Deutsche Wirtschaftsweise stellen Herbstgutachten 2017 vor.
Die Wirtschaftsweisen der fünf führenden Institute stellen das Herbstgutachten 2017 vor. Bildrechte: imago/Jürgen Heinrich

Herbstgutachten der Wirtschaftsweisen Höheres Wachstum und Gefahr der Selbstzufriedenheit

Höheres Wachstum und satte Überschüsse: Das Herbstgutachten für die deutsche Wirtschaft prognostiziert weiterhin eine positive Entwicklung. Allerdings warnen die Wirtschaftsweisen die künftige Regierung vor Selbstzufriedenheit. Reformen und Investitionen seien nötig, um auf Aufschwungskurs zu bleiben. Als größte Herausforderung der kommenden Jahre gilt der demografische Wandel.

Deutsche Wirtschaftsweise stellen Herbstgutachten 2017 vor.
Die Wirtschaftsweisen der fünf führenden Institute stellen das Herbstgutachten 2017 vor. Bildrechte: imago/Jürgen Heinrich

Die deutschen Wirtschaftsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für das laufende und das kommende Jahr deutlich angehoben. Laut dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Herbstgutachten der fünf führenden Institute wächst die deutsche Wirtschaft 2017 um 1,9 Prozent. Bislang waren sie von 1,5 Prozent Wachstum ausgegangen. Für das kommende Jahr wird ein Wachstum von 2,0 bis 2,1 Prozent erwartet. Im Frühjahr hatten die Wirtschaftsinstitute für das kommende Jahr noch ein Wachstum von 1,8 Prozent vorhergesagt.

109 Milliarden Überschuss

Auch die Finanzlage des Staates entwickelt sich den Forschern zufolge weiter positiv. Allein von 2017 bis 2019 sagen die Institute der öffentlichen Hand Überschüsse von insgesamt 109 Milliarden Euro voraus. 2019 soll der Schuldenstand des Staates erstmals seit Jahren unter die Marke von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen, die in den EU-Verträgen als Obergrenze vorgesehen ist.

Warnung an künftige Regierung

Angesichts des Dauer-Aufschwungs und voller Staatskassen warnen Deutschlands führende Ökonomen die künftige Bundesregierung allerdings vor Selbstzufriedenheit. "Die größten wirtschaftlichen Fehler werden in Perioden mit gefüllten Kassen gemacht", sagte der Vizepräsident des IWH-Instituts, Oliver Holtemöller, bei der Vorstellung des Herbstgutachtens mit dem Titel "Aufschwung weiter kräftig - Anspannungen nehmen zu".

Reformen und Investitionen

Holtemöller und die anderen Top-Ökonomen raten der neuen Regierung deshalb dringend, mit Reformen und Investitionen den Weg für einen anhaltenden Aufschwung im kommenden Jahrzehnt zu ebnen. Auch sollten künftige Überschüsse dazu genutzt werden, um ökonomischen Rahmenbedingungen zu verbessern. Außerdem empfehlen die Gutachter, die Sozialabgaben zu senken und so vor allem Bezieher niedriger Einkommen zu entlasten - etwa durch geringere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Auch niedrigere Einkommensteuern halten sie angesichts der "auch im internationalen Vergleich hohen Belastung der Arbeitseinkommen mit Abgaben" für machbar.

"Erste Zeichen einer Anspannung"

Bereits jetzt gibt es laut aktuellem Herbstgutachten "erste Zeichen einer Anspannung". So gebe es angesichts der kräftigen Konjunktur etwa in der Baubranche einen zunehmenden Mangel an Arbeitskräften. Grundsätzlich erwarten die führenden Wirtschaftsinstitute aber, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zunächst weiter verbessert und die Zahl der Erwerbstätigen auch künftig zunimmt.

Warnung vor demografischem Wandel

Prof. Dr. Stefan Kooths
IfW-Experte Kooths: Korrekturen bei Rentenversicherung nötig. Bildrechte: IMAGO

Die Verfasser des Herbstgutachtens warnen allerdings davor, dass sich das bisherige Wachstumstempo angesichts einer immer ältere werdenden Gesellschaft und der in einigen Jahren stark sinkenden Erwerbstätigenzahl nicht ohne weiteres halten lässt. "Dann werden wir uns eher der Ein-Prozent-Marke annähern", sagte der Konjunktur-Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths. Er und die anderen Wirtschaftsexperten raten deshalb zu Korrekturen bei der gesetzlichen Rentenversicherung, da künftig immer mehr Rentnern immer weniger Beitragszahler gegenüberstünden. Sie müsse flexibler werden. So könnten die Arbeitnehmer die Wahl haben, entweder höhere Beiträge zu zahlen, niedrigere Renten in Kauf zu nehmen oder länger zu arbeiten.

Grundlage für Regierungsprognose

Das Herbstgutachten der fünf führenden deutschen Wirtschaftsinstitute, zu denen das Münchner Ifo-Institut, das Berliner DIW, das Essener RWI, das Kieler IfW und das IWH Halle gehören, dient der Bundesregierung als Grundlage für ihre eigene Prognose.

Am 11. Oktober wird Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries die Herbstprojektion der Regierung vorlegen. Wie die SPD-Politikerin bei der Vorstellung des Herbstgutachtens sagte, attestiert dieses der deutschen Wirtschaft "erneut eine sehr gute Verfassung". Auch Zypries betonte allerdings die Notwendigkeit, sich den "Herausforderungen des demographischen Wandels" zu stellen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 29.09.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 20:18 Uhr

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7 Kommentare

29.09.2017 12:15 Dirk Neumann 7

Aber liebe Leute, wie Atze schon schrieb, ist das doch die logische Konsequenz aus der Bundestagswahl.
Wenn die Deutschen wirtschaftsliberal wählen, bekommen sie die bestellte Armut natürlich sofort geliefert! Herr Lindner wird diese Flanke schon verwandeln!
Warum erkennt niemand, dass die SPD zumindest versucht, soziale Verbesserungen zu bewirken. Das mag nicht immer funktionieren (Beispiel Mietpreisbremse), aber Ihr werdet alle noch bemerken, dass Jamaika für keinen gut ist, außer für Multimillionäre!

29.09.2017 10:28 Atze 6

@Zausel:
Fehler gefunden.
Es liegt also nicht an der Bevölkerungszahl.
Wenn das Bruttosozialprodukt steigt, muss logischerweise auch genügend Geld für die Rente dasein. Verteilungsproblem!!!
Weniger Bevölkerung= mehr BSP, ach nö, so vordergründig wird man manipuliert von angeblichen "Weisen". In der DDR gab es wenigstens noch den Frieden und die Solidarität, was Ethisches....
Wenn Technikzeitalter 4.0 kommt, werden sich die Superreichen weiter ihre Taschen füllen und uns Märchen erzählen.

29.09.2017 10:02 Fragender Rentner 5

Na da werden bestimmt die Löhne ansteigen.

29.09.2017 05:25 optinator 4

Bürger, denkt daran, ihr seit geboren um zu arbeiten, den Reichtum anderer zu vermehren.

28.09.2017 22:04 Atze 3

Kooths gibt die Steilvorlage, die logisch war nach der Bundestagswahl.
Während sich die Herren und Damen Abgeordneten im Bundestag zuhauf, über 100 Leute mehr, tummeln, dicke Brieftaschen haben, kann das Ihnen ja egal sein, wie lange der kleine Mann arbeiten muss und was er sich als Rentner noch leisten kann. Es ist aber jetzt so, dass der Bürger das nicht mehr so einfach hinnimmt.
Der Ossi vor allem ist anders gestrickt als der Bruder im Westen. Heute sagte eine Frau zu mir, der Sachse vergisst nichts.

28.09.2017 21:58 h2o 2

Wer auch immer warnt hat Angst. Punkt

28.09.2017 20:11 zausel 1

Die Bevölkerungszahl sinkt, das Bruttosozialprodukt steigt und für die Rente ist nicht mehr genug Geld da. Findet den Fehler!