Elektromobilität Die Kaufprämie für E-Autos – ein Flop

Die Vorteile von Elektro-Autos für die Umwelt liegen auf der Hand: weniger klimaschädliches CO2, weniger Abgase, weniger Lärm. Aber guter Wille allein hat dem Elektroauto noch nicht zum Durchbruch verholfen. Seit Juli gibt es deswegen eine Kaufprämie von 4.000 Euro. Doch auch diese bewirkt wenig. Der ADAC sieht dafür zwei Hauptgründe.

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Für 400.000 Autos würden die Mittel für die Prämie reichen. Und bei der Vorstellung des Programms im Sommer schürte Finanzminister Wolfgang Schäuble die Erwartung, dass das Geld schnell weg sein könnte: "Wir machen ein Windhundverfahren. Das heißt: Wer zuerst kommt, bekommt die Förderung."

Inzwischen zeigt sich: Man muss kein Windhund sein, um die Kaufprämie zu bekommen. Eine Schnecke ist auch schnell genug. Bis Anfang Dezember haben gerade mal 4.173 Elektro-Autokäufer das Geld abgerufen. Dazu kommen nochmal 3.195 Anträge für Hybrid-Fahrzeuge. Das belegen Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft, das die Prämie verteilt.

Kein Sprint, sondern ein Marathon

Wieland Bruch von BMW räumt ein: "Das ist natürlich ein langsamer Start. Aber man darf nicht vergessen: Die Elektromobilität, das ist kein Sprint, sondern ein Marathon."

BMW hat von der Prämie bis jetzt am meisten profitiert: Knapp ein Drittel aller Anträge wurde für ein Auto dieses Hersteller gestellt. Deutlich dahinter folgen Renault und Audi. Große Umsätze erzielt keiner durch die Prämie. Und Johannes Boos vom ADAC meint: Für viele ist ein Elektroauto trotz Kaufhilfe noch zu teuer.

"Unser aktueller Autokostenvergleich zeigt ja, dass sich die Anschaffung der allermeisten Elektroautos selbst mit der Kaufprämie gar nicht lohnt." Das bedeute, selbst wenn dieser Zuschuss in voller Höhe von 4.000 Euro pro Modell auf die Autokosten draufgeschlagen werde, dann seien die meisten Modelle "eben noch deutlich teurer als ein vergleichbarer Diesel oder Benziner", sagt Boos.

Die Reichweite reicht noch nicht aus

Für den Vergleich hat der ADAC nicht nur auf den Kaufpreis geschaut, sondern auch auf Einsparungen bei der Kfz-Steuer und beim Tanken. Trotzdem ist das Ergebnis nicht günstiger ausgefallen. Dazu kommt laut ADAC noch eine Problem: Vielen reicht etwa die Reichweite von Elektroautos noch nicht.

"Gerade jetzt im Winter, wenn wir zusätzliche Verbraucher wie die Heizung angeschaltet haben, reduziert sich die Reichweite nochmal mehr", erklärt Boos. Das heißt, Pendler, die im Sommer eine Reichweite erzielten, mit der sie zum Arbeitsplatz kommen, müssen jetzt im Winter schauen, dass sie den Weg auch mit voll aufgedrehter Heizung schaffen.

Das Schnellladenetz muss noch aufgebaut werden

Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
Wenn die Batterie unterwegs zur Neige geht, hat man ein Problem. Bildrechte: dpa

Wieland Bruch hält dagegen: Die meisten Nutzer würden nur knapp 50 Kilometer am Tag mit einem Elektroauto fahren. Dafür genüge die Reichweite. Der BMW-Mann räumt aber ein: Wenn die Batterie unterwegs zu Ende geht, hat man nach wie vor ein Problem.

"Das sind alles Sachen, wo man nicht den Schalter umlegen kann. Wir sind mit der Elektromobilität jetzt noch in dem Stadium, wo vielleicht die Berta Benz vor 110 Jahren war, als sie, um einen Liter Benzin zu kaufen, noch von Apotheke zu Apotheke gefahren ist", sagt Bruch.

BMW, Mercedes, Ford und VW haben aber schon angekündigt, dass sie gemeinsam ein europaweites Schnellladenetz aufbauen wollen. Aber die Firma, die das betreiben soll, wird erst im Frühjahr gegründet. Und im ersten Schritt werden dann in ganz Europa nur 400 Ladestationen gebaut.

Wieland Bruch von BMW ist trotzdem optimistisch in Bezug auf die Elektromobilität. "Alle anderen Länder, wo Elektromobilität schon weiter ist, zeigen, dass die Kombination aus Kaufprämie, Anreizsystemen für Parken und in die Innenstädte zu fahren ihre Wirkung entfalten. Das wird auch in Deutschland der Fall sein."

In anderen Ländern war der Anreiz aber auch deutlich höher: In Norwegen zum Beispiel bekommt man beim Kauf eines Elektroautos 11.000 Euro und nicht nur 4.000 wie in Deutschland.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio | 16.12.2016 | ab 5:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2016, 05:52 Uhr

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7 Kommentare

18.12.2016 21:39 Fragender Rentner 7

Zitat von Oben: Der BMW-Mann räumt aber ein: Wenn die Batterie unterwegs zu Ende geht, hat man nach wie vor ein Problem.

Wer kommt für die Probleme dann auf, die Autokonzerne?

Bestimmt nicht oder?

18.12.2016 21:35 Fragender Rentner 6

Welche Leistungen bringt der Akku unter 0 Grad und wenn das Auto noch warm werden soll?

Geschweige bei unter 10 Grad Minus!

18.12.2016 12:02 Michael Möller 5

hier zeigt sich für mich persönlich ,das die Journalisten leider nicht genau aufklären zum Teil, denn warum sinnd die Autos oder die Prämie den ein Flopp. 1. es fehlt die infrastruktur , 2. die Reichweite,3. wie lange halten die batterien oder wie hier von einen Kommentar sehr gute gefragt wie ist der Wiederverkaufwert und was noch fehlt wieso soll ich ein Auto kaufen was mir 10.000 Euro mehr kostet wenn ich nichts darüber genau weis oder der Verkäufer mir auf meine Fragen keine antwort geben kann.

18.12.2016 08:34 Alex Kaiser 4

Die Elektroprämie ist doch nicht der Flop! !
Das Konzept Elektroauto ist der Flop. Ich bin sehr gespannt wann die Ernüchterung kommt, wenn die Welt erkennt dass die Fahrer keinen Mehrwert an diesem Konzept haben. Nix als Nachteile und dann soll alles noch mehr kosten als ein simpler Verbrenner. Die Konsumenten sind schlauer als die Medien und lassen sich wenn es ums Geld geht eben nicht um den E-Hype-Finger wickeln.

17.12.2016 22:01 Zettmaster 3

Einfach zu früh für eine Förderung. In zwei bis drei Jahren sind dann mehr Modelle am Start die man sich auch leisten kann.

17.12.2016 08:53 Querdenker 2

Der Artikel: http://www.mdr.de/nachrichten/wirtschaft/inland/hintergrund-elektroauto-akkus-100.html sagt viel aus. Einfach mal versuchen zwischen den Zeilen zu lesen, dann merkt man schnell, was für ein "Schrott" einem da angedreht werden soll. Sollen die Grünen doch Alpha-Tester spielen. 500 Ladezyklen und die Akkus halten angeblich länger als die Lebenszeit vom Auto? Und dann diese Temperaturgeschichte. Ein Auto was nicht über 30 Grad Plus und 20 Grad Minus regelmäßig jedes Jahr ab kann ist schlichtweg Schrott. Und schon mal aus dem Fenster in einer Großstadt geschaut und eine Steckdose gesucht? Die Hersteller müssen nachlegen, die haben ziemlich geschlafen bisher.

17.12.2016 08:02 Moni 1

eure Probleme möchte ich haben ;-)
in den Städte finden die Anwohner mitunter keine Parkplätze, wo sollen sie denn ihre Autos laden?
Ihr braucht mir nur eine Ladestation vor den Neubaublock zu bauen und ich kaufe mir einen Tesla.