Air Berlin
Zahlreiche Reisende mussten am Dienstag wegen Ausfällen bei der Air Berlin umplanen. Bildrechte: dpa

Ab Donnerstag Normalbetrieb erwartet Air Berlin: "Die Piloten kommen zurück"

Den zweiten Tag in Folge fallen bei Air Berlin viele Flüge aus, weil es an Piloten fehlt. Grund sind zahlreiche Krankmeldungen. Nun will die Gewerkschaft Cockpit einen Sozialplan einreichen, denn die Piloten sind der Gewerkschaft zuflge verzweifelt. Für den Donnerstag zeichnet sich wieder normaler Flugverkehr ab. Derweil gibt es im Bieterverfahren für das insolvente Linie offenbar einen weiteren Interessenten: Medienberichten zufolge wollen Chinesen in die Airline einsteigen.

Air Berlin
Zahlreiche Reisende mussten am Dienstag wegen Ausfällen bei der Air Berlin umplanen. Bildrechte: dpa

Bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin fallen auch am Mittwoch zahlreiche Flüge aufgrund von Piloten-Krankmeldungen aus. Bundesweit wurden Dutzende Flüge gestrichen. Für Donnerstag aber rechnet das Unternehmen wieder mit einem normalen Flugbetrieb. Wie das Unternehmen in einem Offenen Brief mitteilte, treffen wieder Gesundmeldungen ein. "Die Piloten kommen zurück", sagte ein Sprecher.

Vereinigung Cockpit will Sozialplan einreichen

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit kündigte derweil an, einen Sozialplan für die rund 1.500 Piloten der Fluglinie einzureichen, nachdem zuvor Gespräche über einen solchen Plan gescheitert waren. Cockpit-Sprecher Markus Wahl sagte, das Unternehmen habe die Gewerkschaftspläne als Hindernis für mögliche Investoren betrachtet. Mit den Krankmeldungen habe die Gewerkschaft nichts zu tun. Man habe den Kollegen vielmehr dazu geraten, ihre Arbeitsplätze einzunehmen.

Im Interview mit MDR Aktuell sagte Wahl, hinter den Kulissen herrsche Angst und Verzweiflung. Air Berlin stelle die Interessen der Investoren über die der Arbeitnehmer. Um deren Belange kümmere sich das Management nicht.

Rund 150 Kapitäne und Piloten fehlen

Bereits am Dienstag waren rund 100 Flüge der Airline ausgefallen, weil sich zahlreiche Piloten krankgemeldet hatten. In einem Schreiben des Vorstandes an die Belegschaft war von "gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers" die Rede. Dieser Krankenstand hat sich der Sprecherin zufolge nicht geändert.

Tausende Reisende betroffen

Von den Ausfällen am Dienstag waren Tausende Passagiere betroffen. Die Airline bittet alle Reisende, vor Reiseantritt den Status ihres Fluges auf der Seite www.airberlin.com/fluginfo zu prüfen. Auf Facebook bittet sie von Flugausfällen Betroffene, nicht zum Flughafen zu kommen und für eine Umbuchung die Hotline Hotline 01806 334 334 anzurufen. Reisende im Rahmen von Pauschalreisen sollten sich an ihren Reiseveranstalter wenden. Mehrkosten könnten unter www.airberlin.com/beschwerde angemeldet werden.

Chinesen wollen mitbieten

Dem Interesse an Investoren taten die Ausfälle aber offenbar keinen Abbruch. So berichtet die "Bild"-Zeitung von einem neuen Interessenten im Bieterverfahren für die insolvente Air Berlin. Demnach  handelt es sich um den chinesischen Betreiber des Flughafens Schwerin/Parchim - Link Global. Ein konkretes Angebot solle noch vor Ablauf der Frist am Freitag beim Insolvenzverwalter eingereicht werden.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Bis zum Freitag sammeln die Insolvenzverwalter verbindliche Angebote von Investoren. Eine Entscheidung soll bis zum 21. September fallen.

Mit Blick auf das laufende Bieterverfahren kritisierte die Airline die Krankmeldungen scharf. Geschäftsführer Thomas Winkelman bezeichnete die Lage am Mittwoch als unerträglich. Sie verschrecke potenzielle Investoren. Bereits am Dienstag hatte die Unternehmensspitze sprach von einer existenzbedrohenden Lage gesprochen.

Zypries: "Nerven behalten"

Auch die Politik mischte sich ein. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt forderte die Rückkehr der Piloten. Die Insolvenz von Air Berlin sei "eine große Belastung für alle Mitarbeiter, vor allem auch wegen der Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung der Arbeitsplätze", sagte der CSU-Politiker der "Bild".

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte der Zeitung, "ich wünsche mir, dass alle Beteiligten an den Gesprächen um die Zukunft von Air Berlin die Nerven behalten und versuchen, das Beste für die Beschäftigten zu erreichen".

Derzeit ist der Weiterbetrieb der insolventen Fluglinie nur mit Hilfe eines Bundeskredites über 150 Millionen Euro möglich.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 13.09.2017 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 15:26 Uhr

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7 Kommentare

13.09.2017 18:58 Udo K 7

@ Klaus 6
Der Niedergang hatte bereits stattgefunden, bevor die Piloten sich krank meldeten! Eine Mitschuld kann sie da gar nicht treffen.
Ihre restlichen Bemerkungen sind einfach nur Unsinn.

13.09.2017 16:44 Klaus 6

{ Fragender Rentner 5 }
"Sind Piloten an dem Niedergang des Unternehmens dran schuld oder die Konzernspitze?" => Zumindest haben die Piloten jetzt eine Mitschuld.

"Ist das ein Wunder wenn sich die Piloten wehren, wenn man keine Einigung erzielt!" => Wenn man sich nicht einigen kann, muss man zwangsläufig getrennte Wege gehen.

13.09.2017 15:51 Fragender Rentner 5

Wieviele Steuermittel wurden jetzt verbrannt?

Sind Piloten an dem Niedergang des Unternehmens dran schuld oder die Konzernspitze?

Ist das ein Wunder wenn sich die Piloten wehren, wenn man keine Einigung erzielt!

Jetzt sollen die Fluggäste auch noch eine kostenpflichtige Rufnr. anrufen, bei der sie ewig in der Warteschleife hängen werden, ist auch wieder so Kundenfreundlich von dem Unternehmen!

Ist zwar für die Fluggäste mehr als ärgerlich aber nur so wird bestimmt eine bessere Lösung gefunden.

13.09.2017 14:13 Klaus 4

{ Logo 2 }
Es wird niemand gezwungen dabei zu bleiben. Die Tür zum Gehen ist immer offen.

13.09.2017 13:01 Markus 3

Es ist besser Flüge ausfallen lassen, als von den kranken Piloten ins Gebirge gesteuert werden - wie das schon war.

13.09.2017 11:07 Logo 2

Nachrichten-TV: "Krankmeldungen stürzen Air Berlin ins Chaos." Wenn Mitarbeiter nicht mehr (so) wollen, kann der Unternehmer sein Unternehmen nicht mehr aufrecht erhalten. So ist das Resultat in der Wirtschaft – Chaos!

Und wie wäre es in der Gesellschaft?
Wenn die Bürger nicht mehr (so) wollen, bei dieser Politik hier …?
Das wäre dann wie „Herbst 1989“.

13.09.2017 09:05 Klaus 1

Die Sache ist ganz einfach, zumindest was die Piloten angeht: Die sind für den Flugbetrieb ungeeignet (fehlendes Verantwortungsgefühl), müssten also die Fluglizenz entzogen bekommen. Es ist ja schon komisch, dass die, die am meisten bekommen, andere runterziehen.

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