Zwei Frauen gehen an der Agentur für Arbeit vorbei
Der Anteil von Hartz-IV-Empfänger aus nichteuropäischen Asylländern hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Bildrechte: dpa

Folgen der Flüchtlingskrise Jeder vierte Hartz-IV-Empfänger ist Ausländer

Der Flüchtlingsansturm auf Deutschland hat auch die Jobcenter erreicht. Dort stieg die Zahl ausländischer Hartz-IV-Bezieher auf über 1,5 Millionen. Damit hat jeder vierte der insgesmamt knapp sechs Millionen Grundsicherungsempfänger keinen deutschen Pass. Ein knappes Drittel kommt aus nichteuropäischen Asylländern. Auch in Mitteldeutschland hat deren Anteil deutlich zugenommen. Immerhin sank der Anteil der deutschen Hartz-IV-Berechtigten um 240.000.

Zwei Frauen gehen an der Agentur für Arbeit vorbei
Der Anteil von Hartz-IV-Empfänger aus nichteuropäischen Asylländern hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Bildrechte: dpa

Mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen im vergangenen Jahr ist auch die Zahl der ausländischen Hartz-IV-Empfänger in Deutschland deutlich angestiegen. Wie aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht, waren Ende April 1,54 Millionen Ausländer auf sogenannte Grundsicherungsleistungen der Jobcenter angewiesen. Das waren 170.000 (12,4 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei einer Gesamtzahl von derzeit knapp sechs Millionen Empfängern bedeutet das, dass mittlerweile jeder vierte keinen deutschen Pass besitzt.

Über 400.000 aus nichteuropäischen Asylländern

Rund 411.500 Hartz-IV-Bezieher kamen laut BA-Statistik im April 2016 aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern. Im Vergleich zum Vorjahr waren das rund 181.000 Menschen mehr. Nach Einschätzung einer Bundesagentur-Sprecherin ist die extreme Zunahme ausländischer Hartz-IV-Empfänger vor allem auf den wachsenden Anteil syrischer und eritreischer Flüchtlinge zurückzuführen. Während die Zahl der syrischen Hartz-IV-Bezieher binnen Jahresfrist um 195 Prozent auf mehr als 242.000 stieg, wuchs die Zahl der von den Jobcentern versorgten Eritreer um 229 Prozent auf gut 16.700.

Über ein Drittel mehr Rumänen und Bulgaren

Auch der Anteil der Hartz IV-Berechtigen aus Südosteuropa hat demnach deutlich zugenommen. So wuchs die Zahl der Hartz IV beziehenden bulgarischen Staatsbürger binnen Jahresfrist um 35,3 Prozent auf mehr als 73.000, die der rumänischen um 36,4 Prozent auf gut 60 000. Gesunken ist dagegen innerhalb eines Jahres die Zahl der russischen (minus 8,9 Prozent) und der ukrainischer Hartz-IV-Bezieher (minus 10,1 Prozent).

Deutlich mehr Hartz-IV-Ausländer auch in Mitteldeutschland

Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Zahl der Ausländer, die Hartz IV bekommen, deutlich angestiegen. Wie die zuständige BA-Regionaldirektion MDR Aktuell mitteilte, waren in Sachsen-Anhalt im März mehr als 20.000 Ausländer auf die Leistungen angewiesen. Das seien 6.000 mehr als ein Jahr zuvor. In Thüringen stieg die Zahl im selben Zeitraum von 10.400 auf mehr als 14.000. Laut der sächsischen Regionaldirektion sind im Freistaat rund 30.600 Ausländer Hartz IV-berechtigt. Das sei ein Plus von 5.500 Menschen. Den stärksten Zuwachs gab es demnach auch in Mitteldeutschland bei Leistungsempfängern aus den nichteuropäischen Asylländern. Die meisten dieser Menschen kamen aus Syrien.

Eine Viertelmillion weniger deutsche Hartz-IV-Empfänger

Insgesamt zeigt sich ein positiver Trend: So sank die Gesamtzahl der Grundsicherungsempfänger von Ende April 2015 bis Ende April 2016 um 70.900 (1,2 Prozent) auf 5,93 Millionen. Wesentlicher Grund dafür ist die stark sinkende Zahl deutscher Hartz-IV-Bezieher. Ihre Zahl verringerte sich innerhalb eines Jahres um fast 240.000 (5,2 Prozent) auf nunmehr 4,36 Millionen.

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2016, 19:29 Uhr

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31 Kommentare

02.08.2016 21:31 Bernd Escher 31

huhuu Brüderchen&Schwesterchen wo
seid ihr...meldet euch...wo seid ihr in...
Was für ein Spaß.

02.08.2016 19:37 Bernd Escher 30

Bulgarien&Rumänien ist dort Bürgerkrieg? Denke mal nicht,warum die Leute kommen ist wohl klar. Thema:
Anerkannte Flüchtlinge,bekommen jetzt
Leistungen nach SGB2 also ALG2(kein
Hartz4!!!)also keine Leistungen nach dem AsylbLG mehr.Ist das Korrekt?MDR.
Werden die "neuen" ALG2 Empfänger
genauso gefordert wie die "alten".
Wohnung,kalt draussen Heizung an,
Waserverbrauch kein Problem,Endabrechnung oh je,Amt bezahlt?Arbeit,kein Zeugnis,kein Lebenslauf,keine Sprache keine ...keine...
Fragen über Fragen.Danke

02.08.2016 17:43 muthase 29

>>Wesentlicher Grund dafür ist die stark sinkende Zahl deutscher Hartz-IV-Bezieher<<. Am WE hieß es noch, dass die Hartz 4 Zahlen bei über 55-jährigen rasant angestiegen sind. Was stimmt denn nun.

02.08.2016 17:22 Nachdenklicher 28

@ Matze # 24 ... " Wenn ich dann noch lese, man würde "die ganze Welt einladen", kriege ich Brechreiz." - Stimmt. Bei dem Thema kriege ich auch Brechreiz. Mich würde mal interessieren, wie viele sog. Flüchtlinge zu uns kommen würden, wenn sie weder Geld noch Wohnung sondern lediglich ein Bett in einer abgesicherten Zeltstadt und drei Mahlzeiten am Tag bekämen. Ich habe da so eine Ahnung ...

02.08.2016 17:17 Nachdenklicher 27

@ D.o.M. # 22 # 23 ... wie treffend!

02.08.2016 12:48 muthase 26

Es würde mich nicht wundern, wenn unsere Regierung jetzt plötzlich merkt, daß Hartz 4 zu wenig ist und es reichlich erhöht wird.

02.08.2016 12:26 Hoffnung 25

@ Barbara 16: Man sollte anderen nicht Unkenntnis unterstellen, wenn man selbst zu wenig nachdenkt. Woher wollen Sie wissen, wie hoch der Verdienst desjenigen war, bevor er arbeitslos wurde? Bei niedrigen Einkünften kann da durchaus notfalls noch weniger rauskommen, als der allgemeine Hartz 4 - Satz ist. Und Ihre Einstellung, jeder “Unzufriedene“ sei ein “stinkfauler Rassist“, spricht Bände über Ihren Charakter.

02.08.2016 10:52 Matze 24

Traurig, Deutschland bleibt weiter das Land der Duckmäuser und Bücklinge, die den Ärmsten nicht mehr als den Dreck unter den Nägeln gönnen, aber jeden als "Kommunisten" bezeichnen, der in Erwägung zieht, das man zur Abwechslung mal von oben nach unten statt wie gewöhnlich andersherum umverteilen könnte. Wenn ich dann noch lese, man würde "die ganze Welt einladen", kriege ich Brechreiz. Wieso gibt es denn nochmal den Deal mit dem Diktator Erdogan? Genau, damit der die Drecksarbeit macht und eben keine Flüchtlinge mehr kommen, von denen sich der von seinem Boss ausgebeutete sächsische Dorftrottel bedroht fühlt. Sozial abgehängt waren bestimmte Gruppen in Deutschland auch längst ohne Flüchtlinge; mit Flüchtlingen hat man diesen nun aber einen Sündenbock gegeben, der von der realen Grenze ablenkt, die nicht zwischen vermeintlichen Deutschen und vermeintlichen Ausländern, sondern zwischen Arm und Reich, Besitzlosen und Besitzenden, stimmlosen und Herrschenden verläuft.

02.08.2016 09:01 D.o.M. 23

Dass jeder wirtschaflich erfolgreich hier Angekommene ein Lockvogel, ein Multiplikator für die nächsten 5-10 ist , die sich auf den Weg machen, dass blenden Sie alle völlig aus? Die Integrations-Ressourcen unseres Landes sind ja unendlich ? Und die Frage an sich, die ich hier aufwerfe, die ist wieder rassistisch, populistisch, faschistisch?

02.08.2016 08:47 D.o.M. 22

@Barbara16;
Versuchen Sie nicht, die wirtschaftliche Situation schönzureden und die wirtschaftlichen Verlierer unseres Landes pauschal in die Gammler- und Schmarotzerecke zu stellen. Die gibt es unbestritten, sehr vielen tun Sie damit aber großes Unrecht. Ihnen scheint z.B. entgangen zu sein, dass es Arbeitslosengeld nur für eine befristete Zeit gibt. Weiter darf ich Sie erinnern, dass jede Menge Menschen in Situationen leben, die trotz fleißiger Arbeit mehr als prekär sind. Billigst bezahlte Leiharbeit mit 50km Pendel-Anreiseweg z.B. Da bleibt unterm Strich oft nicht mehr als der Hartz-Satz. Und wenn Sie die "stinkfaulen Rassisten" ansprechen, wo mir klar ist, wen Sie damit meinen: Gehen Sie mal auf eine ganz normale AfD-Demo. Da treffen Sie durch die Bank Werktätige oder werktätig Gewesene. Und dann werfen Sie einen Blick über die Schulter der Polizisten in die Gesichter der Gegendemonstranten und versuchen Sie abzuschätzen, wieviel Lebensarbeitsleistung Ihnen da entgegenguckt.