Gebäude von X-Fab in Erfurt.
Große Premiere für das Erfurter Unternehmen X-Fab: Der Chiphersteller geht an die Börse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erster Handelstag Erfurter Chiphersteller geht an die Börse

Um ostdeutsche Firmen geht es an der Börse eher selten, denn nur wenige von ihnen sind börsennotiert. In diesem Frühjahr betreten gleich zwei ostdeutsche Unternehmen Börsenparkett. Vorige Woche wurden die Aktien des Weimarer Industriedienstleisters Ibu-Tec erstmals gehandelt. Am Donnerstag ist erster Handelstag für die Aktien der Erfurter Chipherstellers X-Fab. Allerdings geht das Unternehmen nicht in Frankfurt an die Börse, sondern in Paris.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Gebäude von X-Fab in Erfurt.
Große Premiere für das Erfurter Unternehmen X-Fab: Der Chiphersteller geht an die Börse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Chips von X-Fab Erfurt findet man fast überall. Sie stecken in Autos, medizinischen Geräten und auch im Smartphone, sagt Produktionsleiter Manfred Riemer: "Kein Smartphone in dieser Welt existiert ohne Schaltkreise, die die X-Fab-Gruppe herstellt", so Riemer. Zum Beispiel Bewegungssensoren: "Jeder weiß, wenn das Smartphone gedreht wird, dass sich auch der Bildschirm mit dreht. Solche Gyroskope werden bei X-Fab hergestellt."

Börsengang in Paris

Am Donnerstag nun geht der Erfurter Chiphersteller an die Börse – allerdings nicht in Frankfurt, sondern in Paris. Die Firmenchefs haben sich die Euronext als Partnerbörse ausgesucht. Reint Gropp findet das wenig überraschend. Der Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle sagt, ein Hochtechnologieunternehmen brauche einen Börsenplatz mit Analysten, die sich in der Branche bestens auskennen: "Sie brauchen große Investoren, die bereit sind, in so eine risikoreiche Firma zu investieren. Und die existieren in Frankfurt eher weniger als in Paris oder in Amsterdam." Das, so Gropp, sei eine besorgniserregende Entwicklung:

Wir hätten gerne, dass diese Unternehmen auch in Frankfurt an die Börse gehen. Aber im Moment fehlt da so ein bisschen die Infrastruktur.

Reint Gropp, Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle

Ein komplizierter Markt

Der Börsengang von X-Fab ist für Ostdeutschland etwas Besonderes, aber auch für die gesamte Chipindustrie. Zum letzten Mal wagte sich vor elf Jahren ein deutscher Chiphersteller an die Börse: Qimonda. Das Unternehmen ging pleite. Der Markt ist immer noch kompliziert. Das liegt vor allem daran, dass in Asien Chipfabriken mit gigantischer staatlicher Förderung gebaut werden, sagt Professor Thomas Mikolajick von der TU Dresden.

Das, was in Asien passiert, in der Art und Weise, ist in Europa und in Deutschland nicht vorstellbar.

Prof. Thomas Mikolajick, TU Dresden

Man sehe aber auf EU- und Bundesebene, dass durchaus versucht werde, gegenzusteuern, so Mikolajick. Es seien gute Ansätze da, Bestehendes zu erhalten.

Wachstum von zehn Prozent

Inzwischen gibt es auch hierzulande ordentlich Fördergelder. Beim Überleben hilft es den deutschen Chipfabriken zudem, dass sie viele Spezialprodukte herstellen – so auch X-Fab. Das Erfurter Unternehmen wird mit dem Börsengang rund 250 Millionen Euro einnehmen.

Produktionsleiter Riemer sagt, das Geld werde ins Wachstum gesteckt: "Wir denken, dass wir jetzt Jahr für Jahr ein Wachstum von zehn Prozent erreichen können." In den nächsten drei Jahren müsse man über 300 Millionen Euro in die Erweiterung der Fertigungskapazitäten beziehungsweise in das Aufrechterhalten der Fertigungsfähigkeiten an den Firmenstandorten investieren.

Außer in Erfurt und Dresden hat X-Fab auch Fabriken in Frankreich, Malaysia und in den USA. Von den ostdeutschen Mitarbeitern der ersten Stunde hätte sich vermutlich keiner einen Börsengang zu erträumen gewagt. Denn hervorgegangen ist X-Fab aus einem Kombinat der DDR. Konkret: Aus dem VEB Mikroelektronik Karl Marx.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 06.04.2017 | 06:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. April 2017, 05:02 Uhr

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