Windräder
Das Großunternehmen UKA soll Pate für 40 Bürgerenergiegesellschaften gestanden haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erneuerbare Energien Großunternehmen profitiert von Bürgerenergie

In vielen Gemeinden kämpfen Bürgerinitiativen gegen neue Windräder. Um die Akzeptanz zu erhöhen, unterstützt der Staat Bürgerenergiegesellschaften. So verdienen Anwohner am Ökostrom mit. Nun hat die Bundesnetzagentur gerade die Zuschläge für neue Windparks erteilt. Und tatsächlich kamen fast nur Bürgerenergiegesellschaften zum Zug. Nach Recherchen von MDR AKTUELL steckt in vielen Fällen aber ein einziges Großunternehmen dahinter.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Windräder
Das Großunternehmen UKA soll Pate für 40 Bürgerenergiegesellschaften gestanden haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Udo Hoffmann ist sauer. Der Bürgermeister von Kölleda hat nichts Grundsätzliches gegen Windkraft. Vierzig Windräder drehen sich schon rund um seine Gemeinde. Doch nun sollen noch einmal bis zu sechs hinzukommen. Die "Umweltgerechte Bürgerenergie Kölleda" will bauen. Das klingt nach Ökostrom und Bürgerwillen.

Doch Bürgermeister Hoffmann kennt die Firma gar nicht: "In Kölleda und in Großenhausen gibt es keinen Bürger, der hinter dieser Bewegung steht. Hinter dieser Bewegung steht unserer Kenntnis nach ein Unternehmen aus Meißen. Das dürfte UKA sein, die seit geraumer Zeit versuchen, hier Windkraftanlagen zu bauen. Und wir jede Gespräche ablehnen."

UKA steht Pate für Bürgerenergiegesellschaften

Die UKA-Gruppe ist der zweitgrößte Windkraftprojektierer in Deutschland. Sie stand bei der Gründung der "Umweltgerechten Bürgerenergie Kölleda" tatsächlich Pate. Und nicht nur dort. Nach Recherchen von MDR AKTUELL hat sie bundesweit 40 Bürgerenergiegesellschaften mitgegründet. Diese haben sich dann bei der Bundesnetzagentur um Zuschläge für Windparks beworben.

Und sie seien damit sehr erfolgreich gewesen, sagt Gerd Lippold von den sächsischen Grünen. 90 Prozent der Zuschläge seien an sogenannte Bürgerenergiegesellschaften gegangen. Hinter etwa zwei Dritteln des Ausschreibungsvolumens stecke aber ein einziger Projektierer.

Und zwar besagte UKA-Gruppe aus Meißen. Dort haben auch alle 40 Bürgerenergiegesellschaften ihren Firmensitz. Ist das wirklich noch die vom Staat gewollte Bürgerenergie? Die UKA äußert sich dazu nur schriftlich: "Wir pflegen einen sehr engen Kontakt zu den Bürgern in den Regionen, wo potenziell Windkrafterzeugung möglich ist. Unter diesen Bürgern gibt es viele, die ein großes Interesse daran haben, an Windenergie zu partizipieren. Ohne einen professionellen Windparkentwickler an der Seite sind diese Bürger allerdings gar nicht in der Lage, Preise zu bieten, die zuschlagswürdig sind."

Zehn Bürger aus der Region müssen sich beteiligen

Laut Gesetz müssen bei einer Bürgerenergiegesellschaft mindestens zehn Bürger aus der Region beteiligt sein. Der Bundesnetzagentur fiel zwar auch auf, dass hinter sehr vielen Anträgen der Windenergie-Ausschreibung die UKA-Gruppe steckt. Die Zuschläge vergab sie trotzdem. Erst jetzt, im Nachgang, will sie prüfen, wie viele Bürger wirklich dabei sind.

Grünen-Politiker Lippold sieht in jedem Fall Gesetzeslücken. Eine große Akteursvielfalt in der Energiewende sei wichtig für die langfristige gesellschaftliche Akzeptanz. Und sie sei wichtig, um einen kostengünstigen Pfad zu beschreiten. Und die große Akteursvielfalt werde eben an dieser Stelle nicht eingehalten, wenn die Rahmenbedingungen es ermöglichten, dass ein großes Unternehmen sozusagen ein Strohmann-Geschäftsmodell mache und ganz viele Bürgerenergieprojekte unter seiner Hand kontrolliere.

Rund 4,3 Cent Förderung je Kilowattstunde Strom erhalten Windenergiefirmen in Zukunft aus der EEG-Umlage. Bürgerenergiegesellschaften dürfen sich mit dem Bau bis zu viereinhalb Jahre Zeit lassen, ohne den Anspruch auf die Förderung zu verlieren. Hat sich die UKA-Gruppe diesen Vorteil zu Unrecht verschafft? Kölledas Bürgermeister Hoffmann sieht das so. Er erwägt sogar, die neuen Windräder per Klage zu verhindern.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 29.08.2017 | 05:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2017, 06:33 Uhr

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5 Kommentare

29.08.2017 18:45 Hannes 5

bürger aus der region ist doch an sich schon ein schwammiger begriff. uka hat sicher bereits pachtverträge mit grundstücksbesitzern in der gemeinde geschlossen, welche dann in der bürgergesellschaft sein können. somit sind ja auch bürger in der region betroffen. ob die grundstücksbesitzer auch dort wohnen, steht auf einem anderen blatt.

29.08.2017 08:57 Frank 4

@egal - der Bürgermeister meint, dass es keine Bürger in der betroffenen Gegend gibt, die sich für die UKA hergeben. Es gibt offenbar da eine breite Ablehnung und deshalb auch keine Gespräche. Wenn es der UKA trotzdem gelungen ist, Ausschreibungen zu gewinnen, dann hat da wohl die Kontrolle versagt.
Bin gespannt, ob das im Nachhinein noch korrigiert wird.

29.08.2017 07:50 egal 3

Doch Bürgermeister Hoffmann kennt die Firma gar nicht: "In Kölleda und in Großenhausen gibt es keinen Bürger, der hinter dieser Bewegung steht. Hinter dieser Bewegung steht unserer Kenntnis nach ein Unternehmen aus Meißen. Das dürfte UKA sein, die seit geraumer Zeit versuchen, hier Windkraftanlagen zu bauen. Und wir jede Gespräche ablehnen."

29.08.2017 07:42 egal 2

Man darf sich schon wundern, wenn sich ein Bürgermeister einerseits beschwert nichts von den gegründeten Bürgerenergiegesellschaften zu wissen und andererseits offen kommuniziert, dass jegliche Gespräche bzgl. Windenergieplanungen abgelehnt werden.

29.08.2017 07:35 optinator 1

Das ist nun mal das Prinzip vom Kapitalismus.

Immer schön in der Schule aufpassen !