Ein VW Beetle Cabrio steht neben zwei Transportern des Carsharing-Anbieters Teilauto.
Carsharing-Auto mieten, ins Büro fahren, abstellen - und fertig. Das One-Way-Modell könnte auch in Leipzig bald wahr werden. Bildrechte: dpa

Modellprojekt Leipzig plant flexibles Carsharing

Autofahrer bewegen ihr Kfz im Schnitt weniger als eine Stunde am Tag. Den Rest der Zeit steht es rum. Warum also nicht ein Auto teilen? Carsharing-Anbieter setzen genau da an. Meist wird der Wagen an einer festgelegten Station abgeholt und auch dahin zurückgebracht. In Großstädten wie Berlin oder Hamburg geht es aber auch anders: Der Fahrer kann das Auto irgendwo im Geschäftsbereich des Anbieters abstellen. Flexibles Carsharing oder Free Floating nennt sich das. Leipzig will nun auch mitmachen.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Ein VW Beetle Cabrio steht neben zwei Transportern des Carsharing-Anbieters Teilauto.
Carsharing-Auto mieten, ins Büro fahren, abstellen - und fertig. Das One-Way-Modell könnte auch in Leipzig bald wahr werden. Bildrechte: dpa

Ein kurzer Blick auf die App: Wo steht das nächste freie Auto? Den Wagen übers Handy öffnen, einsteigen, zum Supermarkt oder auf Arbeit fahren und das Auto dort irgendwo in einer Parklücke wieder abstellen. Flexibles Carsharing, auch Free Floating genannt, klingt komfortabel. Es werde in Berlin, Hamburg, München oder dem Rheingebiet schon gut angenommen, erklärt Gunnar Nehrke, Sprecher des Bundesverbands Carsharing: "Wir sehen, dass das Free Floating Carsharing, das es seit 2009 gibt, dynamischer wächst und schneller Kunden akquiriert. Leute benutzen das auch als Taxiersatz, weil man damit "One Way" fahren kann. Die Zusatzleistung führt dazu, dass sich mehr Leute dafür interessieren."

Leipzig offen für neue Carsharing-Idee

Dem Verband zufolge nutzen aktuell mehr als 1,2 Millionen Deutsche das flexible Carsharing. 2013 waren es erst knapp 200.000. Auch Leipzig plant nun ein solches Modellprojekt. Fünf Jahre sind dafür angedacht, 750 Gemeinschaftsfahrzeuge eingeplant. 2018 soll es losgehen. Der Stadtrat muss die Idee von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau noch absegnen. Bislang bietet das mitteldeutsche Unternehmen "teilAuto" stationsbasiertes Carsharing in Leipzig an. Das heißt, das Auto wird an einer der 150 Stationen im Stadtgebiet ausgeliehen und dorthin wieder zurückgebracht.

Ob "teilAuto" irgendwann auch auf flexibles Carsharing setzt? Sprecherin Franziska Wilhelm will sich so früh noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: "Momentan gibt es noch keine finale Ausschreibung. Es gibt eine Beschlussvorlage, die muss noch durch den Stadtrat. Wenn es die dann gibt, werden wir sie natürlich prüfen, auch von "teilAuto" aus."

Unternehmen begrüßen die Entscheidung

Das wesentlich größere Unternehmen "Car2go" bietet flexibles Carsharing bereits in sechs großen deutschen Städten an. Dass Leipzig nun auch die Voraussetzungen dafür schaffen möchte, begrüße man, schreibt "Car2go" auf Anfrage von MDR AKTUELL. Man wolle den Beschluss prüfen. Auch der Anbieter "DriveNow" findet den Vorstoß gut. Sprecher Niklas Merk sagt: "Wir haben uns bisher auf größere Städte konzentriert, weil hier notwendige Rahmenbedingungen eher gegeben sind, beispielsweise die Einwohnerzahl, die Einwohnerdichte, das bestehende ÖPNV-Netz. Und grundsätzlich ist unter gewissen Umständen auch denkbar, Free Floating auch in kleineren Städten anzubieten."

Kleiner Städte nicht so lukrativ

Wohlgemerkt: grundsätzlich. Der Aufwand eines reinen Free Floating-Betriebes sei höher, gibt Gunnar Nehrke vom Branchenverband zu bedenken, weil die Autos sich weiter verteilten und teilweise von Mitarbeitern umgeparkt werden müssten. In Städten unter 500.000 Einwohnern lohne sich der Betrieb deshalb nicht. Das heißt: Leipzig und Dresden könnten für die Free Floating-Anbieter eventuell interessant werden. Die kleineren mitteldeutschen Städte wie Magdeburg, Erfurt oder Chemnitz womöglich erstmal nicht.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 15.09.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2017, 05:28 Uhr

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