Der Informatiker Steffen Späthe von der Friedrich-Schiller-Umiversität Jena am CeBIT-Messestand.
Der Informatiker Steffen Späthe von der Friedrich-Schiller-Uni Jena am Cebit-Messestand. Bildrechte: MDR/Michael Voß

Uni Jena auf der Cebit E-Autos "tanken" in saniertem Sechsgeschosser

Was haben Elektroautos mit der Sanierung eines Sechsgeschossers in Chemnitz zu tun? Ganz viel, wenn es nach den ungewöhnlichen Ideen der Friedrich-Schiller-Universität Jena geht. Sie werden zur Zeit auf der Digital- und Technik-Messe Cebit in Hannover vorgestellt.

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Der Informatiker Steffen Späthe von der Friedrich-Schiller-Umiversität Jena am CeBIT-Messestand.
Der Informatiker Steffen Späthe von der Friedrich-Schiller-Uni Jena am Cebit-Messestand. Bildrechte: MDR/Michael Voß

Gerade hat Steffen Späthe sein Projekt dem Thüringer Wissenschaftsminister vorgestellt, da sind schon die nächsten Besucher da. Der Messestand der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist gut besucht. Es geht um ein Thema, das alle interessiert. Eine typische DDR-Wohnsiedlung, ein Sechsgeschosser in Chemnitz, soll so saniert und umgebaut werden, dass Sonnenenergie für Elektroautos und Wohnungen genutzt werden kann.

Steffen Späthe erklärt: "Es soll eine Photovoltaikanlage auf das Dach kommen. Der dort generierte Strom wird zum einen den Mietern zur Verfügung gestellt. Da sind aber noch rechtliche Fragen zu klären, wie das abgebildet werden kann. Und auf der anderen Seite soll dieser Strom genutzt werden, um Elektrofahrzeuge vor der Haustür zu laden."

Wohin mit der überschüssigen Energie?

Soweit ist das Projekt eigentlich nichts Neues. Doch dem Informatiker Steffen Späthe geht es darum, die Energie sinnvoll rund um die Uhr zu nutzen. Größtes Problem dabei ist: Der Strom der Solarzellen wird dann produziert, wenn die meisten Hausbewohner nicht zu Hause sind, nämlich tagsüber. "Das heißt, wir haben einen Energieüberschuss im Quartier und suchen Plätze, wohin wir diesen Strom bringen. Da können zum Beispiel Elektrofahrzeuge ein entscheidender Faktor sein, um die Energie im Quartier zeitnah zu verbrauchen", so Späthe.

Ein Anziehungspunkt für viele Nutzer

So wird aus dem Informatiker der Uni Jena so etwas wie ein Stadtplaner. Er rechnet auch mit den Personen, die tagsüber in dieses Haus oder die Straße kommen: Handwerker, Hausmeister und Versorgungsbetriebe. Sie sollen ihre Elektroautos hier tagsüber mit Energie auftanken, wenn die Bewohner die öffentlichen Ladestellen nicht nutzen.

Und auch an die Bewohner, die sich vielleicht überhaupt kein teures Elektroauto leisten können, wird gedacht. Späthe sagt: "Wir werden in Kooperation mit der Firma Teilauto ein Carsharing-Modell anbieten und den Mietern so Elektromobilität zum Ausprobieren bereitstellen." So können sich die Bewohner Elektroautos teilen, die nachts aufgeladen werden. Bezahlt wird nur für die Nutzungsdauer des Autos.

Autostellplatz mit Ladestation

Nachts fließt allerdings herkömmlicher Strom durch die Leitungen. Denn das Gebäude ist wie jedes andere ans normale Stromnetz angeschlossen, um im Winter, an wolkigen Tagen oder in der Nacht unterbrechungsfrei weiter Strom zu haben.

Steffen Späthe plant aber weiter. Speichermethoden sollen entwickelt und genutzt werden, um die Sonnenenergie auch nachts zu nutzen. Und die Hausverwaltung fügt noch eine Idee hinzu: Die Parkplätze der Mieter sollen bei Bedarf direkt Ladesäulen bekommen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 21.03.2017 | ab 08:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2017, 08:39 Uhr

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9 Kommentare

23.03.2017 08:17 Ekkehard Kohfeld 9

Wienen / Rheingau 7 Vielleicht die beste Anschaffung seit dem ich Auto fahre.#Was für eine tolle Werbung,aber gut hat mein Nachbar vor einem Jahr auch gesagt,jetzt will er das Fahrzeug aber wieder verkaufen.##Der beste Beitrag zum Umweltschutz ist der Kilometer, den ich NICHT fahre.##Das ist ja richtig nur geht das komplett gegen die tolle Arbeitsmarktpolitik.Sie wissen schon der Arbeitnehmer muss mobiler werden sprich pendeln das versuchen sie mal bei den meisten mit E-Autos.##Und was wohl auch alle vergessen was ist mit den ganzen Ölheizungen???

22.03.2017 23:04 O-Perler (5. V.) 8

@4. (ascanier): Und währenddessen kratzten wir am 27. Januar 2017 knapp an einem Totalcrash vorbei, wenn ich diesen Angaben vertrauen darf ("27. Januar 2017 Eiskalt erwischt"). Ist aber nur alternativ zu erfahren gewesen; ich habe noch nichts davon im Mainstream erfahren können. Stattdessen diese 6-Geschosser-Story...

22.03.2017 21:30 Wienen / Rheingau 7

Seit zwei Monaten fahre ich einen Nissan Leaf. Vielleicht die beste Anschaffung seit dem ich Auto fahre. Davor hatte ich einen Audi A6 mit 2l Dieselmotor. Ich glaubte der Werbung und wurde bitter enttäuscht. Unserer Verkehrsminister sieht heute noch den Diesel als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz sieht. Schade nur, dass Menschen die nie geraucht haben an Lungenkrebs erkranken. Der beste Beitrag zum Umweltschutz ist der Kilometer, den ich NICHT fahre. Wir müssen uns und unser Verhalten ändern, ob mit Elektro-,Wasserstoff-, Brennstoffzellen Verkehrsmittel ist gleich. Wir sind viel zulange mit den "Stinkern" unterwegs. Wir können auch warten, bis es keine deutsche Autoindustrie gibt. Die Welt braucht uns nicht - aber wir brauchen die Welt.

22.03.2017 10:00 Ekkehard Kohfeld 6

Mal ein paar Kosten oder Kostenfragen noch dazu.Ein E- Auto kostet wie viel bei der Anschaffung?Mein Nachbar hat sich voriges Jahr eins angeschafft sucht inzwischen einen Käufer,zu den hohen Anschaffungskosten kommt dann noch 60 Euro Miete im Monat für die Akkus soviel sagt er verfährt er nicht an Sprit im Monat mit seinem Auto o.k. hat nur Kurzstrecke.Und glaubt ihr bei den Preisen bleibt das,der Staat kann doch auf die Mineralölsteuer nicht verzichten da werden noch andere Kosten auf die E-Autofahrer zukommen lasst da erst mal genug von angemeldet sein und die Einnahmen aus der Mineralölsteuer sinken.

22.03.2017 08:51 Ekkehard Kohfeld 5

Das Märchen von E-Auto immer wieder aufs neue.Nur ganz einfache Fragen.Wie tanken die Menschen die
überwiegend in Städten wohnen und da in Wohnblocks ihre E-Autos auf?Schmeißen die alle eine Kabeltrommel aus dem Fenster?Wie kommt die Energie dahin?Das sind ja zu aufladen nicht einfach kleine Handy - Akkus.Wo kommen die ganzen teuren Erden dafür her und wie werden diese giftigen Akkus
nach ihrem Ableben entsorgt?
Womit erzeugen wir die Energie dafür Fossile - Brennstoffe oder doch wieder Atomkraft wie gesagt das sind keine Handy - Akkus.Nur mal so ein paar Fragen dazu und da gibt es noch viele mehr.Die ganze Logistik dazu steckt nicht in den Kinderschuhen die ist schlicht weg nicht vorhanden und das ganze wird wie die Atomkraft eine Sackgasse.

21.03.2017 18:59 ascanier 4

@ 3 "Liege ich falsch, wenn ich davon ausgehe, daß man bei diesem Konzept leicht die ganze Wüste Sahara voller Plattenbauten stellen muß, damit hierzulande die E-Mobilität so richtig vorankommt?"

Nö absolut nicht, aber die Idee ist doch süß, genau wie die Polymerbatterie :D
Jaja, die Jenenser haben schon Spass am Erfinden

http://www.mdr.de/nachrichten/wirtschaft/regional/batterien-fuer-energiewende-100.html

21.03.2017 17:21 Wüste Marzani 3

Liege ich falsch, wenn ich davon ausgehe, daß man bei diesem Konzept leicht die ganze Wüste Sahara voller Plattenbauten stellen muß, damit hierzulande die E-Mobilität so richtig vorankommt?

21.03.2017 11:13 Adam Riese 2

Wo groß ist denn die Dachfläche eines durchschnittlichen Plattenbaus, und wie groß muß denn die Fläche der Solarzellen sein, damit bei mitteleuropäischen Klimaverhältnissen wie sie z.B. jetzt im März herrschen ein Elektroauto 100 km weit fahren kann?

21.03.2017 10:41 Egon Ohlsen 1

Da gibt es mehrere Möglichkeiten, was man mit dem Energieüberschuss anfangen könnte.

Wasserelektrolyse (die Umwandlung von Strom in Wasserstoff), dieser lässt sich lagern und zu Zeiten wenn er gebraucht wird abrufen. In einer Brennstoffzelle kann man den Wasserstoff in Strom und Wärme (Blockkraftwerk / Kraft-Wärme Kopplung) umwandeln und zu jeder Tages und Nachtzeit nutzen.

Einspeisung des Energieüberschuss in die regionalen Netze.
Der Strom der Tagsüber (wenn er in der Wirtschaft benötigt wird) erzeugt wird, könnte in die regionalen Netze eingespeist werden und so Leistungsspitzen abfedern. Am Abend könnte das Haus / die Bewohner Strom aus dem Netz beziehen, was unterm Strich Kostenneutral passieren könnte.
Elektroautos könne ja trotzdem geladen werden. :)

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