Ein TGV von Alstom und ein ICE von Siemens stehen auf der Rheinbrücke in Kehl.
Der ICE und der TGV kommen künftig aus einem Haus. Bildrechte: dpa

Züge Siemens und Alstom schmieden europäischen Eisenbahn-Giganten

Die Konkurrenz aus China macht den westlichen Bahntechnik-Konzernen zu schaffen. Zwei von ihnen bündeln nun ihre Kräfte und arbeiten künftig zusammen. Der neue Konzern soll in Frankreich zu Hause sein, der Heimat des Hochgeschwindigkeitszuges TGV. Die Mehrheit hält aber der deutsche Riese Siemens, der den ICE fertigt.

Ein TGV von Alstom und ein ICE von Siemens stehen auf der Rheinbrücke in Kehl.
Der ICE und der TGV kommen künftig aus einem Haus. Bildrechte: dpa

Der ICE-Hersteller Siemens will seine Zugsparte mit dem französischen Konkurrenten Alstom zusammenlegen. Die Chefs beider Konzerne unterzeichneten dazu in Paris eine Absichtserklärung und sprachen von einer "Fusion unter Gleichen".

Alstom fertigt den französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV. Gemeinsam wollen Siemens und Alstom ein europäisches Eisenbahn-Schwergewicht schaffen, um den Anschluss an den chinesischen Weltmarktführer CRRC zu halten.

Siemens hält Aktienmehrheit

Der neue Konzern soll seine Zentrale im Großraum Paris haben und von Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge geführt werden. Siemens wird nach eigenen Angaben eine Mehrheit von knapp über 50 Prozent halten und hat die Möglichkeit, seinen Aktienanteil auf 52 Prozent aufzustocken.

Siemens und Alstom haben zusammen Aufträge für mehr als 61 Milliarden Euro in den Büchern. Der Zusammenschluss soll die Kosten in vier Jahren um 470 Millionen Euro senken.

Alstom-Chef Poupart-Lafarge sprach von einem Schlüsselmoment in der Geschichte seines Unternehmens. Siemens-Chef Joe Kaeser nannte den Zusammenschluss ein starkes Signal.

Wir setzen die europäische Idee in die Tat um und schaffen gemeinsam mit unseren Freunden bei Alstom auf lange Sicht einen neuen europäischen Champion der Eisenbahnindustrie.

Siemens-Chef Joe Kaeser

Paris und Berlin begrüßent Fusion

Das neue Unternehmen hat zusammen mehr als 62.000 Mitarbeiter. Nach Angaben von Kaeser sind nach der Fusion Stellenstreichungen möglich. Diese würden aber die Verwaltung treffen, nicht die Produktion. Was die Technik betreffe, wolle man die Kompetenzen bündeln, nicht reduzieren. Der designierte Vorstandschef von Siemens Alstom, Poupart-Lafarge, sagte: "Diese Fusion soll Arbeitsplätze schaffen."

Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sagte, Siemens habe zugesichert, Arbeitsplätze und Werke in Frankreich zu erhalten. Zugleich betonte er, die französische Regierung unterstütze die Fusion. Dadurch werde die europäische Industrie gestärkt.

Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Sie sagte, angesichts des harten Wettbewerbs sei die Fusion eine Chance für die Zukunft.

IG Metall sieht in Fusion eine Chance

Positive Signale kommen auch von der Gewerkschaft IG Metall. Vorstandsmitglied und Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner nannte den Zusammenschluss eine Chance. Angesichts des schärferen Wettbewerbs und des Umbruchs in der Branche müsste sich die europäische und deutsche Bahnindustrie neu aufstellen.

Kerner forderte aber Sicherheit und Perspketiven für die Beschäftigten. Die IG Metall erwarte von dem neuen Unternehmen und Mehrheitseigentümer Siemens ein zukunftsweisendes Konzept für die Standorte in Europa.

Bahn hofft auf neue Züge

Die Deutsche Bahn rechnet durch die Fusion der Zugsparten von Siemens und Alstom mit neuem Schwung auf dem Eisenbahnmarkt. Eine Bahnsprecherin sagte, man hoffe, dass das neue Unternehmen Produkt-Innovationen hervorbringe.

Der Zusammenschluss muss noch von den europäischen Wettbewerbsbehörden genehmigt werden.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 26.09.2017 | 23:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2017, 12:58 Uhr

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3 Kommentare

27.09.2017 19:15 Andreas 3

Ja das mit den Arbeitsplätzen sehe ich auch so.., da werden wohl einige verschwinden, aber sicherlich würden mehr Arbeitsplätze verschwinden wenn Siemens und Alstom weiter Konkruenten wären. Durch eine echte und auf Augenhöhe gelegene Zusammenarbeit werden beide Unternehmensteile erhalten und hochwertige und zuverlässige Züge für den Markt in Europa und darüber hinaus gefertigt. Außerdem ist dieser Prozess, die Konzentration des Kapitals und typisch für den Kapitalismus...mit all seinen Auswirkungen..

27.09.2017 18:59 karstde 2

Lest Karl Marx, da steht des nicht nur drin, sondern man weiß wie es mit diesen Konzernen weiter geht.

27.09.2017 17:15 Oberlausitzer 1

Keine Entlassungen? Zusätzliche Arbeitsplätze? Das sind doch nur Hirngespinste, um schnellstmöglich eine Zustimmung von Betriebsräten und Gewerkschaften zu erhalten. Am Ende werden doch Betriebsteile geschlossen (werden müssen) und Arbeitsplätze abgebaut. Etwas anderes wird langfristig der Markt nicht hergeben.