Mann in Schutzkleidung reinigt einen Hühnerstall.
Anstatt mit dem verbotenen Fipronil kann ein Hühnerstall auch auf natürliche Art und Weise desinfiziert werden – und das ebenso wirksam. Bildrechte: MDR/ Maren Beddies

Alternative zu Fipronil Kampf gegen Parasiten im Hühnerstall

Vor Kurzem war vom Fipronil-Skandal die Rede. Große Handelsketten nahmen daraufhin Eier teilweise komplett aus dem Angebot. Verbraucher waren verunsichert, Erzeuger erlitten zum Teil hohe Verluste – obwohl die deutsche Geflügelbranche kaum vom Skandal betroffen war. Denn viele Züchter setzen seit Jahren nicht mehr das verbotene Desinfektionsmittel Fipronil ein. Sie vertrauen einer natürlichen und wirksameren Methode, um Hühner gesund zu halten.

von Maren Beddies, MDR AKTUELL

Mann in Schutzkleidung reinigt einen Hühnerstall.
Anstatt mit dem verbotenen Fipronil kann ein Hühnerstall auch auf natürliche Art und Weise desinfiziert werden – und das ebenso wirksam. Bildrechte: MDR/ Maren Beddies

Ein Freilandstall der Erzeugergemeinschaft Agrarprodukte Wildenhain bei Torgau. Keine Henne gackert hier momentan. Nach über einem Jahr war die Zeit gekommen, die rund 8.000 Legehennen zu schlachten.

Das ist der Moment, wenn der Betrieb in der Dübener Heide Schädlingsbekämpfer Hartmut Wolf ruft, denn die meisten Geflügelzuchtbetriebe überlassen die Parasitenbekämpfung Spezialisten. Wenn Wolf mit seinem Team anrückt, muss der Stall gereinigt sein: "Die wichtigste Voraussetzung ist Sauberkeit", sagt er. Hier sei alles ordentlich, selbst in den Ecken: "Ich bin sehr zufrieden."

Ein spezielles Mittel gegen Milben

Schon vor zwei Tagen ist Hartmut Wolf mit seinen Leuten aus Sermuth bei Colditz angereist, um den gereinigten Stall zu desinfizieren. Natürlich nicht mit einem Fipronil-Gemisch, sondern mit einem zugelassenen Mittel eines einheimischen Anbieters aus Bitterfeld.

Hartmut Wolf im Hühnerstall mit Desinfekionsschutz.
Schädlingsbekämpfer Hartmut Wolf setzt auf amorphe Kieselsäure anstatt Fipronil. Bildrechte: MDR/ Maren Beddies

"Das ist hauptsächlich Peressigsäure. Letztendlich ist das wie eine kalte Verbrennung", erklärt Wolf. Bakterien, Viren, Pilze würden so zerstört, dass im Prinzip nichts mehr übrigbleibe, auch keine Ekto- oder Endoparasiten, die auf und in den Wirtstieren leben. Nach der Desinfektion wird der Stall verschlossen und jetzt – zwei Tage später - ist der Zugang nur noch mit Schutzkleidung und Füßlingen erlaubt, damit der Stall keimfrei bleibt.

Während Schädlingsbekämpfer Wolf das alles erklärt, rühren seine Mitarbeiter draußen ein Mittel speziell gegen Milben an. Die Vogelmilbe befalle das Huhn und nehme dort eine Blutmahlzeit, sagt Wolf. Zunächst würden die Hühner nervös, durch das Blutsaugen bräuchten sie wesentlich mehr Energie und dadurch wiederum mehr Futter. Das könne dann so weit gehen, dass die Legeleistung der Hennen leide. "Und wenn's noch dicker kommt, können die Hühner sogar verenden."

Auch zum Filtern von Bier

Mann verrührt in einem weißen Bottich Anti-Milben-Pulver mit Wasser.
Das Pulver aus Kieselgur wird mit Wasser vermischt und im Hühnerstall verteilt. Bildrechte: MDR/ Maren Beddies

Milbeneier und Larven sowie ausgewachsene Tiere werden schon durch die Desinfektion erledigt. Im Nymphenstadium aber überlebt der Parasit und könnte sich schnell wieder entwickeln. Aber da kommt Schädlingsbekämpfer Wolf mit seiner zweiten Waffe: "Die Basis ist Kieselgur, und der direkte Wirkstoff hier drin ist amorphe Kieselsäure. Das wird ja auch in vielen Tagebauen gewonnen und wird auch zum Filtern von Bier eingesetzt."

Dieses Pulver, mit dem auch Bioställe behandelt werden können, wird mit Wasser vermischt und mit Spritzen im ganzen Stall verteilt. Futterrinnen, Tränken, Sitzstangen, Boden, Legeplätze – alles muss bis in den letzten Winkel mit der Lösung besprüht werden.

Jetzt ist es nass. Wenn es dann abgetrocknet ist, ist es wieder staubförmig. Wenn Milben sich bewegen, kriegen die den Staub automatisch mit. Und dieser Staub zieht das Wasser raus. Dadurch trocknen die Milben aus.

Hartmut Wolf, Schädlingsbekämpfer

Dauerhaft keimfreier Stall ist Illusion

Eine physikalisch wirkende und keine chemische Methode, bei der sich Resistenzen bilden können. Bis zu drei Monate hält sich der natürliche Kieselalgenstaub im Stall – was besonders in der Freiland- und Biohaltung wichtig ist, da ja die Hennen von draußen wieder neue Parasiten in den Stall bringen. Ein absolut keimfreier Stall auf Dauer sei eine Illusion, sagen Schädlingsbekämpfer Hartmut Wolf und auch Sina Weißbach, Abteilungsleiterin für Geflügelhaltung im Wildenhainer Betrieb.

Legeplätze für Hennen
Die Legeplätze für die Hennen sind nun auf natürlichem Weg desinfiziert. Bildrechte: MDR/ Maren Beddies

Weißbach erklärt, eine regelmäßige Desinfektion und Milbenbekämpfung seien deshalb dringend notwendig. Privattierhalter bezögen ihre Hühner in der Regel immer von verschiedenen Leuten. "Die halten die mehrere Jahre, kaufen jedes Jahr wieder Hühner dazu." Solche Ställe seien eigentlich nie leer. Im großen Betrieb laufe das anders: "Bei uns ist das natürlich möglich und wird auch gemacht." Dadurch seien die Eier weniger mit Keimen belastet.

Finanzieller Verlust durch Fipronil-Skandal

Geflügelzüchterin Weißbach hat mit der Schädlingsbekämpfungsmethode der Firma Wolf gute Erfahrungen gemacht – nicht nur in den Freiland-, sondern auch in den Bio- und Bodenhaltungsställen. Dennoch wurden nach dem Fipronil-Skandal auch Eier aus ihrem Betrieb bei großen Handelsketten aus den Regalen genommen.

Wir haben von allen Farmen Eier in ein Labor gebracht und innerhalb von drei Tagen nachgewiesen, dass unsere Eier nicht mit Fipronil belastet sind. Und danach wurden unsere Eier in den Handelsketten wieder gelistet.

Sina Weißbach, Geflügelzüchterin

Entstanden ist ein großer finanzieller Verlust. Ein Schaden, den die Geflügelzüchter zwar nicht verursacht haben – auf dem sie aber bislang sitzen geblieben sind.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 02.09.2017 | 05.18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2017, 10:47 Uhr

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1 Kommentar

02.09.2017 10:41 Fragender Rentner 1

Eine Alternative ist, weniger Hühner in den Ställen und nicht die Eier in die ganze Welt verschicken !!!

Die Folge könnte sein, dass der Profit sinkt, dass geht gar nicht.

Wir hätten auch weniger Gestank und es würde weniger Antibiotika verwendet.

Soviel Eier die überall in den Märkten liegen können sowieso nicht von uns gegessen werden, da frage ich mich was geschied mit den überlagerten Eiern danach?

Wird die Vernichtung auch uns in die Schuhe geschoben?