Im Leipziger BMW-Werk nehmen neun geflüchtete Männer an einer Ausbildungsinitiative teil. Bei der Arbeit werden sie von Kollegen aus dem Betrieb unterstützt.
Bildrechte: BMW Werk Leipzig

Berufseinstieg für Flüchtlinge bei BMW Leipzig Wie Ali aus Somalia in Deutschland Automechaniker wird

Das Für und Wider in der Flüchtlingsfrage ist ein gesellschaftliches Dauerthema. Für global agierende Unternehmen steht fest: Diversität ist ein Plus. Deshalb startet im BMW-Werk Leipzig eine Ausbildungsinitiative für Geflüchtete. Wir haben die Neulinge im Betrieb besucht.

von Jennifer Stange, MDR INFO

Im Leipziger BMW-Werk nehmen neun geflüchtete Männer an einer Ausbildungsinitiative teil. Bei der Arbeit werden sie von Kollegen aus dem Betrieb unterstützt.
Bildrechte: BMW Werk Leipzig

Hochkonzentrierte Gesichter am Standbohrer. Die jungen Männer im Blaumann sehen nicht mal auf, als eine Handvoll Besucher in die Ausbildungswerkstatt des BMW-Werks in Leipzig kommt. Mit dünnen und dicken Bohrern stechen sie große und kleine Löcher in Metallplatten. "Mein Name ist Ali Muhammed", stellt sich einer der jungen Männer vor. "Ich komme aus Somalia. Seit 18 Monaten bin ich hier in Deutschland. Ich möchte Automechaniker werden." Ali Muhammed kommt aus einer Fischerfamilie. Fischer gibt es in Somalia kaum noch, seit es immer weniger Fische gibt. Man wird eher Pirat oder schließt sich im Schulkind-Alter einer Miliz an.

"Große Motivation, starker Wille, hohe Lernbereitschaft"

Im Leipziger BMW-Werk nehmen neun geflüchtete Männer an einer Ausbildungsinitiative teil. Bei der Arbeit werden sie von Kollegen aus dem Betrieb unterstützt.
Ausbildungsleiter Schaaf (2.v.l.) mit einigen seiner Schützlinge. Bildrechte: BMW Werk Leipzig

Hans-Helmut Schaaf kennt die Geschichten seiner neuen Schützlinge. Nur wer sich so ein Leben vorstellen kann, erklärt der Ausbildungsleiter, könne verstehen, was es für die Geflüchteten bedeutet, jetzt bei BMW am Schraubstock zu stehen und in aller Ruhe die Ecke einer Aluminiumplatte abzufeilen. Schaaf wird beinahe ein bisschen emotional bei dem Gedanken, dann aber wieder ganz sachlich, als er erklärt: "Bezüglich der handwerklichen Fähigkeiten, die man schon jetzt, nach vier Wochen sehen kann, sehe ich da überhaupt keine Probleme. Die Auszubildenden haben eine große Motivation, einen starken Willen und sind bereit, Dinge anzunehmen und zu lernen."

Unterstützung von der Bundesagentur für Arbeit

Auch für die Standortbelegschaft ist die Situation neu. Zum ersten Mal startete Anfang des Jahres das Einstiegsqualifizierungsprogramm für acht junge Flüchtlinge: ein sechsmonatiges Praktikum, das von der Bundesagentur für Arbeit unterstützt wird. "Dann schauen wir einfach: Eignen die sich zum Schlosser, zum Elektroniker oder Mechatroniker? Und so soll am Ende die Ausbildung entsprechend durchgeführt werden", erzählt Ausbildungsleiter Schaaf.

Mentoren helfen bei Alltagsaufgaben jenseits der Arbeit

Doch wer im Juni einen Ausbildungsplatz bekommen will, braucht mehr als handwerkliches Geschick. Deutschunterricht und interkulturelles Training sind ebenfalls Teil des Programms. Freiwillige Mentoren aus der Belegschaft leisten Unterstützung bei ganz alltäglichen Aufgaben. Betriebsrat Gunnar Berger koordiniert die Unterstützung für die Berufsstarter. "Die brauchen ja einen eigenen Wohnraum und der Behörden-Wulst wird dann ja auch nochmal um einiges größer. Da haben sich spontan Kolleginnen und Kollegen angeboten, um auch dabei zu helfen", berichtet er.

BMW will eine bunte Belegschaft

"Willkommenskultur": Vor wenigen Monaten wurde sie noch überall gefeiert, mittlerweile gilt sie als umstritten. BMW will in dieser Debatte ein Zeichen setzen. Humanismus ja, aber Personalchef Dirk Wottgen betont auch, dass BMW die 500 Flüchtlinge, die der Konzern bundesweit in das Berufsvorbereitungsprogramm aufnehmen will, auch braucht. Insbesondere am Standort Leipzig würde bisher etwas fehlen: "Wir wären froh, wenn wir hier noch etwas diverser in der Belegschaft wären. Wir sind ein internationales Unternehmen, das international seine Standorte hat. Da ist das Bewegen in anderen Kulturen, das Interagieren mit Menschen mit einem anderen Hintergrund elementarer Bestandteil."

Ali hat schon ein Lieblingsauto

Was natürlich auch zählt: die Begeisterung für Autos. Ali Muhammed hat einen ganz klaren Favoriten im BMW-Angebot: "Mein Lieblingsauto in der Firma ist i3. Das Auto braucht nicht viel Energie und wirkt sich nicht negativ auf die Umwelt aus." Wenn er Glück hat, darf Ali Muhammed bald selbst an seinem Lieblingsmodell rumschrauben. Der i3 wird nämlich im Leipziger Werk gefertigt.

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2016, 05:00 Uhr