Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht am 12.09.2013 in Frankfurt am Main (Hessen) während der 65. Internationalen Automobil-Ausstellung am Stand des Autoherstellers Mercedes an einem Elektroauto vom Typ
Die "Klimakanzlerin" ist zurückgerudert: Erst wollte sie eine Million Elektroautos bis 2020. Das hält sie inzwischen für nicht mehr realistisch. Bildrechte: dpa

Faktencheck Wie "öko" sind Elektroautos wirklich?

Wie umweltfreundlich sind eigentlich Elektroautos? Eine schwedische Studie sagt, sie sind genauso umweltfreundlich wie Benziner, wie Verbrennungsmotoren. Die Herstellung der Akkus sei so energieintensiv, dass sich ein positiver Effekt beim CO2-Ausstoß bei einer Luxuslimosine wie dem Tesla Model S erst nach acht Jahren, bei einem kleinen E-Mobil erst nach drei Jahren ergebe. Ist das wirklich so?

von Karsten Möbius, MDR AKTUELL

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht am 12.09.2013 in Frankfurt am Main (Hessen) während der 65. Internationalen Automobil-Ausstellung am Stand des Autoherstellers Mercedes an einem Elektroauto vom Typ
Die "Klimakanzlerin" ist zurückgerudert: Erst wollte sie eine Million Elektroautos bis 2020. Das hält sie inzwischen für nicht mehr realistisch. Bildrechte: dpa

Ja, das ist tatsächlich so, sagt Lars Mönch vom Umweltbundesamt: "Jetzt im Moment gehen wir davon aus, dass hinsichtlich der reinen CO2-Emission pro Kilometer die Elektromobilität etwa so gut ist wie sparsame Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren."

Kohlestrom ist das Problem

Das heißt, ein SUV mit Elektromotor trägt unter dem Strich einen größeren CO2-Rucksack als ein kleiner Mittelklassewagen mit Benzin oder Dieselantrieb. Das liegt zum einen an der Herstellung der Akkus, erklärt Prof. Udo Becker, Verkehrsökologe an der TU Dresden: "Ja, in der Produktion verbrauchen die wirklich unglaublich viel Energie." Und da ist zum anderen die Energie, aus der unser heutiger Strom hergestellt wird: "Solange wir den Strom mit ganz normalen, also auch mit unseren sächsischen Braunkohlekraftwerken erzeugen, haben die auch keinen Klimaschutzbeitrag. Elektroautos sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Lösung, das ist tatsächlich so."

Umweltbundesamt: Mehr Strom aus regenerativen Quellen

Die Experten stimmen dieser Momentaufnahme der schwedischen Studie also komplett zu. Für Lars Mönch ist das aber zu kurz gedacht "Elektromobilität kann ihre Vorteile erst wirklich dann ausspielen, wenn der Strom regenerativ zur Verfügung gestellt wird." Insgesamt würde mit Elektromotoren und grünem Strom auch der Gesamtenergiebedarf sinken: "Es ist die höhere Effizienz von Elektrofahrzeugen gegenzurechnen, weil ich etwa nur ein Viertel des End-Energiebedarfs benötige. Da meinen wir eben, der Strombedarf ist nur ein Viertel vom Rohölbedarf."

Andere Verkehrspolitik nötig

Um Elektrofahrzeuge wirklich umweltfreundlicher als Verbrennungsmotoren zu machen, sind für Prof. Udo Becker von der TU Dresden drei Dinge notwendig: "1.: Wir brauchen sehr viel mehr regenerativ erzeugte Energie. 2. Wir brauchen Fortschritte beim Recycling. Die Hersteller müssen die Batterien immer und immer wieder verwenden können. 3. Wir brauchen eine völlig andere Verkehrspolitik. Wir müssen nicht Verkehr fördern, sondern Nähe."

E-Motoren können aufholen

Lars Mönch vom Umweltbundesamt weiß, dass derzeit am Recycling von Akkus intensiv geforscht wird. Aus seiner Sicht verschiebt sich die Ökobilanz immer weiter zugunsten des Elektromotors: "Insofoern ist aus unserer Sicht die Gesamtbilanz positiv, weil natürlich der Energiebedarf sinkt und auch die Rohstoffbedarfe mittelfristig durch Recyclingkreisläufe befriedigt werden können."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 04.07.2017 | 06:23 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2017, 09:56 Uhr

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31 Kommentare

05.07.2017 18:30 Eulenspiegel 31

Hallo Der Aufklärer. Einkleinre Tipp von mir lesen sie mal den Beitrag von Knut Kornatz 15. Und dann überdenken sie das ganze noch ein mal.

05.07.2017 18:18 Eulenspiegel 30

Tatsächlich exportieren wie erheblich mehr Strom als wir importieren. Deutschland ist seit Jahrzehnten das Land in Europa das mit Abstand den größter Exportüberschuss hat. Frankreich ist z.B. auf unsere Stromlieferungen angewiesen

05.07.2017 18:15 Eulenspiegel 29

Hallo Altmeister 50. Wer von der einen Technologie zur Energiegewinnung überzeugt und glaubt damit können wir alle Energieprobleme der Zukunft lösen der träumt. Wir brauchen ein breite Spektrum an Energieträgern die unerschöpflich sind. Dazu kommt Biogas da ständig große Mengen Bioabfall anfällt. Sonne Wind und Wasserkraft bieten sich da an. Wussten sie das alleine in den Ausbau der Windenergie weltweit mehr investiert wird als in Kohle und Kernkraftwerke zusammen. In wie weit die Fusion (ITER) mal eine Rolle spielen wird das werden wir dann sehen wenn sie zur Verfügung steht und wir in der Lage sind alle Chancen und Risiken abzuwiegen. Eine blinde und naive Technologiegläubigkeit, wie sie sie ausstrahlen, hatten wir mal und die nachfolgenden Generationen haben die Probleme.
Hallo Der Aufklärer. Es stimmt zwar das wir Strom importieren. Da geht es aber nur um Regionalbereiche in Grenzgebieten. Tatsächlich exportieren wie erheblich mehr Strom als wir importieren.

05.07.2017 12:16 Der Aufklärer 28

Solang die Energieversorgung, nicht rein aus Wind, Wasser,Sonne kommt sind E-Autos nicht zu empfehlen.
Wir beziehen den Strom teils vom Ausland weil Atom
Strom hier abgeschafft wird (Dank Grüne Partei)
Wir Zahlen eine menge Geld für Strom, der noch aus Kohlekraftwerken kommt, was soll da Öko sein?

05.07.2017 10:06 Altmeister 50 27

Sehr geehrtes mdr- team,
aus meiner Sicht sollte die kontroverse Diskussion dahingehend erhellt werden, dass man die aktuellsten Erkenntnisse zur Effektivität der Wind- und Solarenegie und notwendiger Backup- Kraftwerke sowie den derzeitigen Entwicklungsstand der Energiegewinnung aus ITER, LENR vermittelt.
Ich würde mich freuen, sollten Sie sich dieser Problematik annehmen.

05.07.2017 08:49 Ekkehard Kohfeld 26

@ Knut Kornatz 15 Ich bin geschockt von der Verbrenner Lobby hier.Jeder sollte folgendes wissen und mal wirklich mit gesundem Menschenverstand folgendes bedenken:##Haben sie den Bericht oben eigentlich nicht gelesen??So blind kann man doch nicht sein oder?

05.07.2017 08:45 Wutbürger 25

2. Was wäre also das Beste für diesen schönen Planeten "Erde"??? Es gibt eine Lösung und die kostet sogar weniger! Ganz einfach: JEDER schränkt seinen Konsumwahn ein wenig ein. Die Protzkarre alle 3 Jahre wegen der Nachbarn und Kollegen muss nicht sein. Der Urlaub muss nicht auf Megaverschmutzern wie Kreuzfahrtschiffen oder per Jumbojet stattfinden. Die kleinen Wege zu Fuß machen, hält auch noch gesund. Hat keiner mal nachgedacht, warum die Banken und der Handel uns Billigstkredite hinterherwerfen zum Konsumieren? Wundert sich niemand, daß mittlerweile jeder .... einen Kredit hinterhergeworfen bekommt? Bsp. Auto: 30000,-Anz. 0,- Zins 0% Rate 150,- Restrate 18000... Anders ist der Wachstums-"Berg zu Babel" nicht mehr zu stemmen. Dennoch wächste er unaufhörlich...wächst und wächst...und platzt. Die finanzierten Dinge? Nichts mehr wert. Gilt erst recht für Immos! Wie gesagt: Nicht OB, nur Wann ist die Frage.

04.07.2017 00:23 part 24

Es wurde noch vergessen zu erwähnen das die Atomstromkonzerne dank unserer Volksvertreter jetzt für die läppische Summe von 24 Milliarden Euro für die Zukunft von allen Risiken der Atomstromerzeugung befreit wurde, die Bundesregierung trägt jetzt die Schuldlast der Endlagerung, dem Abriss alter Meiler und Endlagerung von kontaminierten Material sowie die Risiken von schweren Unfällen. Damit wird der umweltpolitische Rucksach für einen E- Karren natürlich noch größer als vermutet, nachden schon die Brennelementesteuer wieder gekippt wurde.

04.07.2017 20:06 Wo geht es hin? 23

@Knut Kornatz: Und ich bin geschockt von Ihrer Milchmädchenrechnung. Wichtige Komponenten wie Herstellungskosten von Akku`s, deren relative kurze Haltbarkeit (daraufhin Neubeschaffung) und niedrige Speicherkapazität und Entsorgung, Energieaufwand und Wartung für regenerative Energiearten usw., lassen Sie einfach weg. Auch Ihre gesamte Berechnungsart lässt mich an der Seriösität (bzw. Fachwissen) Ihres Beitrages sehr zweifeln.

04.07.2017 20:00 Eulenspiegel 22

„Ein Hybridkraftwerk, auch als Hybridanlage bezeichnet, ist eine Form von Kraftwerk welches zur Energiegewinnung von elektrischer Energie, Treibstoff und/oder Wärme aus verschiedenen Primärenergieträgern ausgelegt ist. Im allgemeinen Fall werden mehrere Energieerzeugungsanlagen mit Speichern und Energieabnehmern wie Wärmenetzen, Tankstellen oder Gasnetzen sowie dem Versorgungsnetz verbunden und untereinander optimiert geregelt.[1] Es können auch Hybridkraftwerke als eine Kombination von Solarenergie mit einer fossilen Energiequelle zur Stromerzeugung erstellt werden.[2] Der Begriff findet ebenso Verwendung für Kraftwerke, welche zwei Stromerzeuger zwecks Wirkungsgradsteigerung koppeln.“
Ich denke dies zeigt klar und eindeutig wir sind dabei unsere Energieversorgung auf eine gute regenerative Basis umzubauen.