Solar Factory III, 2011
Blick ins Werk des Konzerns im sächsischen Freiberg, Bildrechte: dpa

Solarworld Gläubiger segnen Verkauf ab

Die Gläubiger haben am Freitag dem Verkauf der insolventen Solarworld zugestimmt. Damit steht endgültig fest, was aus den rund 1.700 Beschäftigten in den Werken Arnstadt und Freiberg wird. Aufgekauft wird die insolvente Firma von ihrem einstigen Chef und Gründer: Frank Asbeck. Das Geld für den Deal soll aus Katar kommen.

Solar Factory III, 2011
Blick ins Werk des Konzerns im sächsischen Freiberg, Bildrechte: dpa

Ein Teil der Beschäftigten des insolventen Konzerns Solarword kann weiterarbeiten. Die Gläubiger stimmten am Freitag bei einem Treffen in Bonn dem Verkauf der beiden Werke im sächsischen Freiberg und thüringischen Arnstadt an den eigenen Firmengründer zu. Das sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Horst Piepenburg.

Was mit den Mitarbeitern geschieht

Hätten die Gläubiger ihre Zustimmung verweigert, wären die allermeisten der noch rund 1.800 Solarworld-Beschäftigten kommende Woche freigestellt und später entlassen werden müssen. Somit bleiben rund 30 Prozent der Arbeitsplätze des Konzerns erhalten. Konkret soll es im thüringischen Arnstadt künftig noch rund 180 der bislang 700 Jobs geben. Im sächsischen Freiberg sollen rund 280 Jobs von den bisherigen 1.000 Arbeitsplätzen erhalten bleiben. Dort betreibt das Unternehmen auch ein Forschungs- und Entwicklungszentrum.

Für die übrigen 1.200 Solarworld-Mitarbeiter ist eine Transfergesellschaft geplant, die bis Ende Februar 80 Prozent des bisherigen Lohns garantiert. Sie soll die Beschäftigten qualifizieren und in neue Jobs vermitteln. In der Solarworld-Zentrale in Bonn bleiben noch rund 60 Beschäftigte, die die Abwicklung erledigen sollen. Dort waren zuletzt 150 Angestellte entlassen worden.

Geld für Neukauf kommt aus Katar

Der Vorstandsvorsitzende von Solarworld, Frank Asbeck, erläutert am 29.03.2017 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) die Bilanzzahlen
Solarworld-Gründer Frank Asbeck, erläutert Ende März in Bonn die Bilanzzahlen. Bildrechte: dpa

Erst Anfang der Woche war der Kaufvertrag geschlossen worden. Käufer ist der eigene Solarworld-Gründer Frank Asbeck. Er hatte erst Anfang Juli eine neue Gesellschaft dafür gegründet - die Solarword Industries GmbH. Das Geld für die Teilrettung soll von Investoren aus Katar kommen. Spekuliert wird, dass die Quatar Foundation den Deal finanzieren wird, die schon mit 29 Prozent an Solarworld beteiligt war. Zur konkreten Kaufsumme machte der Konzern und der Insolvenzverwalter keine Angaben. Neben den beiden Betrieben will Asbeck auch die Gesellschaftsanteile von Solarworld in Afrika, Asien, Japan und Frankeich kaufen.

Dulig will Gespräch mit Asbeck suchen

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig kündigte am Freitag schnelle Gespräche mit Vorstandschef Asbeck an. Es gehe jetzt darum, die Chance zu nutzen, damit Solarworld eine langfristige Perspektive habe. Ob das neue Konzept trage, das den Gläubigern am Freitag präsentiert sei, werde sich erst in Zukunft zeigen, sagte der SPD-Politiker.

Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger sagte am Freitag, seine Freude sei gedämpft. Der Preis für die Mitarbeiter sei sehr hoch. Er hoffe nun aber, dass Freiberg als traditioneller Standort für die Halbleiterbranche eine lange Zukunft habe.

Seit sechs Jahren Verluste

Solarworld hatte Mitte Mai unter dem Druck der Konkurrenz unter anderem aus China Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen ist hoch verschuldet. Sechs Jahre lange hatte es Verluste geschrieben. Ende 2016 standen Finanzschulden von 390 Millionen Euro in der Bilanz. Die Anleihegläubiger hatten Ende 2016 noch Forderungen in Höhe von 178 Millionen Euro offen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 11.08.2017 | 17:00 Uhr
Fernsehen | 11.08.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2017, 22:55 Uhr

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6 Kommentare

12.08.2017 17:09 Frank 6

@ 1: Welche Zeitarbeitsfirma soll das nach Ihrem Hören gewesen sein, die externe MA mit einem Multiplikator von 5,7 verliehen hat?

12.08.2017 07:26 colditzer 5

"Für die übrigen 1.200 Solarworld-Mitarbeiter ist eine Transfergesellschaft geplant, die bis Ende Februar 80 Prozent des bisherigen Lohns garantiert. Sie soll die Beschäftigten qualifizieren und in neue Jobs vermitteln."
In Sachsen werden Fleischer , Bäcker und Lehrer gesucht.
Für jeden etwas dabei.

12.08.2017 07:09 "Tiefensee besorgt nach ...verkauf" 4

Herr Tiefensee soll nicht so labern - nicht vor dem Verkauf und nicht nach dem Verkauf. Das glaubt ihm kein Mensch mehr, und es wird ihn hoffentlich niemand mehr wählen.
Kraft seiner Wassersuppe hätte er mehr für die Beschäftigten tun können und müssen, ja müssen.
Herr Tiefensee ist wie alle anderen Politiker zum Vertreter des Volkes gewählt worden, nicht zu Vertreter der Wirtschaftsbosse.. Punkt und nochmal Punkt.
Ich wünsche mir sehr, dass jeder, der in der Politik ist, wenigstens einmal im Jahr für zwei Wochen in der Wirtschaft arbeitet - für den gleichen Lohn wie seine Kollegen, mit wenig Pausen etc. pp. Früher nannte man das "Unterrichtstage in der Produktion". Das müsste Herr Tiefensee noch kennen.

11.08.2017 22:30 part 3

Auch eine Möglichkeit um ein Unternehmen schlanker zu machen, besonders bei den Personalkosten und wahrscheinlicher weitere Automatisierung. Ich bin dann aber mal gespannt ob das Unternehmen das Schichtsystem verändert oder ob die verbliebenen MA die Arbeit ihrer Kollegen mit übernehmen müssen.

11.08.2017 18:29 Veilchen 2

bin mal gespannt wiviel er wieder von den Ländern an Zuschüsse n bekommt und damit wieder in die Pleite rennt und ob Herr Piepenburg korrekt als Insolvenzverwalter gearbeitet hat ist zu bezweifeln wenn er die anderen Bieter erst gar nicht zum Zuge gelassen hat denn Asbeck sein Konzept sind auch nur versprechen denn in die Nische sind andere schon lange Involviert und viel weiter in ihrer Forschung und Entwicklung als er glaube bevor er anfängt hat er schon verloren

11.08.2017 17:04 Kein Wunder 1

Überhaupt garkein Wunder das Solar World Pleite ging. Auch dem Insolvenzverwalter wird auffallen das die Kosten für Zeitarbeiter die vor ca 6 Jahren um die 7 Euro verdient haben, aber meinem Hören nach um die 40 gekostet haben, eindeutig der falsche Weg waren seine Belegschaft aufzustocken. Gut möglich das einige sich durch Zusammenarbeit mit Zeitarbeitsfirmen bereichert haben...bin ich mal gespannt ob auf Hinweise auch intensiv gesucht wird!