dieselverbote gibt’s doch schon z.B. in Paris (siehe „focus Paris: Fahrverbot für alte Autos gilt auch für Deutsche“) und es wird denke nicht weniger.

14.09.2017 16:25 Querdenker 5

Zitat: „Merkel: Autobauer müssen Vertrauen zurückgewinnen“ - - - Also zunächst mal muss die Politik wieder Vertrauen zurückgewinnen, denn eine wichtige Hauptaufgabe von Politikern ist es die Rahmenbedingungen für die Industrie zu setzen und zu kontrollieren. Und die Lobbyisten der Konzerne haben ganze Arbeit geleistet, wie man eindrucksvoll sieht. Lächerlich lasche Rahmenbedingungen und im Prinzip keine Kontrolle. Weil die haben sich ja im Prinzip selbst kontrolliert. Wer mit Lobbyisten regelmäßig klüngelt, kommt eben nicht zu Abgasprüfungen, die den Namen verdienen, sondern eher zu einer „werksseitigen Produktendkontrolle“.

14.09.2017 15:24 4711 4

Das wird ein Flopp, der größte, der teuerste, der weitreichendste, hoch lebe unsere weitsichtige Staasratsvorsitzende!