Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
Elektroauto "tankt" Strom - und hat einen Motor, der mit viel weniger Teilen als ein Verbrennungsmotor auskommt. Das hat auch einen Einfluss auf die Automobil-Zulieferer. Bildrechte: dpa

Mitteldeutschland So wirkt sich E-Mobilität auf Zulieferer aus

Sachsen ist Autoland. Hier produzieren BMW, Porsche und Volkswagen. Die Automobil-Hersteller setzen immer stärker auf Elektromobilität. Das bekommen auch die Zulieferer zu spüren. Was bedeutet der Wandel für die vielen kleinen Firmen, die Teile für Motoren und Getriebe herstellen?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
Elektroauto "tankt" Strom - und hat einen Motor, der mit viel weniger Teilen als ein Verbrennungsmotor auskommt. Das hat auch einen Einfluss auf die Automobil-Zulieferer. Bildrechte: dpa

Bei Sitec hat die Umstellung längst begonnen. Das Unternehmen aus Chemnitz stellt Motorteile her, aber auch ganze Maschinen für die Autoindustrie. Geschäftsführer Jörg Lässig sagt, er liefere auch für Elektroautos zu. "Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit der Elektromobilität: Batteriefertigung, Antriebsfertigung, elektrische Antriebe sind Gegenstand von Forschungsprojekten gewesen."

Sein Tipp: Jedes Unternehmen sei gut beraten, Wandlungen generell ernst zu nehmen und sich damit zu beschäftigen. "Dass man nicht eines Tages dastehe und kein Produkt mehr hat, das man verkaufen kann."

Elektromotor viel weniger Teile als Verbrennungsmotor

Experten schätzen, dass in zehn Jahren jedes dritte verkaufte Auto ein Elektroauto sein wird. Die Zulieferer muss das beunruhigen. Denn ein Verbrennungsmotor besteht aus rund 2.500 Teilen, ein Elektromotor nur aus 250. Dadurch braucht es weniger Zulieferer.

Was das für die sächsischen Betriebe bedeutet, hat Dirk Vogel vom Netzwerk der Automobilzulieferer Sachsen ausrechnen lassen. Er erklärt, dass in den Bereichen Antrieb und Fahrwerk in 94 Unternehmen 22.000 Beschäftigte arbeiten.

Wir gehen davon aus, dass etwa 4.000 bis 5.000 Arbeitsplätze gefährdet sind. Demgegenüber können aber auch etwas über 1.000 Arbeitsplätze wieder neu entstehen. Insbesondere im Bereich Leichtbau- als auch bei Batteriekomponenten.

Dirk Vogel, Netzwerk der Automobilzulieferer Sachsen

Der Wandel vollzieht sich langsam, aber stetig. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig findet, darüber klagen helfe nicht. Man müsse die Chancen nutzen, die mit der Elektromobilität entstehen. Dulig sagt: "Die Zukunftsfelder in Sachsen sind Datendienste, sind Leichtbau, die gesamte Digitalisierung der Mobilität. Es ist dann die Aufgabe der Zulieferindustrie, diese Chancen herauszuarbeiten und rechtzeitig zu ergreifen." Wenn man überlege, wie schwer eine Batterie sei, werde das Thema Leichtbau in Zukunft eine ganz andere Rolle spielen.

Massiver Wandel prognostiziert

Doch ob das die verlorenen Arbeitsplätze bei den Motorenherstellern kompensiert? In Thüringen beobachtet Uwe Laubach das Thema für die IG Metall. Er sagt, der Wandel in der Autobranche werde massiv sein.

Das wird nicht übermorgen, das wird nicht nächstes Jahr stattfinden und auch nicht übernächstes Jahr. Aber in den 2020er Jahren werden wir über Arbeitsplätze reden, die nicht mehr da sein werden in einer Größenordnung in Deutschland von einer sechsstelligen Zahl. Da bin ich relativ fest von überzeugt.

Uwe Laubach, IG Metall

Den Verlust auszugleichen, dürfte schwer werden. Denn beim Thema moderne Mobilität konkurrieren die kleinen deutschen Zulieferer auch mit Großkonzernen. Google baut selbstfahrende Autos. Und auch Intel hat kürzlich einen Spezialisten für Sensoren im Auto gekauft.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 04.04.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 12:02 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

9 Kommentare

05.04.2017 00:31 AufmerksamerBeobachter 9

@4 Physik: Im fossilen Motor wird chemische Energie einer exothermen Reaktion in einer hochkomplexen Maschine zur Verrichtung mechanischer Arbeit gewandelt (Carnot-Prozess) mit einem Nutzwirkungsgrad von bestenfalls (Schiffsmotoren, Dieselloks) 45% - im PKW bestenfalls 35% im Schnitt, wovon noch 85% durch Antriebsstrang und Dissipation in Reifen/Fahrwerk für den Vortrieb anstehen. In einem Akku werden lediglich elektrische Ladungsträger getrennt und direkt in den Antrieb (Gleichstrommotor) geleitet. Wirkungsgrad Antrieb/Abtrieb: 90+% (darunter 0.4-3.5% Verlust durch Wärme im Akku/Widerstand im Elektrolyt bzw Leitern) Sollten die Motoren in die Felgen integriert werden, entfallen auch noch die etwa 8% aus dem Antriebsstrang (Getriebe/Differential etc obsolet). E-Antriebe haben alle erdenklichen Vorteile. Sehen sie ihr Telefon/Tablet an. Fest verklebte lifetime Akkus, die 5+ Jahre locker halten. Noch vor zehn Jahren klobige, empfindliche Akkus. Diese Mobilität erleben wir noch!!

05.04.2017 08:24 Ullrich 8

@ Markus #7
Auch da wird es dramatische Änderungen geben. Googeln sie einfach mal nach folgendem:
Deutsche Post entwickelt Elektroautos.
Interessant war dabei, dass die Post zuerst bei deutschen Auto Herstellern angefragt hat. Diese haben nur auf den Diesel verwiesen! Entstehen könnte ein Marktvorteil für einen völlig neuen Hersteller!

04.04.2017 19:13 Markus 7

@Ullrich - solange alle LKW und vieles in DB mit Diesel läuft, ist Diesel-Verbot eine Utopie. Wenn nur PKW mit Diesel verbieten und LKW und DB-Loks lassen - das bringt so gut wie nichts für die Natur und erschwert Mobilität für Arbeitskraft, schadet also unserer Wirtschaft. Um Harz-4-Empfänger etwas kriegen könnten, muss jemand das auch zuerst verdienen und Steuer zahlen, nicht wahr?

04.04.2017 18:05 Ullrich 6

Natürlich war Kommentar 3 gemeint ☺

04.04.2017 17:17 Ullrich 5

@ Markus - wir werden es sehen und zum Diesel muss man nicht mehr viel sagen - Die Fahrverbot werden kommen!
Wir müssen in die Ecke denken und was heute noch unmöglich scheint wird in 5-10 Jahren Realität sein. Das zeigen die letzten Jahre. Eine Energiedichte der heutigen Akkus war vor zehn Jahren undenkbar - bei gleicher Physik! Also nicht wundern wenn wir “überrollt“ werden - da hat Kommentar 4 völlig recht.

04.04.2017 16:29 Markus 4

@Ullrich - es gibt Physik. Gegen Physik kann man nichts machen. Für Energiegewinn braucht man sozusagen Brennstoff und Oxidationsmittel. Diesel-PKW fährt nur Brennstoff mit (Sauerstoff kommt aus der Luft), in Akku muss beides zusammen gefahren werden. Deshalb wird Energievorrat in Diesel bei gleichem technischen Niveau sowieso um mehrfaches höher, als in einem Akku.
Nichts persönliches, nur reine Physik.

04.04.2017 14:46 AufmerksamerBeobachter 3

Ich schätze auch, das hier einige in der Autoindustrie das grosse Nachsehen haben werden. Die E-Autos werden en masse aus China hier angeliefert werden, von Firmen, die heute keiner kennt oder damit in Verbindung bringt. Die stehen dann für 15tsd Euro in den Autohäusern und werden nach einer online-order vor das Haus geliefert. RuckZuck verschwinden die in ihren Strukturen, Prozessen und Zulieferketten erstarrten Konzerne - genau so wie einst Telefunken, Grundig oder Mannesmann/Mobilfunk. Wer für den Antriebsstrang zuliefert, kann dicht machen. Das dürften 70%-80% der Wertschöpfung eines PKW ausmachen. Sicher, es werden auch 2050 in Südamerika und anderen dritte-Welt-Staaten noch Unmengen Autos mit Explosionsmotor fahren - diese Mittel- und Kleinwagen wird aber niemand dann hier zu vertretbaren Kosten herstellen können. Ganze Werke werden nach Indien oder Venezuela verkloppt werden. Sobald China die fossilen KFZ verbietet ist es vorbei. Die ganze Industrie macht die Gewinne nur dort!

04.04.2017 12:54 Ullrich 2

@ Markus - würden Sie darauf wetten?
Kleiner Hinweis zur heutigen Geschwindigkeit von Veränderungen - als mobiles Internet aufs Handy kam (WAP 99) habe ich von fast allen gehört - braucht kein Mensch! Zu teuer, funktioniert nicht, etc. 15 Jahre später - Sie wissen es selbst!
E-Mobilität wird sich in Ballungsräumen in max. 10 Jahren durchgesetzt haben - auch weil Emissionsrestricktionen dazu zwingen. Und auch ihr Beispiel ist mit einem Tesla s und vernünftig angelegten Pausen kein Hexenwerk! Und bevor jetzt einige gleich wieder schreiben das ist nur etwas für reiche - jede Wette dass die Technologie des Tesla s in max 5 Jahren zum Preis eines Golf zu haben ist!

04.04.2017 10:35 Markus 1

Keine Panik! E-Auto braucht noch Generationen Entwicklung bis zu brauchbaren Zustand. Als Beispiel: nur gestern sollte ich 700 km in ein paar Stunden fahren. Das schafft heute kein E-Auto.