Die Deutsche Bundesbank präsentiert am 23.08.2017 in ihrer Zentrale in Frankfurt am Main (Hessen) Goldbarren
Entstanden ist der Staatsschatz in den Boom-Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Bildrechte: dpa

Rückholaktion Deutscher Goldschatz zurück aus den USA

"Holt unser Gold heim!" - das forderte vor fünf Jahren eine Bürgerinitiative mit Tausenden Unterstützern. Der Grund dafür: Zwar besitzt die Bundesbank die zweitgrößten Goldreserven der Welt, ein Großteil lagerte damals aber in Tresoren im Ausland, insbesondere in den USA. Weil manche bezweifelten, dass das Gold überhaupt existiere, entschloss sich die Bundesbank zu einer Rückholaktion. Thomas Flieger aus Mühlhausen fragt, was aus dem ausgelagerten deutschen Staatsschatz geworden ist.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Die Deutsche Bundesbank präsentiert am 23.08.2017 in ihrer Zentrale in Frankfurt am Main (Hessen) Goldbarren
Entstanden ist der Staatsschatz in den Boom-Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Bildrechte: dpa

Es passiert selten, aber manchmal werden öffentliche Aufträge schneller erledigt als geplant. Bis 2020 wollte die Deutsche Bundesbank die Hälfte ihrer Goldreserven nach Deutschland holen. Doch das Projekt ist bereits abgeschlossen. Schon vergangenes Jahr kam der letzte Barren aus New York an. Diesen Sommer erreichte das letzte Gold aus Paris Deutschland. In Summe seien fast 54.000 Barren heimgekehrt, sagt Bundesbankvorstand Carl Ludwig Thiele: "Alle Barren, die nach Deutschland kamen, sind hier vollständig überprüft worden. Es wurden keine Abweichungen von unseren Bilanzpositionen festgestellt. Sorgen, die Einzelne hatten, stellten sich als unbegründet heraus."

50 Prozent bleiben im Ausland

Reint Gropp
Experte Reint Gropp Bildrechte: dpa

Damit lagern nun 50 Prozent der deutschen Goldreserven in Deutschland. 37 Prozent bleiben allerdings in New York, weitere 13 Prozent liegen in London. Wäre es nicht sinnvoll, alles nach Hause zu holen? Reint Gropp schüttelt den Kopf. Er ist Präsident am Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. "Einen Barren zurückzuholen, kostet etwa 150 Euro. Das ist schon ein Betrag. Darüber hinaus gibt es noch das Argument, wenn man es irgendwann verkaufen will, will man das Gold an den Handelsplätzen haben. Und die wichtigsten Handelsplätze für Gold sind New York und London. Deswegen ist es sinnvoll, noch ein bisschen Gold dort zu lagern."

Woher kommt der Goldschatz?

Entstanden sind die deutschen Goldreserven nach dem Zweiten Weltkrieg. Die westdeutsche Wirtschaft boomte, ihre Handelsüberschüsse wurden im Ausland in Gold angelegt. Jetzt sind die Reserven 120 Milliarden Euro Wert. Man könnte sie zu Geld machen und zum Beispiel in marode Schulen investieren. Doch ganz so einfach sei es nicht, sagt Gropp. "Wenn die Bundesbank jetzt ankündigte, sie wolle Gold verkaufen, können Sie sich vorstellen, was mit dem Goldpreis passieren würde. Der würde ordentlich fallen. Deswegen müsste die Bundesbank das über einen langen Zeitraum hinweg, man schätzt so 20 Jahre, nach und nach verkaufen und, 100 Milliarden durch 20 geteilt, wäre nicht so fürchterlich viel für die Schulen." Für Reint Gropp stellt sich die Frage nach einem Verkauf nicht.

Der sprichwörtliche Spargroschen

Das Gold ist der Notgroschen der Deutschen. Zwar sind Währungen weltweit schon lange nicht mehr durch das Edelmetall gedeckt. Bundesbankvorstand Thiele sagt, in Krisenzeiten könne man die Reserve trotzdem einsetzen. "Nahezu alle Notenbanken der Welt haben Gold als Teil ihrer Währungsreserven. Bricht man diese Angaben pro Kopf der Bevölkerung herunter, haben wir in Deutschland 41 kg Gold je eintausend Einwohner. In Italien sind es 40 kg je tausend Einwohner, in Frankreich 36 und in den Niederlanden ebenfalls 36."

Die heimgeholten Barren lagern nun in einem Tresor in Frankfurt am Main, vermutlich tief unten im Keller. Wie genau die Bundesbank die 670 Tonnen nach Deutschland transportiert hat, ob per Flugzeug, Schiff, Lkw oder Zug, darüber schweigt Thiele. Getreu dem Motto: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 28.08.2017 | 05:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2017, 09:10 Uhr

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5 Kommentare

28.08.2017 16:29 Graf von Henneberg 5

Das sind je Einwohner ca. 41 Gramm Gold, also etwas mehr als eine Feinunze/Einwohner. Das sind derzeit ca. 1090,00 € / Einwohner was der Staat an Notgroschen zurückgelegt hat. Der Staat ? Notgroschen? für den Bürger? . Das sind die Reserven der Bundesbank - und die entscheidet ja unabhängig vom Volk, dem Souverän. Also liebe Leute schminkt Euch ab, daß Ihr im Ernstfall was davon abbekommt. Das Gold verteilen dann andere unter sich.

28.08.2017 14:32 Horst 4

"Goldschatz"?!

wiki sagt:

"Der Schatz („thesaurus“) oder auch Schatzfund ist nach der Legaldefinition des § 984 BGB eine bewegliche Sache, die so lange verborgen war, dass sich ihr Eigentümer nicht mehr ermitteln lässt."

Auch wenn man die Rückholaktion angeblich wegen ein paar Spinnern macht, kann man die Meldung doch bitte sachlich formulieren.

28.08.2017 14:23 mattotaupa 3

@#2: "Es kann auch gut als Druckmittel seitens der USA auf Deutschland verwendet werden." ich trau den amis spätestens seit dem orangenen präsi kein stück weit aber 37% von der lt. artikel 120 mrd-reserve sind nun auch nicht die welt für deutschland (bip 3500 - 4000 mrd). wahrscheinlich haben deutsche konzerne dort mehr an werten stehen. die druckmittel sind also ganz andere. wie soll denn die gold-drohung aussehen, wenn man nicht gleichzeitig den handelsplatz new york selbst "vernichten" will? ein noch größerer nibelungenschatz 2.0 in frankfurt macht auch niemanden glücklicher.

28.08.2017 13:43 Fred 2

"Deutscher Goldschatz zurück aus den USA" - Die Überschrift ist irreführend, da es nur eine Teilrückführung ist. Und Herr Grop scheint ja ein Schelm zu sein. Er muß doch wissen, das ausgerechnet die USA der Staat ist, der dafür sorgte, dass von Libyen, Irak, Syrien, Iran, Kuba große Teile Ihrer Geldvermögen eingezogen/beschlagnahmt wurden. Er sollte Angst haben, um das deutsche Gold in den USA. Es kann auch gut als Druckmittel seitens der USA auf Deutschland verwendet werden.

28.08.2017 07:10 Gerd 1

"Weil manche bezweifelten, dass das Gold überhaupt existiere, entschloss sich die Bundesbank zu einer Rückholaktion.
...
Damit lagern nun 50 Prozent der deutschen Goldreserven in Deutschland. 37 Prozent bleiben allerdings in New York, weitere 13 Prozent liegen in London."

und wenn nur noch 1 Prozent im Ausland wäre, genau das interessiert doch die Zweifler.
Diese Aktion hätten sie sich auch sparen können!

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