Erneuerbare Energie Effizienter Energiespeicher Plastik-Batterie

Warum manchmal bei starkem Wind die Windräder nicht arbeiten, ist einfach erklärt: Wenn zu viel Strom im Netz ist, lässt die Bundesnetzagentur Windräder stoppen. Der Grund: Es fehlen gute Speicher, um überschüssigen Strom aufzunehmen und später abzugeben. Es könnte eine Lösung geben. Die haben Forscher aus Jena entwickelt.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Die Batterie, die der Energiewende zum Durchbruch verhelfen soll, steht in einem Labor in Jena. Ein gläserner Kasten, der brummt wie ein Kühlschrank und doppelt so groß ist. Darin sind Schläuche und zwei Tanks. Olaf Conrad, Geschäftsführer von Jenabatteries, erklärt das Besondere an dieser Batterie. Er sagt: "Wir nutzen Polymere, um den Strom zu speichern. Das sind natürlich besondere Polymere, die den Strom aufnehmen und abgeben können. Aber erst einmal im Grunde genommen Plastik, wie wir das kennen." Das sei der wichtige Unterschied zu allen anderen Batterietechnologien. Die Jenaer Forscher verwendeten keine Metalle, um den Strom zu speichern.

Plastik in Salzwasser gelöst

Plastik als Speicher klingt erst einmal seltsam. Doch die Jenaer Forscher haben die Plastik-Moleküle so verändert, dass sie Strom aufnehmen können. Sie werden in Salzwasser gelöst und in zwei Tanks gespeichert. Conrad sagt, die Batterie sei umweltfreundlich und lasse sich prima recyceln. Dagegen hätten herkömmliche Batterien oft problematische Zutaten: Hochleistungsbatterien enthielten beispielsweise Cobalt. Dieses sei sehr ungleichmäßig auf der Welt verteilt. "Unglücklicherweise ist der größte Teil des Cobalts im Kongo, einem Land, das politisch sehr instabil ist. Man muss überlegen, ob man durch den Kauf von Cobalt überhaupt Leute unterstützt, die möglicherweise nicht unterstützt werden sollten." Plastik lässt sich hingegen leichter beschaffen.

Speicher in beliebig großen Tanks

Die Batterie aus Jena funktioniert nach dem sogenannten Redox-Flow-Prinzip. Das heißt: Der Strom wird in zwei Flüssigkeiten gespeichert. Diese wiederum lassen sich in beliebig großen Tanks aufbewahren. Als Smartphone-Akku taugt das freilich nicht. Aber man kann solche Speicher neben Windparks bauen. Dort wird bislang viel mit Lithium-Ionen-Batterien experimentiert, wie sie in Elektroautos vorkommen. Die Lithium-Ionen-Technologie könne vor allem kurze Stromengpässe überbrücken, sagt Jens Tübke vom Fraunhofer Institut für Chemische Technologie.

Für längerfristige Speicherung, also ein bis zwei Tage, sind natürlich Redox-Flow-Batterien interessanter, weil ich einfach eine höhere Kapazität sehr leicht mit der Vergrößerung des Tankvolumens und des Inhaltes realisieren kann.

ens Tübke, Fraunhofer Institut für Chemische Technologie

Das sei ein sehr kostengünstiger Zubau an Kapazität im Vergleich zu Lithium-Ionen-Zellen.

Pilotanlage geplant

Die Batterie aus Jena mit der gelösten Plastik soll noch in diesem Jahr das Labor verlassen. Jenabatteries plant an einem Thüringer Solarpark eine Pilotanlage, sagt Olaf Conrad und führt aus: "Wir bauen derzeit unser Team massiv in Richtung Produktion auf. Wir sind mittlerweile zwölf Mitarbeiter und werden bis zum Ende des Jahres unsere erste Produktionsanlage in Betrieb nehmen." In dieser sollten dann die Komponenten in großer Stückzahl gebaut werden. Die Batterie solle so massenmarktfähig werden.

Ob sich die Technik durchsetzt, muss sich natürlich noch zeigen. Olaf Conrad wirbt damit, dass seine Batterie in Serie produziert vergleichsweise günstig sei. Und sie halte viele Jahre durch. Denn das fließende Plastik hat nahezu keinen Memory-Effekt.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 14.03.2017 | 05:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2017, 11:16 Uhr

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1 Kommentar

14.03.2017 08:28 steffen_jg63 1

Hört sich gut an, denn Speichertechnik ist das eigentliche Problem der Energiewende. Alle geschönten Zahlen bei jeder Einweihung eines Windparks sind nur die halbe Wahrheit. Ein solcher kann eben NICHT x Haushalte versorgen, ohne stabil geregeltes Netz und Energiespeicher. Bleibt zu hoffen, dass das Jenaer Projekt eine Lobby bekommt, die herkömmlichen Speicher haben nämlich keine mehr.