Zwei Männer bearbeiten Leichtmetallfelgen.
Mittelständische Unternehmen treffen sich in Leipzig. Sie haben klare Forderungen an die Regierung. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Unternehmertag in Leipzig Mittelstand fordert schnelle Regierungsbildung

Thyssen, BMW, Tui – die Namen deutscher Großkonzerne kennen alle. Doch mehr als 60 Prozent aller Beschäftigten arbeiten bei kleinen und mittleren Unternehmen, die weitgehend unbekannt sind. Am Donnerstag trifft sich die mittelständische Wirtschaft zum Unternehmertag in Leipzig. Zeitgleich gehen in Berlin die Sondierungen für eine neue Bundesregierung weiter. Und an die hat zumindest der Verbandspräsident klare Erwartungen.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Zwei Männer bearbeiten Leichtmetallfelgen.
Mittelständische Unternehmen treffen sich in Leipzig. Sie haben klare Forderungen an die Regierung. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Marcus Rochlitzer hat das Rad nicht neu erfunden. Er hat es aber flotter gemacht. Der 35-Jährige leitet die Geschäfte von Möve Bikes in Mühlhausen. Zwischen den Pedalen seiner Räder dreht sich kein klassisches Zahnrad sondern hier arbeitet ein komplizierter Antrieb aus Tretkurbeln, Lagern und einem ovalen Kettenblatt. Das soll mehr Tempo bringen, erklärt Rochlitzer:

Unser Antrieb bringt ein neues Fahrgefühl. Wir können aus gleicher Beinkraft 33 Prozent mehr Drehmoment generieren.

Marcus Rochlitzer, Möve Bikes

Externe Tester hätten bestätigt, dass sich das Fahren mit einem dieser Antriebe anfühle wie ein E-Bike beim Anfahren. "Nicht wie in der höchsten Stufe", schränkt Rochlitzer ein. "Aber wie in einer der unteren Stufen und das völlig ohne Zusatzenergie."

Mehrere Jahre haben Rochlitzer und seine Kollegen an dem Fahrrad getüftelt. Möve Bikes ist ein Kleinunternehmen wie es in Deutschland tausende gibt: innovativ und regional verwurzelt.

Trotzdem fehlt solchen Firmen die Lobby. So sieht es Mario Ohoven. Der Präsident des Bundesverbands der Mittelständischen Wirtschaft lädt am Donnerstag zum Unternehmertag nach Leipzig. Bei MDR AKTUELL erklärt er:

Die Bürokratiekosten der Unternehmen müssen endlich reduziert werden. Die Große Koalition hat einen riesigen Investitionsstau hinterlassen. Das Ergebnis sind marode Straßen, Brücken, ein altes Schienennetz, baufällige Schulen.

Mario Ohoven, Präsident Bundesverband der Mittelständischen Wirtschaft

Ohoven fordert ein breit angelegtes Investitionsprogramm. Schnelles Internet in jedem Winkel und ein Ende der Russland-Sanktionen.

Dafür muss es allerdings erst einmal eine Regierung geben. Union, FDP und Grüne wollen womöglich bis nach Weihnachten verhandeln.

Nicht warten bis nach Weihnachten

Zu lange, findet Ohoven. Er erklärt: "Wir wollen bis nach Weihnachten unter gar keinen Umständen warten. Die Bundespublik Deutschland kann sich das unter den momentanen internationalen Bedingungen nicht erlauben."

Dann zählt er auf: "Korea-Krise, Iran-Konflikt, volle Flüchtlingslager in Nordafrika. In diesen schwierigen Zeiten verlangen wir von der Kanzlerin, dass sie das Heft in die Hand nimmt, um sofort eine neue Regierung zu bilden."

Herzensanliegen Bildung

Der Mittelstandspräsident war noch nie ein Mann leiser Töne. Besonders konkret wird er bei seinem Herzenzanliegen: der Bildung. Deutschland gebe dafür zu wenig aus. Er rechnet vor: "Würde nur ein Prozent der Mehrwertsteuer in Bildung investiert, dann stünden uns jährlich zehn Milliarden Euro mehr zur Verfügung. Was bis jetzt investiert worden ist, ist ein Tropfen auf dem heißen Stein."

Lage nicht ganz düster

Eine bessere Bildung brächte mehr exzellente Fachkräfte. Das würde dann wieder Unternehmen wie Möve Bikes helfen. Tatsächlich sei es in Deutschland nicht leicht, Unternehmer zu werden, bestätigt Geschäftsführer Marcus Rochlitzer. Andererseits sieht er die Lage nicht ganz so düster wie der Mittelstandspräsident. "Hürden gibt’s viele, große und kleine. Die größte Hürde ist meistens in einem selber, es zu tun."

Um den neuen Fahrradantrieb auf den Markt zu bringen, hat Rochlitzer viel Zeit investiert. Seit sechs Wochen kann man das Rad aus Mühlhausen kaufen. Der Preis: 4.000 Euro. Viel Geld für mehr Tempo. Aber "Made in Germany" hat seinen Preis.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.10.2017 | ab 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 07:11 Uhr

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2 Kommentare

19.10.2017 12:55 Guter Schwabe 2

>Ohoven fordert ein breit angelegtes Investitionsprogramm. Schnelles Internet in jedem Winkel und ein Ende der Russland-Sanktionen. <
Da muss er aber noch ein paar Jahre warten. Am letzten Punkt wird sich, unter Merkel, nichts ändern.

19.10.2017 10:49 Fragender Rentner 1

Was wollen die denn, er tritt doch erst im Dez. ab?