Modellautos des 5G Lab der TU Dresden
Diese Modellautos fahren autonom. Das soll in einigen Jahren auch im echten Straßenverkehr möglich sein. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Mobile Daten | 5G Dresdner Forscher tüfteln an neuer Mobilfunkgeneration

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als man mit dem Handy nur telefonieren konnte? Kein Videos angucken, keine E-Mails empfangen. Das war das Mobilfunknetz der ersten Generation. Inzwischen sind wir bei der vierten Generation angekommen. Videos schauen, Bilder versenden – alles kein Problem mehr. Doch längst arbeiten Experten am Nachfolger "5G". Forscher der Universität Dresden sprechen aktuell mit 400 Kollegen aus aller Welt über die Möglichkeiten der fünften Mobilfunkgeneration.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Modellautos des 5G Lab der TU Dresden
Diese Modellautos fahren autonom. Das soll in einigen Jahren auch im echten Straßenverkehr möglich sein. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Manchmal wird Christopher Lehmann zum großen Jungen. Der Dresdner Wissenschaftler startet dann seine Modellautos mitten im Büro. Und über eine Fläche so groß wie zwei Tischtennisplatten sausen bis zu acht Fahrzeuge. "Das Besondere an diesen Fahrzeugen ist, dass sie sich nicht nur selbständig auf der Strecke halten, wie es bei der üblichen Carrera-Rennbahn ist, sondern diese Autos kommunizieren miteinander. Jedes Auto kennt die Position der anderen Autos und kann sich dahingehend abstimmen mit den anderen Autos", so Lehmann.

Christopher Lehmann, Wissenschaftler am 5G Lab der TU Dresden
Darf auf der Arbeit mit Modellautos spielen: Christopher Lehmann Wissenschaftlervon der TU Dresden. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Der Wissenschaftler simuliert an der Universität Dresden autonomes Fahren. Denn in vielleicht 15 Jahren, so die Vision der Forscher hier, werden Autos nicht nur über Sensoren ihre Umgebung beobachten, sondern die Informationen auch untereinander austauschen. Möglich machen soll das die fünfte Generation des Mobilfunknetzes, kurz 5G.

Auch Ampeln sollen darin eingebunden werden. Lehmann sagt: "Man muss sich vorstellen, die Autos melden sich im Vorfeld bei der Ampel an und die Ampel hat den ganzheitlichen Blick über alle Zufahrtsstraßen. Wenn die Ampel dann weiß, aus der einen Richtung kommen zehn Autos und aus der anderen nur drei Autos, können die Grünphasen entsprechend dynamisch angepasst werden, damit ich unterm Strich die Autos effizienter über die Kreuzung bekomme."

Zehn Gigabit pro Sekunde

Insgesamt forschen in Dresden 22 Professoren und mehr als 300 Nachwuchswissenschaftler an den Möglichkeiten des neuen Netzes. Sie haben sich im sogenannten 5G Lab zusammengeschlossen. Koordinator Rico Radeke sagt, mit dem neuen Mobilfunk könne man natürlich auch  klassisch telefonieren und ins Internet gehen: "5G soll hundert Mal schneller sein bezogen auf die Datenrate. Das heißt, im Moment haben wir 100 Megabit pro Sekunde, manchmal auch schon ein bisschen mehr. Und wir wollen in Zukunft die zehn Gigabit pro Sekunde für jeden einzelnen Nutzer in der Zelle ermöglichen."

Rico Radeke, Koordinator des 5G Lab der TU Dresden.
Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Doch noch wichtiger ist, das neue Netz erlaubt ultrakurze Reaktionszeiten. Zwischen einer Anfrage und der Antwort soll nur eine Tausendstelsekunde vergehen. Ein Beispiel: Fahren vernetzte Autos über eine Kreuzung und ein Kind rennt auf die Fahrbahn, dann bremst das erste Fahrzeug nicht nur, sondern es sendet an die Nachfolgenden in Sekundenbruchteilen ein Signal.

Rico Radeke sagt, das 5G-Netz mache sicheres autonomes Fahren erst möglich. Und es könne noch viel mehr: "Wir wissen, dass die Industrie hinter uns steht. Die sagen, wenn ihr das mit dem 5G schafft, dann haben wir sofort einen Anwendungsfall da. Wir können dann mit Robotern in die Produktion gehen, die von Menschen in Echtzeit gesteuert werden. Wir haben Möglichkeiten in der Telechirurgie, in der Baubranche. Also es gibt viele Anwendungen, die alle danach schreien, dass möglichst schnell 5G kommt."

Versteigerung neuer Funklizenzen

In drei Jahren, sagt Radeke, werde die fünfte Mobilfunkgeneration marktreif sein. Dann müssen Funklizenzen versteigert und Sendemasten gebaut werden. Die Bundesregierung will das 5G Netz bis 2025 einführen. Sie verspricht, es soll diesmal schneller gehen als beim Ausbau des Internets über Kabel.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.09.2017 | 07:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2017, 08:29 Uhr

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2 Kommentare

19.09.2017 23:17 Elke 2

Studien haben gezeigt, dass Mikrowellen, wie sie im Mobilfunk genutzt werden, gesundheitsschädigend sind. Kann es sein, dass die Menschheit durch die immer mehr verwendeten Mikrowellen in allen Lebensbereichen im "Elektrosmog" untergeht?

19.09.2017 13:16 Realist 1

Fortschritt ist ja eine schöne Sache. Aber sollte man vielleicht erst einmal da Funkmasten setzen, wo sie fehlen. Es gibt noch genug ländliche Gegenden und bewldete gegenden, wo WLan-Empfang Wunschdenken und ein vernüftiges Handynetz ein Traum ist. Hierbei betrifft es nicht nur einen Anbieter. Es sind sehr oft fast alle Netze. Hier hilft auch kein schickes Glasfaserkabel, denn die Bevölkerungsdicht ist nicht so hoch, wie in der Stadt. Das Problem ist noch so verbreitet, daß man es bei allen Zukunftsvisionen nicht aus den Augen verlieren sollte.