BMW-Werk in Spartanburg, USA.
In Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina steht das größte BMW-Werk der Welt. Bildrechte: dpa/BMW AG

Handelsbeziehungen Deutsche Wirtschaft besorgt über Trump-Kurs

Mit ihrer Kritik gegen die EU, den Euro und gegen Deutschland hat die Trump-Administration auch die Sorge der deutschen Wirtschaft und Politik angeheizt. Experten warnen, dass eine Eskalation beiden Seiten schaden könnte.

BMW-Werk in Spartanburg, USA.
In Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina steht das größte BMW-Werk der Welt. Bildrechte: dpa/BMW AG

Die deutsche Wirtschaft reagiert besorgt auf den wirtschaftspolitischen Kurs der Administration von US-Präsident Donald Trump, die auf Abkehr vom Freihandel zusteuert und die Export-Macht Deutschland scharf angegriffen hat.

Arbeitgeberpräsident verstört

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sprach am Mittwoch von verstörenden Nachrichten: "Eine Weltmacht zieht sich auf das eigene Territorium zurück und verlässt die Weltbühne." Er hoffe, dass diese Abkehr von den engsten Freunden wie auch von Wirtschafts- und Handelspartnern nicht in der Form vollzogen werde, wie es in den ersten Tagen den Eindruck mache.

Donald Trump zeigt eine Durchführungsverordnung
Am 23. Januar erklärte Trump den Rückzug vom Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP. Zweiter von rechts: Wirtschaftsberater Peter Navarro. Bildrechte: dpa

Zugleich wies Kramer die Kritik von Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro zurück, der Deutschland vorgeworfen hatte, den niedrigen Euro-Kurs zu seinem Vorteil auszunutzen. "Wir waren's nicht, die den Euro niedergekämpft haben", sagte Kramer. Zudem verwies der Arbeitgeberpräsident darauf, dass der Exportüberschuss nicht am niedrigen Euro liege, sondern an der Qualität der Dienstleistungen und Produkte: "Es sind die Produkte, die weltweit Anerkennung finden."

"Deutschland erschleicht Handelsvorteile"

Navarro hatte am Dienstag in der "Financial Times" den Vorwurf erhoben, Deutschland erschleiche sich mit Hilfe eines deutlich unterbewerteten Euro unfaire Handelsvorteile auf Kosten der USA und seiner Euro-Partner. Den Euro bezeichnete Trumps Wirtschaftsberater dabei als so etwas wie eine "implizite Deutsche Mark", deren niedriger Wert Deutschland einen Vorteil gegenüber seinen wichtigsten Handelspartnern gebe.

"Rückfall in Merkantilismus"

Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft bezeichnete die Vorwürfe des Trump-Beraters im "Großen und Ganzen [als] Unsinn". Zwar sei es richtig, dass der Euro aus deutscher Sicht unterbewertet sei, sagte der Wirtschaftsprofessor dem MDR. Dies habe aber mit der Situation im Euro-Raum und der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu tun und nicht mit der Situation in Deutschland.

Laut Kooths herrscht in Trumps Administration das "große Missverständnis", man könne eine Volkswirtschaft wie ein Unternehmen betrachten, wobei die Exporte die Erlöse und die Importe die Kosten seien. "Aber das ist eben ein krasses Missverständnis, ein Rückfall in den Merkantilismus, der seit eigentlich 200 Jahren überwunden sein sollte."

Wirtschaftsministerin alarmiert und irritiert

Auch in der Bundesregierung wächst die Sorge, über den wirtschafts- und außenpolitischen Kurs des neuen US-Präsidenten. "Was wir seit zehn Tagen erleben, ist alarmierend und irritierend. Das geht in eine völlig falsche Richtung", sagte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch. Zwar hätten die USA nur zehn Prozent Anteil am Export deutscher Unternehmen, dennoch wäre eine Abschottung schlecht für die deutsche Wirtschaft, aber auch für die amerikanische.

"Polemik gefährdet EU-USA-Beziehungen"

Das sieht man auch bei der EU so. Laut dem sicherheitspolitischen Sprecher der Fraktion der Europäischen Volksparteien im Europaparlament, Michael Gahler (CDU), gefährdet die Trump-Administration mit ihrer gegen die EU, den Euro und Deutschland gerichteten Polemik die für beide Seiten wichtigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und den USA.

Gahler verwies in dem Zusammenhang gegenüber dem ARD-Hörfunkstudio Brüssel darauf, dass zwischen den USA und der EU täglich ein Handelsvolumen von zwei Milliarden Euro abgewickelt werde. Hunderttausende Jobs hingen daran. Allein die deutsche Automobilindustrie habe in den USA zuletzt 30.000 Jobs geschaffen. Von dort würden mittlerweile mehr Autos nach Europa transferiert als umgekehrt.

Automobilindustrie warnt vor Eigentor

Auch der Chef des Verbands der Deutschen Automobilindustrie, Matthais Wissmann, warnt davor, dass die angekündigte Abschottung ein Eigentor für die US-Wirtschaft werden könnte. Laut Wissmann beschäftigt die deutsche Autoindustrie inklusive Zulieferer in den Staaten mittlerweile 110.000 Mitarbeiter, die mit 850.000 Einheiten mittlerweile viermal so viele Autos bauen wie noch 2009. Zudem sei der Marktanteil deutscher Autos in den USA mit 7,6 Prozent nur halb so hoch wie der von GM und Ford in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 01.02.2017 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2017, 18:57 Uhr

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3 Kommentare

01.02.2017 22:02 Alf 3

Wieso glauben unsere Politiker, Wirtschaftsexperten und Medien immer noch, das sich Herr Trump wie ein typischer Berufspolitiker verhält und nach der Wahl seine Meinung ändert? Trump steht zu seinen Worten, dass muss man ihm hoch anrechnen, auch wenn er dadurch die Welt in einen Wirtschaftskrieg führen kann!

01.02.2017 19:34 4711 2

Da wird es bald vorbei sein mit Steuergeld zur Belohnung aller Flüchtlinge dieser Welt, mal schnell nach Deutschland und ein Ausreisegeld abholen um dann wieder unter zig Identitäten neu einzureisen o. Abzutauchen u. unter neuen Namen aufzutauchen!

01.02.2017 19:17 Katharina 1

da Frau Brigitte Zypries nur Jura Studiert hat und dann bissl durch die Parteienzentralen geklüngelt ist, ist ihre Aussage, Fachlich gesehen, nicht mehr wert die die Meinung eines jeden anderen von uns.
Das ist eine Meinung, mehr aber auch nicht!