Motorradfahrer in Bewegung.
Röhrende Motoren: Bei der Zulassung von neuen Modellen wird der Lärm nur bei Tempo 50 gemessen. Fährt man schneller, wird es unverhältnismäßig lauter. Bildrechte: Colourbox.de

ARD-Bericht Fahrzeughersteller schummeln wohl auch beim Lärm

Nach dem Abgas-Skandal droht der KfZ-Branche möglicherweise weiterer Ärger. Einem ARD-Bericht zufolge wird auch bei der Lärmemission von Autos und Motorrädern manipuliert. Wie schon beim Diesel-Skandal erkennt eine Software, wann geprüft wird und wann nicht.

Motorradfahrer in Bewegung.
Röhrende Motoren: Bei der Zulassung von neuen Modellen wird der Lärm nur bei Tempo 50 gemessen. Fährt man schneller, wird es unverhältnismäßig lauter. Bildrechte: Colourbox.de

Bei Autos und Motorrädern haben Hersteller offenbar auch bei den Lärm-Grenzwerten getrickst. Wie das ARD-Magazin "Plusminus" berichtet, gibt es erhebliche Unterschiede zwischen offiziellen Messungen und dem tatsächlichen Alltagsbetrieb. So würden bei der Zulassung neuer Typen die Geräusche nur bei Tempo 50 gemessen. Bei höheren Geschwindigkeiten seien einige Fahrzeuge erheblich lauter. Das sei "bewusst so konstruiert", heißt es bei "Plusminus".

Verstöße an das Kraftfahrtbundesamt gemeldet

Im Kraftfahrtbundesamt müsste das Problem bekannt sein. Dem Bericht zufolge hat der Leiter der Mannheimer Verkehrspolizeidirektion, Dieter Schäfer, Verstöße gegen den Grenzwert einiger Fahrzeuge gemeldet. Schäfer fordert Nachprüfungen zugelassener Serienfahrzeuge. Es könne nicht sein, "dass etwas am grünen Tisch serienmäßig genehmigt wird", das im Realbetrieb dann großen Lärm verursache, sagte Schäfer der ARD.

BUND: Ähnliche Manipulation wie im Diesel-Skandal

Die Umweltorganisation BUND zieht laut dem Bericht Parallelen zum Abgasskandal. Einige Motorräder seien so programmiert, dass sie die Prüfungssituation erkennen könnten. Dann werde die Auspuffklappe geschlossen, so Holger Siegel von der Umweltorganisation.

Mutwilliger Lärm verstößt gegen STVO

Einigen Fahrzeug- und Zubehörherstellern wirft Siegel zudem vor, jeden möglichen Trick zu unternehmen, um die Klientel der Lärmer und Poser zu bedienen. Auf dem Internetportal des BUND verweist Siegel zudem darauf, dass der mutwillige Lärm elementar gegen die Regeln der Straße verstoße.

In Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung (STVO) und in Paragraph 49 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) ist geregelt, dass vermeidbare Lärmbelästigung unrechtmäßig ist und dass Kraftfahrzeuge so beschaffen sein müssen, dass die Geräuschentwicklung das nach dem jeweiligen Stand der Technik unvermeidbare Maß nicht übersteigt.

Neue Regelung sehr löchrig

Vor allem Manipulationen an Motorrädern waren jahrelang gängige Praxis, unter anderem auch mit Hilfe legaler oder illegaler Auspuffklappen. Eine neue EU-weite Regelung seit Anfang 2016 sollte die Entwicklung eindämmen. So wurde der Geschwindigkeitsbereich, in dem Motorräder die Geräuschgrenzen einhalten müssen, ein wenig erweitert. Kritiker sehen die Auswirkungen jedoch skeptisch. Die neue Vorschrift gilt nur für Zulassungstests bei neuen Modellen. Wer Anfang 2016 schon ein Motorrad besaß, muss sich also keine Sorgen machen. Auch Auspuffklappen-Hersteller beschwichtigen: Es gebe keinerlei Verbote.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 09.08.2017 | 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2017, 16:26 Uhr