Elektroautos stehen neben einer Ladesäule
Beim Kauf eines Elektroautos stellen sich viele Fragen. Zum Beispiel, wo sich die nächste Ladestation befindet. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

E-Mobilität Schwache Bilanz für Elektroautoprämie

Wer ein Elektroauto kauft, soll profitieren. 1,2 Milliarden Euro stellte die Bundesregierung für den sogenannten Umweltbonus zur Verfügung. Knapp ein Jahr später ist die Bilanz ernüchternd: Gerade einmal 15.000 Anträge gingen beim Bundeswirtschaftsministerium ein.

von Gabriele Intemann, ARD-Hauptstadtstudio

Elektroautos stehen neben einer Ladesäule
Beim Kauf eines Elektroautos stellen sich viele Fragen. Zum Beispiel, wo sich die nächste Ladestation befindet. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Die Elektroautoprämie ist so etwas wie der Ladenhüter unter den Förderprogrammen der Bundesregierung: Nicht einmal fünf Prozent der Prämien haben die deutschen Neuwagenkäufer bisher abgerufen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks von der SPD will trotzdem nicht von einem Flop sprechen. Das Programm laufe noch nicht einmal ein Jahr und gehe noch bis 2019. Bis dahin könne sich noch einiges tun.

Immerhin war der Monat März bisher der beste Monat seit Einführung des Umweltbonus: 2.700 Prämien wurden beantragt. Damit sich dieser Trend fortsetzt, hofft Barbara Hendricks vor allem auf attraktive Angebote der Autobauer. Die deutsche Automobilindustrie habe angekündigt, zeitnah mit neuen Modellen auf den Markt zu kommen. "Ich gehe dann mal davon aus, dass das auch gelingt", zeigte sich Hendricks überzeugt.

Norwegen als Vorbild

Doch der Preis ist nur ein Kriterium für Autokäufer, weiß Marion Jungbluth, Verkehrsexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Bei einem Elektroauto entstünden viel mehr Fragen als bei einem Wagen mit Verbrennungsmotor.

Man muss wissen, wie weite Distanzen man täglich zurücklegt, wo die nächste Ladesäule ist und ob man im eigenen Haus überhaupt eine Möglichkeit hat, einen Ladepunkt einzurichten.

Marion Jungbluth, Verkehrsexpertin

Die Prämie sei da kein ausreichender Anreiz. 4.000 Euro gibt es für Elektro-Neuwagen, 3.000 Euro für Plug-in-Hybrid-Wagen - also Pkw mit Verbrennungsmotor, die auch elektrisch geladen werden können. Andere Länder hätten das wesentlich besser geregelt, sagt die Verkehrsexpertin der Verbraucherzentrale.

Beispielsweise Norwegen: Dort ist inzwischen jeder dritte neu zugelassene Pkw ein Elektroauto. Dank hoher Subventionen, sagt Jungbluth. "Da kann man ganz viel Steuern sparen und fährt fast ein bisschen umsonst." Außerdem hätten E-Autofahrer große Privilegien: So könnten sie die Busspuren nutzen oder frei parken.

Schnellladestationen für 400 Autobahnraststätten

Weil die Bundesregierung über den Geldbeutel nicht genügend Anreize setzt, schlagen kritische Punkte - wie zum Beispiel fehlende Ladesäulen - stärker durch, meint der Verkehrsexperte der Grünen, Oliver Krischer. Das sei der Hauptpunkt, warum sich Menschen kein Elektroauto kauften. "Sie haben Sorge, dass sie irgendwo im Nirgendwo mit dem Fahrzeug liegen bleiben."

Das will die Bundesregierung nun ändern. Bis Ende des Jahres sollen an allen 400 Autobahnraststätten Schnellladestationen stehen. Das hat Verkehrsminister Dobrindt zugesagt. Mehr könne der Bund nicht tun, so Umweltministerin Hendricks.

Wir betreiben ja auch keine öffentlichen Tankstellen. Die Vorstellung, dass alles der Bund machen sollte, ist falsch.

Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin

Auch die Grünen wollen nicht, dass die Bundesregierung als Betreiber von Stromtankstellen eingesetzt wird. Bei der Infrastruktur gibt es trotzdem Handlungsbedarf, findet der Bundestagsabgeordnete Krischer. Er sei für klare Regeln und schlägt vor, bei der Neuanlage von Parkplätzen oder in bestimmten Parkhäusern immer einen Anteil an Ladestationen bereitzustellen. So ließe sich ein Mindestmaß an Ladeinfrastruktur erreichen.

Geringe Reichweite immer noch ein Problem

Das größte Hindernis für den Kauf eines Elektroautos ist aber die Reichweite. Die sei bei den meisten Modellen heute einfach noch zu gering, so Marion Jungbluth. 350 Kilometer weit müsse man mit einer Batterieladung schon kommen. "Es ist psychologisch wichtig, zu wissen, dass ich nicht irgendwo liegen bleibe."

Wenn die Autohersteller erst Modelle mit solchen Reichweiten zu erschwinglichen Preisen anbieten, dann werden sich Elektroautos in großem Stil durchsetzen, davon ist auch Oliver Krischer von den Grünen überzeugt. Er fährt selbst seit einigen Monaten einen "Stromer" und weiß, wie angenehm das ist.

Er glaubt, das Thema Elektromobilität werde in den nächsten Jahren eine große Dynamik entwickeln - und das losgelöst von den Maßnahmen der Bundesregierung. Wenn das Reichweitenproblem gelöst sei, werde sich der Markt von alleine entwickeln. Und das vermutlich ganz unabhängig von der Kaufprämie. Die läuft Mitte 2019 aus.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.04.2017 | 12:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 11:58 Uhr

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28 Kommentare

13.09.2017 15:48 Frank 28

@ 20: Ein jüngst in der Autobild zum Thema veröffentlichter Beitrag (Praxistest mit E-Auto über 3000 km quer durch Deutschland) widerlegt Sie komplett.

18.04.2017 15:04 Ekkehard Kohfeld 27

@ Ewald Busch 26 Es besteht allerdings die Befürchtung, dass es nur darum geht neue Einnahmequellen für den Staat zu erschließen.##Ja und der Wirtschaft unter die Arme greifen was interessiert der kleine Mann??Jetzt werden die gebrachten Dieselfahrzeuge auch schon medial
mies gemacht da werden wohl auch viele auf ihren gebrauchten sitzen bleiben oder sehr wenig dafür bekommen da haben dann die Händler wieder tolle Argumente.

18.04.2017 12:21 Ewald Busch 26

Beim Elektroauto ist es ist wie mit der Kuh die im Himmel frisst und auf Erden gemolken wird.Berücksichtigt man die gesamte Effektivität und Effizienz so ist ein Diesel-Pkw noch immer günstiger und Umweltverträglicher wie ein Elektro-Pkw. Das rein Batterie gespeiste Auto hat außer in Nischen keine Zukunft. Wir sollten den Dieselmotor weiterentwickeln, die Brennstoffzellentechnik und die dazu erforderliche Wasserstoffgewinnung serienreif machen. Wenn wir dann noch die großen Quellen der Umweltbelastung wie Verkehrs-Stau und unnötige Lebensdauer-Verkürzung durch mangelnde Reparaturfreundlichkeit der Produkte beseitigen, können wir sehr preiswert die erforderlichen Entwicklungen vorantreiben. Es besteht allerdings die Befürchtung, dass es nur darum geht neue Einnahmequellen für den Staat zu erschließen.

18.04.2017 10:00 Ekkehard Kohfeld 25

Ronny 20 In der Stadt könnte man Lichtmasten als Ladesäule umbauen.##Wo schnappt man so etwas auf und verbreite es dann ohne nachdenken weiter?Da müssen ja dann wohl auch noch Sachen bei wo man bezahlt,oder gibt es den Strom umsonst,dann müssen die gewartet und geleert werden wer bezahlt das??Und die stehen alle 50 m wer kommt wann an die Reihe gibt es da so ein Kartenabreißsystem könnte für einige eine lange Nacht werden oder wer parkt die dann um?Müssen dann auch überall Sicherheitsdienste hin damit es keine Schlägereien gibt um die Ladezeiten.Träumt ihr mal alle weiter von eurem tollen E-Auto ist doch schön auf dem rosa Ponyhof gut das mich das nicht mehr betrifft.

18.04.2017 08:59 Ekkehard Kohfeld 24

@ Ronny 20 Nach 10-15 Jahren ist das Elektroauto günstiger.##Und solange halten die auch,die heutigen Batterien halten definitiv nicht so lange,und was kostet so ein Batteriesatz neu?##Schnellladesäulen laden das Auto in 20-30 Minuten wieder zu 80% auf. ##Ja und alle Pendler halten zwischendurch alle mal 20 - 30 Minuten an,das müssen sie mir zeigen wie das gehen soll,der größte Stau aller Zeiten.Ihr müsst das nicht immer nur für ein E-Auto sehen sondern für die aktuelle Situation auf den Straßen.

18.04.2017 08:50 Ekkehard Kohfeld 23

Einer, der in der Wüste fest steckt und Öl sucht Nur mal eine hypothetische Frage: Womit werden Autos fahren, wenn, nur mal angenommen, in 10 Jahren das Erdöl für Verbrennungsmotoren nicht mehr bereit stünde?##Das hat man vor 20 Jahren schon behauptet,aber ihr verdreht da immer etwas es geht nicht darum das Benzin oder Dieselfahrzeug am Leben zu erhalten sondern um eine vernünftige Alternative das E-Auto ist keine womit erzeugen wir den die Energie dafür ja mit Kraftwerken die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden und womit heizen wir ja auch mit fossilen Brennstoffen weil es derzeit gar keine wirklichen Alternativen gibt.Und natürlich wieder die an das Märchen von dem tollen E-Auto glauben,hoch giftige Batterien,Elektrosmog,Seltene Erden warum die wohl Seltene Erden heißen,bestimmt weil es da unendlich viel von gibt.Schnellladestationen,wie viele Autos kommen alleine über viel befahren Straßen und die sollen mal eben alle aufgeladen werden mal schauen wie weit die Schlangen sind.

17.04.2017 22:58 Jens 22

17.04.2017 20:37 Ronny
Ihre Meinung haben Sie exclusiv oder betreiben Sie Wahlkampf für Rot/Grün, denn die wollen ja, dass ab 2013 nur noch E- Autos produziert und gefahren werden.
Ganz abgesehen davon, das bereits jetzt in Studien zum Thema nachzulesen ist, dass durch eine Umstellung ca. 50% der Arbeitsplätze abgebaut werden.

17.04.2017 22:03 Torsten 21

Am meisten kotzt mich an das ich gezwungen bin diesen Umweltfaschismus auch noch bezahlen zu müssen.

17.04.2017 20:37 Ronny 20

Elektroauto fahren ist heute schon sehr günstig. Die Anschaffungskosten sind hoch aber die laufenden Kosten sind niedrig. Nach 10-15 Jahren ist das Elektroauto günstiger. Schnellladesäulen laden das Auto in 20-30 Minuten wieder zu 80% auf. Damit kommt man dann ja nach Akkugröße wieder 80-300 km. Die Energiebilanz eines Verbrenners ist sehr schlecht. Die besten haben einen durchschnittlichen Wirkungsgrad von 17%. Ein Elektroauto geladen aus Strom von einem fossilen Kraftwerk (Öl ca 60% Wirkungsgrad) hat noch über 40%, aus regenerativen Quellen 90%. In der Stadt könnte man Lichtmasten als Ladesäule umbauen. Zu dem Thema Feinstaub, Elektroautos müssen viel weniger bremsen - Rekuperation.

17.04.2017 19:59 Hans 19

Ich würde mir gerne ein E-Auto kaufen und eine Prämie mitnehmen. Nur mein Mindestlohn reicht dafür nicht und wenn man auf sein Girokonto ohne Zinsen kein Vermögen hat, rückt die Bank derzeit keinen Kredit raus.