Besucher der Jena-Optronik GmbH halten einen Sternsensor zur Lageregelung von Satelliten vom Typ Astro APS in den Händen
Ein Besuch der Jena-Optronik GmBH - die Region Jena gehört laut Studie zu den Globalisierungsgewinnern. Bildrechte: dpa

Studie der Uni Düsseldorf Jena und Zwickau - Globalisierungsgewinner Ost

Welche Folgen hat die Globalisierung für die Wirtschaft und die Regionen in Deutschland? Das Institute for Competition Economics der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat die Entwicklung über Jahre verfolgt. Erstmals gibt es nun Daten für Ostdeutschland, die dem MDR exklusiv vorliegen.

Besucher der Jena-Optronik GmbH halten einen Sternsensor zur Lageregelung von Satelliten vom Typ Astro APS in den Händen
Ein Besuch der Jena-Optronik GmBH - die Region Jena gehört laut Studie zu den Globalisierungsgewinnern. Bildrechte: dpa

Die Regionen Jena und Zwickau zählen zu den Globalisierungsgewinnern in Ostdeutschland. Das geht aus einer Studie des Institute for Competition Economics an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hervor, die dem MDR exklusiv vorliegt.

Optik, Autobau und Logistik florieren

Die Stadt Jena in Thüringen profitiert demnach bei Handel und Beschäftigung von ihrer wissens- und forschungsintensiven optischen Industrie. Den Erfolg des sächsischen Zwickau führen die Forscher auf die starke Präsenz der Automobilindustrie zurück.  

Weitere Globalisierungsgewinner sind der Studie zufolge der Spreewald, das Eichsfeld und einige weitere Kreise in Thüringen. Im Spreewald stecken nach Angaben des Forscherteams Logistik- und Verkehrsbranchen hinter dem relativ guten Wachstum. Das Eichsfeld weise eine gute Beschäftigungsentwicklung bei Bauinstallationen, im Stahl- und Leichtbau sowie bei Schlachthöfen auf.

Chemiedreieck auf der Verliererseite

Verlierer sind laut der Studie unter anderem das Chemiedreieck, also Regionen um Anhalt-Bitterfeld und Halle, den Saalekreis ebenso wie die Lausitzer Braunkohleregionen oder die Uckermark.

Größere Städte wie Dresden oder Leipzig aber auch Eisenach zählen die Autoren nicht zu den Profiteuren der Globalisierung, sondern sehen sie trotz Industriestandorten eher als "allgemeine Gewinner". Ihr Erfolg beruhe vor allem auf Faktoren wie dem Ausbau moderner Dienstleistungen, der Unternehmensberatung und des Gesundheitswesens mit vielen hochqualifizierten Beschäftigen.

Westen ist viermal stärker

Aufgrund der Wiedervereinigung und der damit verbundenen Deindustrialisierung sind die Globalisierungsfolgen in West und Ost nicht eins zu eins vergleichbar. Die Autoren der Studie um Jens Südekum betonen, dass Handel und Beschäftigung in Ostdeutschland insgesamt wesentlich weniger vom Importdruck aus China und Osteuropa betroffen sind als der höher industrialisierte Westen.

"So sind unsere Maße für Handelsbetroffenheit im Westen im Durchschnitt etwa viermal höher als im Osten", erläutert Südekum. Die Unterscheidung der ostdeutschen Regionen sei relativ zum Ost-Schnitt zu verstehen. Bitterfeld ist somit innerhalb Ostdeutschlands ein Globalisierungsverlierer. Doch absolut gesehen werde die Region viel schwächer vom wirtschaftlichen Aufstieg Chinas beeinflusst als etwa das Ruhrgebiet oder die Pfalz.

Deutschlandweit führen der Studie zufolge südliche Regionen die Liste der Gewinner an. Andererseits sind auch Gebiete in NRW, der Pfalz und Oberfranken Verlierer des Preiskampfes. Im Allgemeinen habe die Bundesrepublik und auch Ostdeutschland jedoch stark von der Globalisierung profitiert - vor allem am Arbeitsmarkt.

Globalisierungverlierer folgen den Populisten

Südekum und sein Team machen bei ihrer Studie den Erfolg von Regionen an der Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes und des Außenhandels fest. Dabei versuchen sie zugleich, Schlüsse auf das Wählerverhalten bei jüngsten und anstehenden Wahlen zu  ziehen.

Aus Sicht der Forscher gibt es weltweit ein Muster, warum die Briten für den Brexit gestimmt und Donald Trump die US-Präsidentenwahl gewonnen hat. Jeweils seien die Globalisierungsverlierer außerhalb der urbanen Zentren den Populisten gefolgt.

Die Wissenschaftler sehen Hinweise, dass sich dieser Trend auch bei der französischen Präsidentenwahl im Frühjahr in Frankreich und bei der Bundestagswahl im Herbst fortsetzen könnte. Allerdings konzentriere sich die Debatte in Deutschland eher auf das Thema Migration und weniger auf Kritik an der globalisierten Wirtschaft.

Globalisierungsfolgen für Ostdeutschland
Die Globalisierungsfolgen in Ostdeutschland (blau=Gewinnerregionen, rot=Verlierer) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 22.01.2017 | 06:00 Uhr
Fernsehen | 22.01.2017 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2017, 11:58 Uhr

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15 Kommentare

22.01.2017 21:03 Einer der keine Ahnung vom Geld hat 15

Vorab: Habe so manchmal das Gefühl, dass einige Kommentatoren den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen und nur warten, bis ein Thema auftaucht, bei dem sie ihren Kommentar loswerden können.
Ansonsten empfehle ich Kurse bei der Volkshochschule zum Thema Volks- und Betriebswirtschaft. Etwas schwieriger, aber sehr erkenntnisbereichernd, ist das Studium von: "Das Kapital". Autor Karl Marx. Bevor hier einige rufen Kommunist, erstmal lesen. Danach wird man das Wesen dieses Wirtschaftssystems verstehen. Egal, ob man es befürwortet oder ablehnt. Manchmal hat Politik nicht immer den entscheidenden Einfluss.!
Bei manchen Kommentaren sage ich nur: "Zu kurz gesprungen - und ins Wasser gefallen!" Ironie muss sein!!!!!!!

22.01.2017 19:07 HERBERT WALLASCH, Pirna 14

Wenn man durch politische Entscheidungen ganz unten ist, da gibt es nur die Aufgabe oder eventuelle Verbesserungen, die statistisch dann intensiv aufgeblasen werden. Hier entscheidet sicherlich wie üblich, wer die Sudie bestellt hat oder wer die Stiftung betreibt. Langfristigkeit ist Illusion, kurzfristische Erfolge sind von Politik und Wirtschaft gewollt, überhaupt im Wahljahr.

22.01.2017 18:14 Mo 13

Weimar = Jena?! Hihi!

22.01.2017 17:46 gerd 12

Und genau wegen dieser Unterschiede in der Entwicklung von Regionen und vor allem Stadt und Land gibt es diesen Trumpismus .Ich beschreibs mal einfach in der Stadt sitzten die Eliten die neben guten Jobs und Verdienst meinen alles richtig zu sagen und zu tun,Diese Elite schaut mit einer Arroganz auf die Proleten herab welche sich im
Umland billigen Wohnraum und Nahrung vom Discounter zufrieden geben muessen diese Ueberheblichkeit Materialistisch und Moralisch
bringt Leute wie Trump ,Le Pen und AFD an die Macht ,Sollte das Wachstum in DE einmal vorbei sein und wir von unseren Reserven leben muessen
dann Gnade auch diesen Eliten der Liebe Gott.

22.01.2017 17:44 So geht rot-rot-grünes Thüringisch 11

Und weil Thüringen zu den Gewinner zählt, wurde ja auch rot-rot-grün gewählt....

22.01.2017 16:35 Schließt Euch wieder ein im nahen Osten 10

Wer nicht im globalen Maßstab denken will oder kann, und wer nichtdeutsche Menschen in seiner Umgebung nicht duldet, darf sich nicht wundern, wenn die
Entwicklung an ihm vorbeigeht
und er bald zu den "Abgehaengten" gehört.
Fuer Folgen selbstverschuldeter
Isolation werden dann die boesen Ausländer verantwortlich gemacht.

22.01.2017 16:08 Joachim Dierks 9

@8 Peter Riesler: Ganz so, wie sie es beschreiben, ist es nicht. Chinas Währung wurde sicherlich jahrelang künstlich niedrig gehalten um chinesische Exporte zu begünstigen. Von einem Handelskrieg kann allerdings keine Rede sein. Der könnte jetzt kommen, wenn Trump meint, er könne das Rad der Geschichte zurückdrehen und China (wie auch immer) wirtschaftlich angreifen.

@Guter Schwabe: Ja, darum geht es nun mal in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Effizienz und günstige Produktionskosten, das sind Standortvorteile, die Wirtschaftsunternehmen nun mal anziehen! Übrigens sind auch in Deutschland viele Arbeitsplätze dank der so genannten Globalisierung entstanden, manche Maschinenbau-Unternehmen kamen zeitweise mit dem Produzieren gar nicht hinterher.

22.01.2017 15:19 Peter R. 8

@Joachim Dierks Isolationismus ist noch so ein albernes Wort. Isolationismus betreibt Nord Korea und kaum sonst ein Land. China greift seit Jahren die USA in einem Handelskrieg massiv an. Kopplung der eigenen Währung an den Dollar, künstlicher Verteurung seltener Erden usw. Die letzten zwei US Administrationen haben das einfach hingenommen. Das ist für große Schäden in der US Wirtschaft und dem Schließen vieler Produktionsstandorte verantwortlich. Trump wird sein Land und damit seine Bürger dagegen aktiv verteidigen. Das sollte eigentlich Aufgabe einer jeden Regierung sein. Mit "Isolationismus" hat das nicht einmal im Ansatz etwas zu tun. "Freien Handel" gab es übrigens noch nie irgendwo aber am Nähesten dran ist immer noch die USA am Weitesten davon entfernt in der westlichen Welt sind wir.

22.01.2017 14:29 Guter Schwabe 7

@8 Joachim Dierks: Zitat …Gucken Sie sich einfach Jena, Eisenach, Leipzig etc. mal an, dann sehen sie, in diesen Städten blüht das Leben, dem Großteil der Menschen dort geht es einfach nur gut!!!
Damit haben Sie Recht, das Leben im Osten ist EINFACH und NUR GUT.
Immer nach dem Motto, Leben und Leben lassen.
Was sagen Sie zu den täglichen Kosten der Menschen, welche dort wohnen? Besonders die Rentner und sozial Schwachen, welche von einer Mindestrente / -lohn die Globalisierung bezahlen müssen. Das Ergebnis der Globalisierung heißt doch nichts anderes, dass immer einer in der Welt billiger produziert. Der Konsument schaut doch dann als erstes auf den Preis, was kann ich mir leisten und was nicht. Wie wäre es mal mit, Deutsche kaufen deutsche Ware? Ach ja, geht ja nicht mehr, da viele deutsche Firmen nur noch Billig im Ausland produzieren und unsere Agrarproduktion zu großen Teilen, verheizt oder in Biogasanlagen verstromt wird.

22.01.2017 12:31 Joachim Dierks 6

@2: Falsch, auch kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von der so genannten Globalisierung. Letztendlich ist egal wie man es nennt, Fakt ist, wenn der freie Handel florierte, ging es der Welt immer besser, als wenn der Isolationismus regierte (wie jetzt von Trump und Co. propagiert).
Gucken Sie sich einfach Jena, Eisenach, Leipzig etc. mal an, dann sehen sie, in diesen Städten blüht das Leben, dem Großteil der Menschen dort geht es einfach nur gut!!!