Mitarbeiter der deutschen Automobilmarken BMW, Daimler, Audi, Porsche und Volkswagen montieren und polieren die Logos der jeweiligen Fahrzeuge
Als Folge des Diesel-Skandals werben die Autobauer mit Rabatten und Prämien massiv um Diesel-Käufer. Mit den konzerneigenen "Abwrackprämien" reagieren sie auf drohende Fahrverbote und sinkende Absatzzahlen. Bildrechte: dpa

Reaktion auf Abgas-Skandal Autobauer buhlen mit Abwrackprämien um Diesel-Kunden

Als Reaktion auf den Diesel-Skandal, drohende Fahrverbote und sinkende Verkaufszahlen liefern sich die deutschen Autobauer eine Rabattschlacht. Sie bieten Käufern neuer Diesel-Fahrzeuge Rabatte und Prämien, wenn sie ihren alten Diesel verschrotten lassen. Der VW-Konzern übertraf dabei seine Konkurrenten. Mit Zusatzprämien für Hybrid- und Elektroautos zahlen die Wolfsburger mehr als 11.000 Euro - einschließlich der bereits bestehenden E-Auto-Förderung.

Mitarbeiter der deutschen Automobilmarken BMW, Daimler, Audi, Porsche und Volkswagen montieren und polieren die Logos der jeweiligen Fahrzeuge
Als Folge des Diesel-Skandals werben die Autobauer mit Rabatten und Prämien massiv um Diesel-Käufer. Mit den konzerneigenen "Abwrackprämien" reagieren sie auf drohende Fahrverbote und sinkende Absatzzahlen. Bildrechte: dpa

Die deutschen Autobauer liefern sich angesichts drohender Fahrverbote und sinkender Absatzzahlen eine Rabattschlacht für neue Diesel-Autos. Nach Ford, BMW und Toyota stellten nun der VW-Konzern sowie Daimler ihre "Abwrackprämien" vor.

Volkswagen bietet bis 10.000 Euro bei Verschrottung

Volkswagen bietet seinen Kunden mit einem älteren Diesel ab sofort eine Umstiegsprämie von 2.000 bis maximal 10.000 Euro beim Kauf eines Neuwagens mit Schadstoffnorm Euro 6 an. Wie der Konzern mitteilte, steigt die Summe je nach Modell und Preis.

Beim Kauf eines Kleinwagens gibt es 2.000 Euro Preisnachlass, beim Kauf eines Golf oder Tiguan 5.000 Euro, beim großen Geländewagen Touareg mit Euro-6-Norm 10.000 Euro. Voraussetzung ist die Verschrottung des Altdiesels mit der Schadstoffnorm 4 oder darunter. Die Aktion läuft bis Jahresende.

Audi und Porsche nehmen auch Fremdmarken

Werkhalle von Porsche in Leipzig - Fertiger Macan zur Eröffnung
Der Porsche Macan aus Leipzig wird auch mit Rabatt nicht zum Schnäppchen. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Bei Audi und Porsche können Besitzer alter Dieselautos ebenfalls Preisnachlässe von mehreren tausend Euro beim Neuwagenkauf erhalten.

Die Prämienhöhe beläuft sich ebenfalls abhängig vom Neuwagenmodell auf 3.000 bis 10.000 Euro. Das gilt ebenfalls für Dieselmotoren der Schadstoffnorm Euro 4 und älter - im Unterschied zu VW jedoch auch für Modelle anderer Hersteller. Die Altwagen werden ebenfalls verschrottet.

Wer einen neuen Sportwagen oder SUV von Porsche kauft, kann mit einem Preisnachlass von 5.000 Euro rechnen. Damit sollen nach Konzernangaben zusätzlich zum beschlossenen Software-Update bei jüngeren Dieselautos die Stickoxid-Emissionen in Deutschland rasch gesenkt werden. Erwartet wird, dass auch die Konzernschwestern Skoda und Seat folgen.

Außerdem Prämie für alternativen Antrieb

Zusätzlich zu dieser "Umweltprämie" bieten VW und Audi eine "Zukunftsprämie" beim Kauf eines Autos mit Erdgas-, Hybrid- oder Elektroantrieb an. Sie ist gestaffelt von 1.000 bis 2.380 Euro und wird zusätzlich zur staatlichen Kaufprämie gezahlt. Auch VW-Nutzfahrzeuge bietet Besitzern älterer Dieselmodelle beim Neukauf nach Modell gestaffelte Prämien an. Die Aktion "Umwelt- und Zukunftsprämie" läuft bis Ende des Jahres.

Daimler bietet Umtauschprämie und Wertausgleich

Der Autobauer Daimler bietet Besitzern älterer Diesel-Fahrzeuge eine Umtauschprämie von 2.000 Euro an, wenn sie ein neues Mercedes-Benz-Fahrzeug kaufen. Für einen Smart Electric Drive gibt es 1.000 Euro.

Die Prämie bekommen Besitzer von Diesel-Autos aller Marken mit den Abgasnormen Euro-1 bis Euro-4, wenn sie bis Ende des Jahres einen neuen Mercedes-Diesel mit Euro-6, Plug-in-Hybrid oder einen elektrischen Smart kaufen. Ihr altes Auto muss mindestens sechs Monate auf sie zugelassen sein.

Zusätzlich zahlt Daimler einen Wertausgleich für einen Euro-1 bis Euro-3-Wagen, wenn dieser verschrottet wird. Euro-4-Diesel können nur bei einem Daimler-Händler in Zahlung gegeben werden. Die Umtauschprämie soll es dann zusätzlich zum dafür vereinbarten Preis geben.

Abwrackprämien mit Eigennutz

Mit den Abwrackprämien wollen die Autobauer nicht nur die Luft säubern, sondern verfolgen auch eigennützige Ziele. Mit der Verschrottung alter Diesel verhindern sie, dass der Verkaufswert gebrauchter Diesel in den Keller rauscht. So minimieren sie ihr eigenes Risiko. Denn wegen der vielen Leasing-Verträge sind die Autobauer quasi Eigentümer der geleasten Fahrzeuge. Sinkt der Verkaufswert dieser Fahrzeuge, sehen auch ihre Bilanzen schlecht aus.

Zusagen vom Diesel-Gipfel

VW, Audi und Daimler haben damit nun ihre Ankündigungen vom Diesel-Gipfel in der vergangenen Woche konkretisiert. Sie hatten konzerneigene Initiativen angekündigt, um alte Diesel von der Straße zu bekommen. Ford, BMW und andere Hersteller hatten bereits Umstiegsprämien angeboten.

BMW etwa bietet seinen Kunden mit einem Altdiesel beim Kauf eines Neuwagens modellabhängig eine "Umweltprämie" von bis zu 2.000 Euro an. Kunden müssen ihren alten BMW beim Händler in Zahlung geben und einen Elektro-, Hybrid- oder Diesel-Neuwagen der Marke BMW oder Mini kaufen.

Die deutschen Autohersteller hatten auf dem Diesel-Gipfel außerdem zugesagt, Software-Updates für insgesamt rund fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 zu zahlen, um den Schadstoffausstoß zu reduzieren.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 08.08.2017 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2017, 21:00 Uhr

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29 Kommentare

09.08.2017 18:24 Mustermann 29

Niemand hat etwas zu verschenken...!

Auch und vor allem die deutschen Autobauer nicht.
Jeder der glaubt, dass die Autobauern damit ihren Kunden etwas gutes tun, der glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten.

Ob mit oder ohne Prämie, am Ende wird der Kunde das gleiche bezahlen. Die Prämie mindert halt einfach die gewährten Rabatte.

09.08.2017 10:09 Fragender Rentner 28

@Einer aus Hale zu 17

Ganz einfach, die dürfen dann nicht mehr mit den Autos in der Stadt fahren und haben die Ehre mit den Öffentlichen.

Und schon haben wir saubere Städte.

Ist doch prima gelöst oder nicht?

09.08.2017 09:09 Sabrina 27

@ 08.08.2017 15:28 Markus 9
Wie sind Sie denn zu dem deutschen Namen gekommen?

09.08.2017 09:08 Sabrina 26

@ 08.08.2017 15:15 ein schon länger in Deutschland lebender 6

In Deutschland schießt die Wirtschaft gegen die eigenen Arbeitssklaven.

Schauen Sie mal nach Österreich und in die Schweiz, was dort die Menschen an Rente bekommen und an Arbeitseinkommen.

Und die krakelen nicht wie die Bananenrepubliker:

"Exportweltmeister"

Wohlstandsweltmeister ist von denen nicht zu hören.

09.08.2017 09:04 Sabrina 25

An der Höhe der Abwrackprämien sieht man, dass die Autos mit satter Gewinnspanne am Markt angeboten werden.

Das werde ich, falls ich mir mal wieder ein Auto kaufen sollte, bei den Preisverhandlungen im Hinterkopf haben.

09.08.2017 08:12 Frederic 24

Welch eine tolle Idee ! Tausch neu gegen alt - Nich die Dieselfahrzeuge müssen getauscht werden, die Verursacher, welche von der Materie zwar keine Ahnung haben, aber mit Usinnigen "VERORD- NUNGEN" etwas auf den Weg bringen wollen - damit der Bürger das unfertige E-Auto mit 200Km Reichweite - unbedingt - mit überteuerten Preis kaufen soll. Nicht zu vergessen sind hier die Um- weltfuzzis, welche mit ihrem Gehabe, ihrem An- sinnen der Umwelt mehr schaden, als die sich vor- stellen können - weil die im Umweltwahn sind !
Nirgendwo auf der Welt wird über den Diesel, - so- viel Unsinn erzählt wie in der BRD - ehemals Deutschland ---

08.08.2017 20:11 auto 23

die angebliche Abwrackprämie ist die allgemeine Verkaufsförderung, die man sonst auch erhält, wenn man ein VW kauft. Das hat nichts mit dem Diesel-Skandal zutun.

08.08.2017 19:36 NRW-Wessi 22

Da müsste ich ja völlig beknackt sein.
Ich habe immer gepflegte Gebrauchtwagen in einem Alter von 2-5 Jahren gekauft, diese dann vernünftig gewartet und gepflegt, was sie mir immer mit Zuverlässigkeit gedankt haben. Nachdem ich es bei entsprechender Gesamt-Leistung bei 30.000 km pro Jahr für richtig hielt, das jeweilige Auto zu verkaufen, habe ich immer einen guten Preis dafür erzielt und jetzt soll ich meinen erst 10 Jahre alten Multivan verschrotten, damit die Hersteller vor Lachen nicht mehr in den Schlaf kommen und Autohasser, Öko-Terroristen und leichtgläubige Gutmenschen Beifall klatschen?
Nein, ich als Smartphone-Verweigerer will auch kein total vernetztes Auto, welches mir sagt, wann ich in die Werkstatt zu fahren habe. Das entscheide ich für gewöhnlich selber.
Wie schon vor einiger Zeit angemerkt, ist und bleibt dieser sogenannte Diesel-Skandal aus meiner Sicht kein Zufall, sondern ein eiskalt von Wirtschaft und Politik geplantes Wirtschaftsförderungsprogramm.

08.08.2017 19:32 GEWY38 21

@7 alimente, es gibt nichts zu schimpfen und nichts zu jubeln. Es gibt nur aufzuklären wie die Aufwendungen (Rabatte, Prämien) sich steuerrechtlich auswirken. Ohne hier auf Einzelheiten einzugehen gibt es Modelle im Steuerrecht, die es möglich machen das am Ende diese "Wohltaten" doch wieder bei der Allgemeinheit landen. Wenn auch nicht als Belastung, sehr wohl aber als fehlende Einnahmen. Also indirekt doch Belastung des Staatshaushaltes. Hier würde ich gern einmal das geballte Fachwissen der Steuerrechtler, Journalisten und Politiker erfahren. Vielleicht irre ich mich auch?

08.08.2017 19:30 Blumenfreund 20

Diesel... find ich gut!