Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
Neben der geringeren Reichweite schreckt auch das Preischaos beim Laden viele ab. Bildrechte: dpa

Von Gratisstrom bis Wucher Preis-Wirrwarr an Stromtankstellen

Lange haben die Deutschen Elektroautos geschmäht. Doch die Zulassungszahlen steigen allmählich. In diesem Jahr wurden über 14.000 reine Elektroautos beim Kraftfahrtbundesamt angemeldet. Vielleicht liegt es daran, dass es immer mehr Stromtankstellen gibt, man also nicht mehr so leicht mit leerem Akku liegen bleibt. Was man an den Ladesäulen bezahlen muss, ist allerdings höchst unterschiedlich. Manche Betreiber zocken die Fahrer regelrecht ab.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
Neben der geringeren Reichweite schreckt auch das Preischaos beim Laden viele ab. Bildrechte: dpa

Wie teuer ist eigentlich Strom für E-Autos? Nur wenige wissen so gut wie Stefan Möller, wo Nutzer ihre Fahrzeuge günstig betanken können. Der Leipziger leitet die Geschäfte von Strominator, einem Verleih für Elektroautos. Möller sagt, man bekomme an jeder vierten Ladesäule in Deutschland Strom tatsächlich gratis.

Achtung, teure Zeittarife!

Ein Mann steht an einer Stromtankstelle, zeigt auf die Steckdose und lächelt in die Kamera.
Elektro-Autoverleiher Stefan Möller Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Zum Beispiel vor Supermärkten, die darauf hoffen würden, dass man bei ihnen einkauft. Man könne aber, sagt Möller, an Ladesäulen auch viel Geld loswerden: "Diese Gefahr besteht vor allem dann, wenn ich Zeittarife habe. Zum Beispiel, wenn ich 13 Cent je Minute zahle, und das Auto über Nacht stehen lasse, weil ich im Hotel bin oder ähnliches. Dann kann es sein, dass am nächsten Morgen 80 Euro Umsatz angefallen sind, obwohl ich nur für zwei Euro Strom getankt habe."

Zig Karten, keine Preisanzeige

Das Problem: Wer dringend Strom braucht, kann sich die Ladesäule nicht immer aussuchen. Zudem herrscht Tarif-Wirrwarr. Es gibt diverse Ladesäulenbetreiber, die verschiedenste Tarife haben. Und für die meisten benötige man eine eigene Kundenkarte, sagt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes eMobilität. "Es gibt Elektroautofahrer, die sich durch ganz Deutschland bewegen mit Autos kleiner Reichweite, die bis zu 30 Karten für einzelne Städte dabei haben." Blickt ein normaler Verbraucher da noch durch? Nein, findet Johannes Boos, Pressesprecher vom ADAC:

Intransparent ist die Preisgestaltung auch deshalb, weil oft kein Preis vor und nach der Ladung am Display der Ladesäule angezeigt wird. Das heißt, die Preise müssen auf den Webseiten der Betreiber oder auf Portalen nachgelesen werden, wenn sie überhaupt verfügbar sind.

Johannes Boos ADAC

Manche zocken richtig ab

Bei den Stadtwerken Leipzig kann man sein Elektroauto kostenlos laden. Begründung: Für eine professionelle Abrechnung sind die Nutzerzahlen in der Stadt zu gering. An den Säulen der Stadtwerke Dresden kostet die Kilowattstunde 13,5 Cent. Beim Ladesäulenbetreiber Innogy wird das Fünffache fällig. Einen bundesweiten Marktüberblick hat der Stromanbieter Lichtblick erstellen lassen.

Lösungen sind gefragt

Geschäftsführer Gero Lücking fordert nicht ganz uneigennützig, das Preis-Wirrwarr müsse aufhören: "Man könnte einfach sagen, die Ladesäulen-Infrastruktur wird Teil der Stromnetze. Der Verbraucher würde sich dann an einer Ladesäule als Kunde beispielsweise von Lichtblick oder Stadtwerke XY zu erkennen geben und könnte direkt zum Strompreis, den er von zu Hause kennt, seinen Strom beziehen."

Doch ob sich das durchsetzen lässt? Das Bundeswirtschaftsministerium hat dieses Jahr die Ladesäulenverordnung reformiert. Demnach müssen Stromtankstellen ihre Kunden künftig auch spontan und ohne Kundenkarte akzeptieren. Allerdings: Bestehende Ladesäulen sind von der Auflage ausgenommen. Und für Neue gilt sie erst ab 14. Dezember.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 29.09.2017 | 06:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 11:03 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

29.09.2017 18:12 Bernd Helmut 4

Ich verstehe das ganze Hickhack um die Ladesäulen nicht. Kartenlesegerät wie bei Selbstbedienungstanksäulen reinbauen dann den ortsüblichen Stromtarif verlangen. Karte rein, laden,abbuchen, Karte raus fertig. Entweder sind die Anbieter zu doof oder einfach nur unwillig.

29.09.2017 17:48 Hannes Bongartz 3

... wartet ab, in zehn Jahren wollen alle nur noch elektrisch fahren. Weil's Spaß macht und genauso teuer ist...

29.09.2017 13:31 Guter Schwabe 2

Selber Schuld, wer so eine Kiste fährt.
Ich fahre mit meinem Diesel an die Tanke wo der Preis am billigsten ist.

29.09.2017 10:22 Markus 1

Unsere Urenkel werden bestimmt E-Auto fahren. Vielleicht schon sogar nach zwei Jahrhunderte... Hoffentlich reichen zwei Jahrhunderte, um alle technische und logistische Probleme mit E-Auto zu lösen?