Eine Pflegehausbewohnerin und eine Pflegehelferin gehen am 08.03.2013 in Hamburg in einem Seniorenzentrum mit einem Rollator einen Gang entlang.
Vor allem in Mitteldeutschland steigt die Zahl der Pflegebedürftigen. Bildrechte: dpa

Internationaler Tag der Pflege Viele Familien springen als Pfleger ein

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt seit Jahren - in Mitteldeutschland stärker als im Rest des Landes. Viele der Betroffenen werden zuhause versorgt. Lesen Sie hier weitere Fakten zum Internationalen Tag der Pflege.

Eine Pflegehausbewohnerin und eine Pflegehelferin gehen am 08.03.2013 in Hamburg in einem Seniorenzentrum mit einem Rollator einen Gang entlang.
Vor allem in Mitteldeutschland steigt die Zahl der Pflegebedürftigen. Bildrechte: dpa

Wie viele Pflegebedürftige gibt es in Deutschland?

Zum Stichtag 31. Dezember 2015 waren in Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig. In Sachsen bezogen 166.800 Menschen Geld aus der Pflegeversicherung, in Sachsen-Anhalt waren es gut 99.000 und in Thüringen 94.000.

Diese Zahlen sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen – deutschlandweit seit 1999 um fast 42 Prozent. In Mitteldeutschland lag der Anstieg meist über dem Bundesschnitt.

Experten der Barmer GEK führen den höheren Anstieg in Ostdeutschland darauf zurück, dass dort mehr alte und sehr alte Menschen leben.

Für die nächsten Jahre erwarten die Barmer-Experten dem Pflegereport der Kasse von 2016 zufolge einen weiteren Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen. So wird es in Deutschland 2060 gut viereinhalb Millionen Menschen mit Pflegebedarf geben (plus 65 Prozent gegenüber 2015).

Für Mitteldeutschland gehen die Experten von einem moderateren Anstieg aus. 2060 werden demnach in Thüringen 116.000 Menschen pflegebedürftig sein (plus 27 Prozent), in Sachsen-Anhalt 115.000 (plus 19 Prozent) und in Sachsen 203.000 (plus 29 Prozent).

Wie viele Heimplätze gibt es?

In Ostdeutschland werden deutlich mehr Pflegebedürftige ambulant versorgt als im Rest des Landes. Ob die Pflegebedürftigen und ihre Familien das so wünschen oder ob das der Verteilung der verfügbaren Heimplätze geschuldet ist, muss offen bleiben.

Sicher ist aber: Im Osten Deutschlands gibt es im Vergleich zum Süden des Landes und zu Spitzenreiter Schleswig-Holstein weniger Heimplätze – gleichzeitig aber deutlich mehr ambulante Pflegekräfte.

Wie oft springen die Angehörigen als Pfleger ein?

In Thüringen wird den Zahlen der Statistischen Landesämter zufolge fast die Hälfte der Pflegebedürftigen durch Angehörige betreut. Das ist der höchste Anteil in Mitteldeutschland. In Sachsen-Anhalt (45 Prozent) und in Sachsen (41 Prozent) ist er etwas niedriger.

In einigen Regionen in Deutschland werden sogar mehr als die Hälfte aller Pflegebedürftigen von Angehörigen versorgt. Sozialverbände bezeichnen die Familien deshalb häufig als "Pflegedienst der Nation".

In welchem Alter werden die Deutschen zum Pflegefall?

Natürlich gibt es auch junge Menschen, die dauerhaft Unterstützung brauchen. Doch es sind vergleichsweise wenige.  

Die meisten Männer werden den Daten der Barmer zufolge zwischen 75 und 79 und zwischen 80 und 84 Jahren pflegebedürftig. 2015 waren es in diesen beiden Altersspannen jeweils rund 55.000 Männer. Bis zu diesem Alter steigt die Zahl der Eintritte in die Pflegebedürftigkeit, danach fällt sie wieder.

Die Frauen werden demnach älter, bevor sie Hilfe benötigen. 2015 waren die meisten, nämlich etwa 90.000, zwischen 85 und 89 Jahre alt, als sie erstmals pflegebedürftig wurden.

Wie lange werden Menschen im Schnitt gepflegt?

Das wollen viele Betroffene und ihre Angehörigen wissen. Eine Durchschnittspflegedauer hilft ihnen aber wenig, da diese Zahl durch vergleichsweise wenige Pflegebedürftige mit einer sehr langen Pflegedauer nach oben verzerrt wird.

Außerdem ist die Pflegedauer sehr stark davon abhängig, in welchem Alter Menschen pflegebedürftig werden und warum - ob sie also beispielsweise einen Schlaganfall hatten oder an Demenz leiden. Deshalb nur ein vager Anhaltspunkt: Nach den Zahlen der Barmer sind knapp 40 Prozent aller Pflegebedürftigen nach vier Jahren noch am Leben und benötigen immer noch Hilfe.

Menschen unter 60 Jahren kommen in knapp acht Prozent aller Fälle nach vier Jahren wieder alleine klar, von den älteren Menschen gelingt das nur 1,5 Prozent.

Was kostet Pflege in Deutschland

2014 hat der Staat fast 30 Milliarden Euro für die Pflege ausgegeben. Das schließt unter anderem sowohl die Ausgaben der Pflegeversicherung (25,45 Milliarden) ein als auch das Geld, dass öffentliche Stellen per Sozialhilfe (3,5 Milliarden) zuschießen.

Letzteres passiert immer dann, wenn Familien die Lücke zwischen dem Geld aus der Pflegeversicherung und den tatsächlichen Kosten der Pflege nicht selbst schließen können.

Private Haushalte tragen knapp 37 Prozent der Ausgaben für die Pflege in Deutschland. Wie viel sie insgesamt 2014 für Heime und häusliche Pflege ausgegeben haben, hat die Barmer in ihrem Pflegereport geschätzt und kam auf 17,3 Milliarden Euro.

Welche Ausgaben kommen auf den Einzelnen zu?

Eine Pflegekraft reicht der Bewohnerin eines Altenheims Essen
Kosten für Heimplätze liegen in Mitteldeutschland unter dem Bundesdurchschnitt. Bildrechte: dpa

Nach den Daten der Privaten Krankversicherer kostete ein Heimplatz für Pflegestufe III 2016 in Deutschland durchschnittlich gut 3.500 Euro im Monat. Bei 1.612 Euro Zuschuss aus der Rentenkasse mussten also rund 1.900 Euro im Monat selbst bestritten werden.

Inzwischen sind die Pflegestufen zwar in Pflegegrade umgewandelt worden, die Finanzierungslücke bleibt den privaten Versicherern zufolge aber in etwa gleich. Die Kosten für ein Heim variieren aber sehr stark und liegen in Mitteldeutschland unter dem Bundesschnitt.

Ein Heimplatz für Menschen mit Pflegestufe III kostete den Daten der privaten Versicherer zufolge 2016 in Sachsen durchschnittlich 2.950 Euro, in Sachsen-Anhalt 2.770 Euro und war in Thüringen mit gut 3.000 Euro am teuersten.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.05.2017 | 05:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2017, 10:41 Uhr

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