Stromanbieter wechseln - Mehrere Steckdosen mit Stecker
Ein Wechsel des Stromanbieters? Vielen Kunden ist der Aufwand viel zu groß: Preise vergleichen, der ganze Papierkram... Ein neues Start-Up will da Abhilfe schaffen. Bildrechte: colourbox

Energieversorgung Neues Start-up kümmert sich um Stromanbieter-Wechsel

Zum Jahresende bekommen viele Menschen Post von ihrem Stromanbieter. Meistens steht drin, dass die Preise wieder einmal steigen. Trotzdem haben viele Kunden keine Lust zu wechseln, obwohl sie viel Geld sparen könnten. Ein Start-up macht sich diese Trägheit nun zu Nutze und bietet an: Wir wechseln für Dich.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Stromanbieter wechseln - Mehrere Steckdosen mit Stecker
Ein Wechsel des Stromanbieters? Vielen Kunden ist der Aufwand viel zu groß: Preise vergleichen, der ganze Papierkram... Ein neues Start-Up will da Abhilfe schaffen. Bildrechte: colourbox

Arik Meyer wirbt um faule Stromkunden. Denn wer keine Lust hat, ständig die Tarife zu vergleichen, für den hat Meyer das Unternehmen SwitchUp gegründet. Es bietet einen automatischen Stromanbieterwechsel an. Man erteilt SwitchUp eine Vollmacht. Fortan prüft die Firma regelmäßig und kostenlos, welche Tarifalternativen es gibt. "Wir betrachten da alle Angebote im Markt, das sind je nach Stadt etwa 400 bis 500 Tarife und prüfen dann anhand dieser Tarife: Gibt es einen, der besser ist als der, den Sie aktuell haben? Und wenn es da einen besseren gibt, leiten wir automatisch den Wechsel zu diesem besseren Tarif ein. Das geht komplett ohne Aufwand für unsere Nutzer", erklärt Meyer.

300 Versorger drehen an der Preisschraube

Gerade zum Jahreswechsel kann sich ein neuer Stromtarif lohnen. Viele Versorger erhöhen die Preise, weil Netzentgelte und auch Ökostromumlage steigen. Das wohl bekannteste Vergleichsportal für Stromtarife ist Verivox. Dort hat sich Pressesprecher Lundquist Neubauer die Entwicklung zum Jahreswechsel angesehen: "Das sind deutschlandweit mehr als 300 Versorger, die die Preise erhöhen, um durchschnittlich 3,5 Prozent. Besonders Sachsen ist betroffen. Da sind es alle großen Grundversorger: Envia M, Enso, Stadtwerke Dresden und Leipzig, die dort erhöhen. Nahezu alle Haushalte in Sachsen sind davon betroffen."

Verivox analysiert Strompreise nicht aus Nächstenliebe: Die Firma lebt von den Provisionen der Stromanbieter. Immer, wenn Kunden über das Portal neue Verträge abschließen, fließt Geld. Das Geschäftsmodell von SwitchUp ist ähnlich: Sobald der Tarifoptimierer einen Vertrag schließt, zahlt der neue Anbieter ein paar Euro.

Verbraucherschutz lobt Transparenz

Verbraucherschützer sind deshalb argwöhnisch. Bekommt der Kunde wirklich immer das beste Angebot vermittelt oder nur das mit der höchsten Provision? Carla Groß von der Verbraucherzentrale Sachsen hat sich für MDR AKTUELL den Tarifoptimierer SwitchUp angesehen und resümiert: "Wir finden das schon mal gut, dass es in diesem Markt der Vergleichsportale auch Bewegung gibt. Natürlich sind die Vergleichsportale bis jetzt extern gesponsert, aber eben nicht durchsichtig, nicht transparent. Und so wie ich es mir angeschaut habe bei SwitchUp, gibt es durchaus eine Transparenz. Sie legen das relativ gut offen."

Transparenz ist Gründer Arik Meyer wichtig. Sein automatischer Tarifoptimierer schließt Stromanbieter mit vielen schlechten Bewertungen aus. Meyer ist schließlich selbst schon auf ein faules Angebot hereingefallen. Er hatte einen Vertrag mit Löwenzahn Energie. Die Firma ging Pleite, der Ärger war groß. Das, sagt Meyer, wolle er den SwitchUp-Kunden ersparen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio | 07.12.2016 | ab 6:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2016, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

07.12.2016 22:40 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 4

@ 2. SwitchUp Team:

Sicherlich kann dieser Service für Menschen interessant sein, sich nicht mehr mit Tarifvergleichen herumärgern zu müssen. Und ich sehe auch den Anreiz Ihres Angebotes, das dem Kunden sogar das regelmäßige Anmelden und dreimalige Klicken bei Verivox erspart. Warum sollte man sich nicht einen 'Angestellten' leisten, der sich komplett um die Organisation der Stromversorgung mit Preisvergleich kümmert? Das Angebot ist stimmig und passend.

Hätte von mir sein können! ;)

Und gerade wenn es in der Hand eines 'Angestellten' ist, kann es mir auch egal sein, ob der Anbieter 3x im Jahr oder 3x am Tag wechselt: Hauptsache, der Strom fließt und der Preis stimmt.
Daher auch meine Bedenken bzgl. der Wechselprovisionen im ersten Kommentar.

Auch die Idee vllt. interessant für Sie sein: unterschiedliche Anbieter für Tag und Nacht?
Wie sieht es mit Erzeugergarantien aus? Z.B. nur Strom aus Wasser- & Windkraft?

Ich mag keine Vollmachten, daher trotzdem nichts für mich.

07.12.2016 17:14 Blitz 3

„Zum Jahresende bekommen viele Menschen Post von ihrem Stromanbieter. Meistens steht drin, dass die Preise wieder einmal steigen...“ Warum bricht der Beitrag hier ab? Zur Wahrheit gehört, was dazu wieder mal geführt hat. So schreibt z. B. der HIESIGE Stromanbieter seinen Kunden nämlich, dass die „Abgaben, Umlagen, Steuern“ sich ERHÖHEN, dass sich die „Netzentgelte“ ERHÖHEN, dass sich die Kosten für Service und Strombeschaffung SENKEN. WER sind also nun die Kostenverursacher? Bitte aufklären!

07.12.2016 10:48 SwitchUp Team 2

Wir führen bewusst alle Tarife auf, auch die bei denen wir keine Provisionen erzielen. Auf diese Weise möchten wir für einen ehrlichen Vergleich sorgen.

Und, ja, wir organisieren auch Wechsel zu Anbietern, von denen wir keine Provision erzielen. Denn wir möchten uns das Vertrauen unserer Nutzer verdienen und setzen bewusst auf eine langfristige Beziehung.

07.12.2016 09:46 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 1

Verivox war auch zuerst als 'Unternehmen im Interesse des Kunden' in aller Munde, bevor herauskam, daß zwischen ihnen und den Stromanbietern gewisse Absprachen über Tarife getroffen wurden: "Für Platz 3 auf der Liste müßte man den bestimmten Preis X für den Strom verlangen."

Wenn nun für jeden Wechsel ein paar Euro an dieses StartUp fließen, mögen diese Unternehmer vllt. auch mal Wechsel initiieren, die zwar keine weitere Ersparnis, dafür aber ein paar 'überlebenswichtige Wechselprovisionen' für die Firma erzeugen.

Bisher hat die Freigabe des Stromerzeugungsmonopols eher Gewinne für die Erzeuger generiert als die Preise gesenkt, die diese liebend gern in atomarer Stromerzeugung versenkten - deren Überreste wir nun auch noch beseitigen lassen dürfen. Und dabei haben wir noch nicht mal mehr die Auswirkungen der Kohleverfeuerung im Griff...