Sanierungsarbeiten am Oberbecken des Pumpspeicherwerks Goldisthal.
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Pumpspeicherwerke Bundeswirtschaftsministerium weist Ramelow-Vorwürfe zurück

Pumpspeicherwerke werden bewusst als Energiespeicher benachteiligt - so lautet der Vorwurf des Thüringer Ministerpräsidenten Ramelow. Adressat: Das Bundeswirtschaftsministerium. Das weist die Vorwürfe im Interview mit MDR AKTUELL nun entschieden zurück.

Sanierungsarbeiten am Oberbecken des Pumpspeicherwerks Goldisthal.
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Das Bundeswirtschaftsministerium hat Vorwürfe von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zurückgewiesen, der Bund würde Pumpspeicherkraftwerke benachteiligen. Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake sagte MDR AKTUELL, es gebe eine Grundsatzentscheidung, dass "Stromerzeuger keine Netzentgelte zahlen, wohl aber Stromverbraucher".

Argument: Pumpspeicherwerke verbrauchen auch Strom

Wenn Ramelow sage, er verstehe nicht, warum eine Windkraftanlage keine Netzentgelte zahlen müsse, wohl aber ein Pumpspeicherwerk, dann sei die Antwort darauf ganz einfach: "Windkraftanlagen verbrauchen keinen Strom, sondern erzeugen Strom", sagte Baake. Pumpspeicherkraftwerke hingegen würden nicht nur Strom erzeugen, sondern auch welchen verbrauchen. Dafür müssten sie "grundsätzlich wie alle anderen Verbraucher auch Netzentgelte zahlen".

Zugleich seien Pumpspeicherwerke heute schon dermaßen bevorzugt, dass er keine Notwendigkeit sehe, in diesen Wettbewerb noch mehr einzugreifen zu Lasten aller anderen. Während andere Verbraucher an Abgaben, Umlagen und Netzentgelten 14 Cent pro Kilowattstunde zahlen müssten, sei es für die Pumpspeicherwerke lediglich ein Cent.

Baake sagte, er höre tagtäglich, dass sich jemand von den Energieerzeugern benachteiligt fühle und Ermäßigungen und Subventionen fordere: "Wer das macht, fährt die Energiewende vor die Wand."

Baake optimistisch: Wieder Chancen für Pumpspeicher

Der Staatssekretär räumte ein, dass die Pumpspeicherwerke durch die aufkommende Photovoltaik in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten seien. In der Zukunft gebe es aber auch wieder Chancen für die Pumpspeicher, sagte Baake. "Wenn wir die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet haben, wenn wir den Anteil des Stroms aus den Kohlekraftwerken reduzieren, dann wird es wieder Berge und Täler bei den Preisen geben, und dann werden die Pumpspeicherwerke wieder Geld verdienen." Es sei aber Aufgabe der Unternehmen, solche Entwicklungen kommen zu sehen, und sich mit ihren Geschäftsmodellen darauf einzustellen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 08.06.2017 | 05:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2017, 09:16 Uhr

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23 Kommentare

10.06.2017 19:48 Eulenspiegel 2 23

Und es war ein gutes Stück Lobbyarbeit der Konzerne um Frau Merkel zum Aussieg aus den Ausstieg zu bewegen. Und zu der Energiewende gehöt nun mal eine erheblich größere Speicherkapazität. Ja und es ist klar das die Konzerne ihre Großkrafterke so lange wie möglich noch betreiben wollen. Dazu gehört dann natürlich das man die Energiewende so weit wie möglich vehindert. Schließlich handelt es sich da um Konzerne die Profitmaximierung betreiben und da mindert jeder zusätzlich investierte EURO die Gewinne.

10.06.2017 19:46 Eulenspiegel 1 22

Die Pumpspeicherwerke sind in den letzten 100 Jahren nur aus einem Grund gebat und betieben worden und zwar um das Netz auszuregeln. Dabei muss man sagen das die Stromkonzerne die Versorgungssicherheit garantieren müssen. Im Prinziep wäre es eigentlich egal mit welchen Mitteln die Konzerne dies erreichen. Ich denke im Prinziep ist es eigentlich auch egal ob man mit diesen Speicherkraftwerken Geld verdienen kann oder nicht weil sie ja Bestandteil der Versorgungsgarantie sind. Ich denke hir läuft was ganz anderes im Hintergrund. Die Stromkonzerne haben zwar damal mit Schröder einen Vertrag über den Atomaustieg unterzeichnet sie hatten aber nie die Absicht diesen Vertrag zu erfüllen. Und es war ein gutes Stück Lobbyarbeit der Konzerne um Frau Merkel zum Aussieg aus den Ausstieg zu bewegen. Und zu der Energiewende gehöt nun mal eine erheblich größere Speicherkapazität. Ja und es ist klar das die Konzerne ihre Großkrafterke so lange wie möglich noch betreiben wollen.

10.06.2017 13:24 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 21

"So wird die 'private Stromversorgung' gefördert, womit die Netze eher von industriellen Verbrauchern genutzt werden, die diese Nutzung im schlimmsten Fall noch subventioniert bekommen."

Vllt. etwas unglücklich formuliert!
Wenn man als Privatperson durch Energieeinsparung sehr wenig 'Starkstrom' verbraucht und vieles über seine eigene PVA betreiben kann, bezahlt man durch Subvention von 'energiehungriger Industrie' immer noch die Gewinne der Netzgesellschaft. Von daher ist eine Umrüstung der Heimstromversorgung auf PVA-relevante 12-60 Volt unter der Gesamtsituation eher ein Privatvergnügen.

10.06.2017 12:49 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 20

@ vom Fach:
Immer gut, einen mit Ahnung in der Runde zu haben! =)

Es ist wie mit Blinden und Sehenden auf unbekannter Strecke.

Zu #16:
'Festpreise' bei der Produktion von Strom durch WKA oder PVA geben auch eine gewisse Stabilität im Strompreis, der dadurch von Schwankungen beim Öl- oder Gaspreis weniger beeinflußt wird. Und genau das muß ja das Ziel sein, um Öl und Gas unwirtschaftlich werden zu lassen.

Man hat nun mal gewisse Produktionskosten für WKA und PVA, die durch Material und Lohnkosten vorgegeben sind (solange noch Menschen daran arbeiten dürfen), die über die Laufzeit eingefahren werden müssen. Alles darüber ist 'Gewinn'.
Sicherlich ist ein 'Gewinn' nun mal ein Gewinn, aber der kommt dann nun mal nur dem Aufsteller zu Gute.
-> Teil 2

10.06.2017 12:49 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 19

@ 'vom Fach' Teil 2:
Wenn nun aber (z.B. durch eine Verstaatlichung) diese Anlagen keine Rendite abwerfen müssen, sondern nur für den 'reibunglosen' Lauf instand gehalten werden müssen, würde auch der Strompreis davon profitieren können.

Ich bin großer Verfechter der 'freien Marktwirtschaft', die große Vorteile für jeden bringt. Gewisse Strukturen sind aber gut in Staatshänden aufgehoben, weil der Staat auch bestimmte Strukturen bereitstellen muß, um überhaupt Staat genannt werden zu können - da reicht ein komplexes Steuersystem nicht aus.

Und da ist es in meinen Augen schon der erste Fehler, das Stromnetz zu privatisieren, um damit Geld zu verdienen. So wird die 'private Stromversorgung' gefördert, womit die Netze eher von industriellen Verbrauchern genutzt werden, die diese Nutzung im schlimmsten Fall noch subventioniert bekommen.
Damit bezahlt der Verbraucher auch für ein Netz, was er im besten Falle (der Eigenversorgung) gar nicht mehr nutzt...

10.06.2017 08:31 GEWY38 18

Krause @13, Stimmt, meine Anmoderation war, was Sie betrifft, überzogen. Entschuldigung.

10.06.2017 07:00 Kaktusuwe 17

Ich glaube Herr Baake weiß nicht wovon er spricht. Seit wann arbeiten Photovoltaikanlagen günstiger, wozu brauchen sie dann Subventionen. Um Strom oder besser Energie zu speichern, muss dieser Zustand erstmal hergestellt werden. Wie soll aber das Wasser, das ja die Energie speichert ohne Einsatz von Strom auf den Berg kommen? Diese Leistung wird aber in der Energiewende nicht bezahlt, sie ist aber sofort in Größenordnungen möglich und benötigt nicht die intensive Produktion von Batterieanlagen. Ich wünsche mir ein Blackout für Deutschland.

09.06.2017 00:16 vom Fach 16

2. Fortsetzung:
Übrigens Dank an den Staatssekretär für die ach so ehrliche Angabe der 14 Cent pro Kilowattstande. Nur als kleine Ergänzung: Das ist ein Nettowert. Der Bürger zahlt Bruttopreise, also 16,67 Cent pro Kilowattstunde. Damit zahlt er die gute Hälfte seines kWh-Preises für das Gedeihen der Energiewende, die nach den Planvorgaben des Wirtschaftsministeriums den Erzeugern erneuerbarer Energien für jeweils 20 Jahre (Planwirtschaft war der Sargnagel der DDR!) einen nicht gerade geringen Festpreis je erzeugter und zwingend abzukaufender kWh zuschreibt (zweiter Sargnagel der DDR: Festpreis). Und als zweite Ergänzung: Der Staatssekretär erwähnt nicht, dass bei weitem nicht alle Verbraucher dies bezahlen. Zahlreiche sehr große Verbraucher leben von befreienden Geschenken, die in der Regel mit dem Wort Förderung beschrieben werden. Luther bereits bekämpfte den Ablasshandel.
Zitat eines Staatssekretärs: "Wer das macht, fährt die Energiewende vor die Wand."

09.06.2017 00:14 vom Fach 15

Fortsetzung:
Großkraftwerke, die nach dem Willen der Unwissenden bald abgeschaltet werden, und vorhandene Pumpspeicherwerke haben uns noch einmal vor einem Netzzusammenbruch bewahrt. Das Netz stand auch am 24.01.2017 kurz vor dem blackout mit einem fast schlagartigen totalen Ausfall jedweder öffentlichen Elektroenergieversorgung. Kein Strom, keine Heizung, auch kein Kochen, Kühlschrank, Benzin, Gas, Einzelhandel, Bargeld, elektrischer Bahnverkehr, Radio, Fernsehen, Telefon, Notruf ...nichts mehr. Dass ein Wiederaufbau der Elektroenergieversorgungsnetze kurzfristig unmöglich ist und bis zu Tagen dauern kann, haben Ausfälle (auch) in Europa bereits gezeigt. Das ist Herrn Baake demnach auch nicht bekannt. Und der MDR legt die zum Netz-Wiederaufbau zwingend notwendige Kaltstartreserve dem Ministerpräsident Ramelow in Anführungszeichen in den Mund, als wäre es nur eine Worterfindung des Herrn Ramelow. Fatale Bildungslücke beim MDR! Ohne Kaltstart bleibt es dunkel, trotz aller Windmühlen.

09.06.2017 00:11 vom Fach 14

Unser Land krankt am Unwissen der Macht Ausübenden und auch der Bevölkerung (siehe Kommentare). Andererseits: Ministerpräsident Ramelow hat den Sachverhalt Pumpspeicherwerke treffsicher wiedergegeben.
Wenn der Staatssekretär Baake erklärt, dass in der Zukunft mittels Geschäftsmodellen zum Geldverdienen die Pumpspeicherwerke wieder ordentlich arbeiten können, scheint das, als könne man mit betriebswirtschaftlichen Kategorien und Schaffenspopulismus massive technische Missstände beseitigen. Er weiß also nicht, welche physikalischen Gründe Energiespeicher im Netz zwingend erfordern und auch nicht, dass die völlig unzuverlässige Stromerzeugung durch Wind und Photovoltaik jederzeit leistungsstarke Speicher erfordert. Am 24. Januar 2017 um 7:00 Uhr trugen die mit 50 GW installierter Leistung bereits völlig überdimensionierten Windenergieanlagen gerade einmal lächerliche 0,8 GW, d.h. reichlich 1% der benötigten 70 GW zur Stromversorgung bei. Das muss ein Staatssekretär wissen.