Der ehemalige HRE-Bankchef Georg Funke sitzt in München (Bayern) mit seinem Anwalt Wolfgang Kreuzer auf der Anklagebank.
Der ehemalige HRE-Bankchef Georg Funke mit seinem Anwalt beim Prozessbeginn am Münchner Landgericht. Bildrechte: dpa

Prozess um Fastpleite der Hypo Real Estate HRE-Banker bestreiten Verschleierung

Mit der spektakulären Rettung der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) im Herbst 2008 war die Finanzkrise in Deutschland angekommen. Der Staat pumpte fast zehn Milliarden Euro in den einstigen Dax-Konzern und verstaatlichte ihn schließlich. Acht Jahre später nun muss sich Ex-Bankchef Georg Funke vor Gericht verantworten.

Der ehemalige HRE-Bankchef Georg Funke sitzt in München (Bayern) mit seinem Anwalt Wolfgang Kreuzer auf der Anklagebank.
Der ehemalige HRE-Bankchef Georg Funke mit seinem Anwalt beim Prozessbeginn am Münchner Landgericht. Bildrechte: dpa

Vor dem Landgericht München I hat der Strafprozess gegen den früheren Chef der Bank Hypo Real Estate, Georg Funke, begonnen. Dem heute 61-Jährigen wird vorgeworfen, vor zehn Jahren die schlechte Lage des Konzerns verschleiert zu haben.

Mit vor Gericht steht der ehemalige HRE-Finanzvorstand Markus Fell. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern mittäterschaftliche unrichtige Darstellung im Sinne des Handelsgesetzbuchs sowie des Aktiengesetzes vor. Dafür drohen bis zu drei Jahre Haft und Geldstrafen. Fell wird zudem Marktmanipulation vorgeworfen. Der Prozess ist auf mindestens sechs Monate angesetzt.

Anklage: Bewusste Täuschung

Die in der Finanzkrise 2008 kollabierte Immobilienbank hat die Öffentlichkeit nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft monatelang über die Zuspitzung ihrer Geldnöte getäuscht. Staatsanwältin Franziska Schmidt sagte am Montag zum Prozessauftakt: "Im Geschäftsbericht 2007 und im Zwischenbericht zum 30.06.2008 erfolgte eine unvertretbar und evident falsche Darstellung der Liquiditätslage der HRE."

Funke macht seinerseits den damaligen SPD-Finanzminister Peer Steinbrück und die Umstände verantwortlich. Im September 2009 hatte der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers zur Folge, dass die wechselseitige Kreditvergabe der Banken quasi über Nacht zum Erliegen kam - der HRE ging das Geld aus.

Funkes Anwalt: Steinbrück "unbedacht"

"Das war die eigentliche Ursache", sagte Funkes Verteidiger Wolfgang Kreuzer vor Beginn der Verhandlung. "Ganz entscheidend war am Ende Herr Steinbrück mit der sehr unbedachten Bemerkung, die Bank müsse abgewickelt werden." Funke selbst will sich am Dienstag äußern.

Für Deutschlands Steuerzahler war die HRE der teuerste Schadenfall der Finanzkrise. Die Bankengruppe wurde mit direkten Kapitalspritzen des Bundes in Höhe von knapp zehn Milliarden Euro plus Staatsbürgschaften über weitere 124 Milliarden vor dem Kollaps gerettet. Eine Insolvenz der "systemrelevanten" Bank hätte nach damaliger Einschätzung im Dominoeffekt weitere große Bankpleiten nach sich gezogen.

Prozess wird mindestens sechs Monate dauern

Der Verteidiger von Ex-Chef Funke will für einen Freispruch kämpfen, mögliche Höchststrafe für seinen Mandanten sind drei Jahre Gefängnis. Ex-Finanzchef Fell steht zudem wegen mutmaßlicher Marktmanipulation vor Gericht. Er wies die Vorwürfe der Anklage zurück und warf seinerseits der Staatsanwaltschaft mangelnde Sorgfalt vor. "Von einem Verschweigen oder Verschweigen wollen kann keine Rede sein", sagte der Ex-Bankier.

Der Prozess wird voraussichtlich mindestens ein halbes Jahr dauern, es wurden bereits Prozesstage bis in den Herbst terminiert. Die Ermittlungen hatten ein halbes Jahrzehnt gedauert, die Zulassung der Anklage weitere zweieinhalb Jahre. Die Verfahren gegen sechs weitere HRE-Manager stellte das Gericht gegen Zahlung von Geldauflagen ein.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 20.03.2017 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 16:37 Uhr