Am Containerhafen in Duisburg werden am Donnerstag 2012 Container verladen.
Mitteldeutschland erlebt ein Exporthoch. Bildrechte: dpa

Exporthoch Mitteldeutsche Wirtschaft exportiert trotz internationaler Krisen

Sie gelten als die drei Alpträume der deutschen Wirtschaft: Brexit, Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan. Vor allem als US-Präsident Trump gewählt wurde, fürchteten viele, das sei schlecht fürs Geschäft. Denn Trump will seine Wirtschaft mit Zöllen vor deutschen Waren schützen. Doch zur Überraschung vieler boomt das Exportgeschäft. Auch mitteldeutsche Firmen hält derzeit fast nichts auf.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Am Containerhafen in Duisburg werden am Donnerstag 2012 Container verladen.
Mitteldeutschland erlebt ein Exporthoch. Bildrechte: dpa

Jörg Hensel liefert Hörgeräte in 60 Länder. Der Chef von Audifon in Kölleda hat sogar Kunden in Syrien, sein schwierigster Markt. Doch auch die USA beschäftigen ihn – allerdings nicht so sehr wegen Donald Trump. "Dort ist zum Beispiel im Gespräch, Hörgeräte für geringe Schwerhörigkeit auch schon im Supermarkt erhältlich zu machen. Das wird natürlich einen gewissen Einfluss auf unser Geschäft und den Markt als solchen haben. Das muss man beobachten und sich entsprechende Strategien überlegen."

Langfristiger Konjunkturaufschwung erwartet

Doch fernab dieser kleinen Herausforderung entwickelt sich das Exportgeschäft prächtig. Die Thüringer Unternehmen haben laut Statistischem Bundesamt im ersten Halbjahr 10 Prozent mehr Waren ins Ausland verkauft als im Vorjahreszeitraum. Die Ausfuhren aus Sachsen stiegen sogar um 14 Prozent, die aus Sachsen-Anhalt um sechs Prozent.

Es läuft einfach, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen und Anlagenbau in Ostdeutschland. "Im zweiten Quartal diesen Jahres konnten wir an die Erfolge im ersten Quartal anschließen." Sein Verband gehe davon aus, dass das erste Anzeichen für einen längerfristigen Konjunktur-Aufschwung seien. "Vorausgesetzt, die Eckdaten und das ganze Umfeld stimmen."

Abschwung in Großbritannien, Aufschwung in den USA

Der Witz ist: Das Umfeld stimmt eigentlich nicht. Großbritannien stolpert dem Brexit entgegen, das Pfund schwächelt. Trotzdem kaufen auch die Briten immer mehr deutsche Waren, sagt Thomas Hofmann, der Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig:

Es ist eigentlich kaum zu erklären. Man sagt ja immer: Starker Euro, wenig Export. Das ist in dem Fall nicht so. Es gibt eine gute Konjunktur.

Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer IHK Leipzig

Insbesondere in Großbritannien würden viele Investitionen vorgezogen werden. "Und der private Konsum hat sicher aufgrund von Ängsten, was in Großbritannien kommen wird, deutlich zugenommen", sagt Hofmann. Die Frage ist: Bleibt das so?

Wirtschaftsforscher sehen die Briten vor einem Abschwung. In den USA geht es dagegen aufwärts. Dort hat allerdings Donald Trump seine America-first-Politik nie aufgegeben. Seine Drohung, deutsche Waren mit Strafzöllen zu belegen, steht weiter im Raum.

Nicht zu sehr von Trump verängstigen lassen

Reinhard Pätz ist dennoch optimistisch: "Ich glaube, er hat auch viele andere Probleme." Außerdem würden die USA bei der "industriellen Ausrüstung bei weitem nicht das Niveau erreichen, was wir in Deutschland oder Europa haben. Das heißt, sie sind auf Maschinen aus dem Ausland angewiesen."

Außerdem, sagt Pätz, träfen Zölle ja immer auch die eigenen Leute. Denn sie machen ausländische Waren teurer. Höhere Preise aber dürften die Popularität des US-Präsidenten schmälern. Und die ist Trump, so die Hoffnung der Wirtschaft, am Ende wahrscheinlich wichtiger als die Einlösung eines Wahlversprechens.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 28.09.2017 | 05:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 09:44 Uhr

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5 Kommentare

28.09.2017 10:31 Werner 5

Die aktuelle Offenheit der Medien beeindruckt. Beim MDR läuft es schon länger etwas anders, als Woanders. ARD Panorma zeigte gestern abend am Beispiel Stuttgart mit Interviews, wie es insgesamt mit Bildung Schulen, Polizei, Behörden, Steuerfahndern, Staatsanwälten, Richtern aussieht. Nach Aussagen im Beitrag zum Teil katastrophal, um den Begriff "Beschissen" nicht zu benutzen - aber im wahrsten Sinne des Wortes: die Wähler wurden "" usw.. Über Jahre wurde gespart und abgebaut. Überall. Die fehlen jetzt in Größenordnungen, was man kaum in kurzer Zeit beheben kann. Fahrlässig? Absicht? Warum kamen solche Fakten nicht vor der BT-Wahl? Es hätte die Prozente deutlich beeinflusst. Bei den Einen mehr und bei den Anderen weniger. Die Medien machen sich wieder mal als mutmaßliche Kumpane der Politik unglaubwürdig. Mit solchen Beiträgen entsteht sogar der Nachweis. Wie es die Medien auch machen, ist es JETZT falsch, da zu lange ihrer eigentlichen Aufgabe als "Controller" nicht nachgekommen.

28.09.2017 09:59 Werner 4

Hätte es gerne etwas differenzierter. Welcher Typ Waren geht in welcher Höhe mit %-Steigerung oder Verringerung wohin etc.. Mit den Hörgeräten nach Syrien hab ich kein Problem. Eher mit Waffen in Kriegsgebiete, falls vorhanden (eh verboten, aber offensichtlich dem AM und der AM egal). Oder mit Lebensmitteln nach Afrika - bei durch die EU gesicherter "Zollfreiheit". Da sind die nächsten Flüchtlinge schon wieder vorprogrammiert, aber Hauptsache "die Geschäfte" laufen super... und die nächsten "hervorragenden Geschäfte" MIT den Flüchtlingen sind ebenfalls "gesichert". Selbstverständlich auf Steuerzahlerkosten. Damit ist wiederum gesichert, dass die Rente mit vorprogrammierter Altersarmut, Pflege... Infrastruktur.. Bildung so bleiben, wie sie sind. Freche Antwort: wegen dem "Guten Weg" und so... Es kommt noch ein Nachtrag.

28.09.2017 09:45 steffen_jg63 3

Ein Abbild dessen, was viele meinen: demokratische Entscheidungen wie Brexit, Trump oder AfD-Einzug werden vorsorglich mit wirtschaftlichen Problemen verknüpft und was passiert? Nichts. Etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Mehrheitsentscheidungen stände vielen gut zu Gesicht.

28.09.2017 08:53 Flassbeeee 2

Dieser Artikel ist ein einziger Kauderwelsch. Worum geht es. Was sind die Ursachen. Alles in kürzester Zeit durcheinander geschwurbelt.
In Deutschland alles supi oder was?

28.09.2017 08:26 Ekkehard Kohfeld 1

" Aufschwung in den USA"Ach nee ich dachte
Trump würden sein Land zerstören haben die Medien und unser Superexperten hier in den Foren immer geweissagt.
"Langfristiger Konjunkturaufschwung erwartet"
Ach und siehe da ich dachte die AFD hätte alle Kunden vertrieben?