Das erste E-Taxi in NRW wird am Donnerstag (29.09.2011) in Hagen vorgestellt. Der Stromanbieter Mark-E stellte der Taxigenossenschaft in Hagen das Elektro-Taxi zur Verfügung.
Dieses Bild eines Elektro-Taxis, das geladen wird, ist in Mitteldeutschland selten. Elektrotaxis sind teuer und werden nicht gefördert. Bildrechte: dpa

Keine Förderung in Mitteldeutschland Elektro-Taxis rechnen sich nicht

Die Bundesregierung will die Elektromobilität fördern. Ihrer Meinung nach gehört dem Elektroauto gerade im Stadtverkehr die Zukunft. Doch bisher fahren ausgerechnet Taxis so gut wie nie elektrisch. Warum eigentlich nicht?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Das erste E-Taxi in NRW wird am Donnerstag (29.09.2011) in Hagen vorgestellt. Der Stromanbieter Mark-E stellte der Taxigenossenschaft in Hagen das Elektro-Taxi zur Verfügung.
Dieses Bild eines Elektro-Taxis, das geladen wird, ist in Mitteldeutschland selten. Elektrotaxis sind teuer und werden nicht gefördert. Bildrechte: dpa

Der Wille ist da. Doch es fehlt das perfekte Auto. Hans Jürgen Zetzsche würde gern ein Elektro-Taxi in seine Flotte aufnehmen. Der Chef der Leipziger Funktaxizentrale 4884 hat diverse Modelle ausprobiert. Darunter war laut Zetzsche auch der i3 aus dem BMW-Werk Leipzig: "Der i3 hat durch seine Türkonstruktion den Nachteil, dass er für das Taxi nicht geeignet ist. Auch das Platzangebot ist nicht gut. Wenn sie drei Fahrgäste mitnehmen, bekommen sie kaum noch Gepäck für diese drei Fahrgäste mit."

Es mangelt an Platz und Reichweite

Noch problematischer sei bei den meisten Elektroautos aber die mangelnde Reichweite, ergänzt Zetsche. Der Laie staunt. So ein Taxi steht doch viel rum, kann seine Akkus dann nachladen. Doch so einfach ist das nicht, sagt Thomas Grätz, Geschäftsführer beim Deutschen Taxi- und Mietwagenverband: "Stellen Sie sich vor: Ein Taxifahrer hat eine gute Schicht und fährt mit dem Auto zurück. Dann drückt er seinem Kollegen, der übernimmt, die Autoschlüssel in die Hand. Dabei muss er ihm sagen, dass er nur noch für 20 Kilometer Strom drin hat. Das geht nicht."

In einer guten Schicht fährt ein Taxi schon mal 250 Kilometer. Das schafft kaum ein Elektroauto. Die Lösung wären Akkus zum Wechseln oder einen Tesla kaufen. Die Elektro-Limousine kommt sehr weit, ist aber teuer. Der Münchner Taxiunternehmer Peter Köhl hat trotzdem zugegriffen: "Jeder, der da drinsitzt und mitfährt, erlebt sein blaues Wunder. Jeder findet es klasse und toll. Das ist eigentlich das, was man erreichen möchte. Man vermittelt nicht den Charme einer umgebauten Joghurtbüchse. Sondern man vermittelt: Wow, das ist toll."

Elektro-Taxis werden nicht gefördert

Köhl hat zwei weitere Tesla-Fahrzeuge nachbestellt. Doch diese bekommen nun keine Taxi-Lizenz mehr. Die Bundesregierung hat im November das Eichrecht geändert. Seitdem können Autos, die vom Hersteller nicht ausdrücklich als Taxi gebaut wurden, nicht mehr zum Taxi umgerüstet werden. Dazu Köhl: "Warum das so ist? Hintergrund war wohl, irgendwelche Manipulationen zu unterbinden. Es ging um die Umwandlungssignale zwischen Taxameter-Signalen und Hersteller-Signalen. Das ist der Tod der Elektromobilität im Taxi-Bereich."

Künftig Förderung von Elektro-Taxis in München

Von den großen Herstellern bieten nur zwei offiziell Elektro-Taxis an: Mercedes und Nissan. Die Modelle kosten deutlich mehr als vergleichbare Typen mit Verbrennungsmotor. Wie soll das gehen, wenn der Taxitarif doch immer gleich ist, fragt Verbandschef Grätz: "Das ist natürlich eine Belastung, die der Unternehmer nicht tragen kann. Die rechnen Spitz auf Knopf. Deshalb müsste eigentlich die Lösung so aussehen, dass aus den vielen Fördertöpfen für Elektromobilität auch mal an Taxifahrzeuge gedacht wird."

München fördert Elektro-Taxis in Zukunft mit bis zu 20 Cent je Kilometer. In Mitteldeutschland gibt es solche Pläne nicht. Hier fehlt es auch an Ladeinfrastruktur. Zwar findet man inzwischen viele Schnellladesäulen, aber nicht direkt an einem Taxistand.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 27.03.2017 | 05:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2017, 07:00 Uhr

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3 Kommentare

27.03.2017 00:53 frank r. 3

Sicher würde sich jeder so einen Luxus leisten, der Umwelt zu liebe. Aber den Menschen zu erklären, das man sich auch verschulden müßte, der Umwelt zu liebe, funktioniert nicht mehr. Hätte man daran gedacht, der Mehrheit mehr Geld zu lassen, wäre es heute einfacher Produkte zu vermarkten.

27.03.2017 18:49 ascanier 2

zu 1. Bitte mal selber im Netz nach diesem Fahrzeug suchen. Kein Händler-oder Servicenetz. Keine Finanzierungsangebote oder Leasing. Technischer Stand, Mitte der Achtziger. Und die 400km gibt der Hersteller an. Was davon zu halten ist wissen wir. Was nutzt eine schöne Tour von Leipzig nach Berlin, wenn auf der Rückfahrt 2 Stunden Laden in Dessau fällig werden?

27.03.2017 13:08 1Hi 1

Was die Förderung betrifft: Stimmt!
Was das Angebot betrifft: Stiim nicht ganz - Fenecon bietet z.B. den als E-Taxi bewährten BYD E6 an - 400km Reichweite.