Mitteldeutscher Verkehrsverbund Zwangsticket für alle kommt nicht

Der öffentliche Nahverkehr ist ein Verlustgeschäft. Mit einem Bürgerticket für alle wollte der MDV der Geldnot und den jährlich steigenden Ticketpreisen entgehen. Der Plan war umstritten. Jetzt ist er offenbar vom Tisch.

Im Großraum Leipzig/Halle wird es offenbar kein Zwangsticket geben. MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", die Kommunen hätten dem Konzept eines Bürgertickets für alle eine Absage erteilt.

Mit einem für alle Einwohner verpflichtenden Ticket wollte der Mitteldeutsche Verkehrsverbund zusätzliches Geld für den Nahverkehr einnehmen. Dadurch sollten die Bus- und Bahntickets nicht weiter ungebremst steigen. Bisher erhöht der MDV seine Tarife jährlich zum 1. August. Erst vor wenigen Tagen verteuerten sich die Tickets in Leipzig und Halle um 3,5 Prozent. In kleineren Städten und auf dem Land betrug der Aufschlag zwei Prozent.

"Die Zeit dafür ist nicht reif"

Der Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV), Steffen Lehmann
Kam mit seinem Plan nicht durch: MDV-Chef Steffen Lehmann Bildrechte: dpa

Der MDV sucht seit Jahren nach zusätzlichen Finanzquellen. Im vergangenen Jahre hatte der Verbund den Kommunen sechs Gutachtervorschläge vorgelegt. Einer davon war das Bürgerticket für alle, egal ob man den Nahverkehr nutzt oder nicht. Das war auch der bevorzugte Plan von MDV-Chef Lehmann, der erstmals 2014 öffentlich vorgestellt worden war. Angedacht war, dass alle Einwohner im MDV-Gebiet einen monatlichen Obolus zwischen 24 und 32 Euro leisten. Im Gegenzug hätten alle uneingeschränkt Busse und Bahnen nutzen dürfen.

Ein anderer Vorschlag war eine Abgabe für Arbeitgeber, noch ein anderer eine verpflichtende Abgabe für Touristen. Lehmann zufolge werden auch diese Vorschläge nicht weiter verfolgt, weil dafür die Rechtsgrundlage fehlt. Die Zeit dafür sei noch nicht reif. Der Plan, den jährlichen Fahrpreis-Anstieg zumindest zu bremsen, ist damit gescheitert.

Pro Bahn und Kommunen dagegen

Die Idee einer Zwangsabgabe stieß in der Öffentlichkeit auf wenig Gegenliebe. Der Fahrgastverband Pro Bahn sprach von "massivem Unfug". Auch die Kommunen äußerten sich skeptisch bis ablehnend.

Dem Verbund gehören Leipzig und der Kreis Leipzig, Halle und der Saalekreis, der Burgenlandkreis, das Altenburger Land und der Kreis Nordsachsen an. Der Nahverkehr ist ein Zuschussgeschäft, die Einnahmen aus dem Ticketverkauf decken die Kosten nicht.

Nahverkehr bleibt Zuschussgeschäft

Der Betrieb der Busse und Bahnen kostet jährlich rund 530 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Einnahmen von 200 Millionen Euro. Den Rest steuern Länder und Kommunen bei. Aufgrund steigender Kosten für Personal und Energie rechnet der MDV mit knapp 646 Millionen Euro Betriebskosten im Jahr 2020. 2025 könnten es sogar 749 Millionen Euro sein.

MDV-Chef Lehmann kündigt deshalb weitere Fahrpreiserhöhungen an. Wenn das Fahrtenangebot nicht eingeschränkt werden solle und die öffentliche Hand kein weiteres Geld zur Verfügung stelle, müssten die Preise weiter jährlich zwischen drei und fünf Prozent steigen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 20.08.2017 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2017, 09:51 Uhr

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33 Kommentare

23.08.2017 09:39 Stefan 33

Meiner Meinung nach kann dieses Konzept nicht funktionieren, wenn man es nur für einzelne Städte oder Region einführt. Viel sinnvoller wäre es ein solches "Bürgerticket" bundesweit, mit Nutzung von Bus, ICE, Regio usw. einzuführen. Nach meiner Rechnung würden das 200-300€ im Jahr sein, für jeden ab 18 Jahren (Einnahmen für Investitionen mit einbegriffen). Für Touristen könnte man eine Abgabe ähnlich der Kurtaxe einführen, die in der Unterkunft zu entrichten ist und an den Staat abgeführt wird. Jeder, der in erster Linie das Auto nutzt, kann ja selbst mal den Taschenrechner zur Hand nehmen und schauen wieviel er vllt jetzt schon für Tickets bezahlt und sich die Frage stellen, ob er Bahn und Co. mit einem "Bürgerticket" nicht öfter nutzen würde.

23.08.2017 08:42 Ullrich 32

@Hallenser
Wo der Preis bei einem (Pflicht) Ticket für alle hingehen kann sehen sie aber am Semester Ticket! Und Schwarz fahren wär dann auch kein Thema mehr!
Wenn wir ÖPNV als sogenannte Daseinsvorsorge ansehen, was in meinen Augen der richtige Ansatz ist, müssen auch alle dafür bezahlen.

22.08.2017 17:51 Hallenser 31

Ohne verbilligte Semestertickets für Studenten und mit konsequenten Kontrollen von in- und ausländischen Schwarzfahrern würden die Preise nicht jährlich steigen! Ein Student bezahlt pro Semster 115,-€ für sein Semsterticket. Ich bezahle als Normalbürger pro Jahr 580,-€! Was soll diese Ungerechtigkeit? Jeder erwachsene Nutzer von HAVAG und MDV hat endlich den selben Preis zu zahlen!!!!

22.08.2017 15:26 Ullrich 30

@Barbara
Bei mir gilt zwar auch oft -
Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten! -
Aber bei ihnen braucht man echt sekundäre Literatur um ihre verhetzenden Beiträge zu verstehen.
Bringen Sie Beispiele - geht folgendermaßen:
Ort (Gemeinde) Datum Quelle
Ist also ganz einfach! Fakt ist auch, dass in (fast) allen Gemeinden der ÖPNV zu bezahlen ist. Das gilt auch für sozial schwache und somit auch für Flüchtling. Da letztere Gruppe ungeplant hinzu gekommen ist werden die Einnahmen erhöht.

22.08.2017 12:50 Barbara 29

@ 2 4 die fahren nicht nur kostenlos Bus sondern die fahren für tausende an Geld unser Geld, auch umsonst mit dem Taxi zum Arzt und Behörde, was stimmt. MDR bitte nunmehr den Kommentar veröffentlichen alle anderen zwei hatten Sie auch nicht veröffentlicht, warum nicht, es sind doch wahrheiten , warum ´werden die dann nicht veröffentlicht , nicht in Ordnung !!!!!!!!!!!

21.08.2017 21:44 Untermensch aus Dunkeldeutschland 28

Herr Lehmann sollte mal einen Sparbeitrag leisten und sich mit einer angemessenen Bezahlung begnügen. Macht bestimmt Millionen pro Jahr frei. Hoffentlich bleiben dann die Straßenbahnen leer, damit der MDV mal Lehre annimmt.

21.08.2017 19:25 NRW-Wessi 27

Das wurde auch hier in einer mittleren NRW-Stadt diskutiert und ist vom Tisch. Mit meiner Energie, die ich von den Stadtwerken als gleichzeitigen ÖPNV-Betreiber beziehe, subventioniere ich auch den ÖPNV, den ich selber nicht nutze.
Käme dieses Zwangsticket, würde ich die Kosten sofort durch einen günstigeren Energieanbieter kompensieren.

21.08.2017 18:35 Leser 26

Wenn man den ganzen Tag, vor Langeweile bei seiner Arbeitsstelle nicht weiß was man machen soll, dann kommt man auf solche Ideen. Eigentlich gehört dieser Lehmann verurteilt.

21.08.2017 18:03 Ullrich 25

@Paula
Für was wird das Geld ausgegeben?
Steht unter anderem im Artikel 330 Millionen im Jahr für den MDV.
Strassen, Kitas, Schulen, Uni und und und...

21.08.2017 17:54 Ullrich 24

@Jochen
Sie belegen jetzt noch in welchen Städten Flüchtlinge kostenlos mit dem ÖPNV fahren - oder behaupten sie das einfach mal? Ich wäre da an ihrer Stelle vorsichtig.