Metallteil der Firma Trumpf aus Neukirch
Klare Kante: Die Firma Trumpf in Neukirch schneidet Metall mit Laser. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Sachsen Erfolgreicher Metallbauer aus der Provinz

Ein Unternehmen, das international angesehen ist, vermutet man eher an den Hotspots dieser Welt. Doch die Firma Trumpf stellt ihre Produkte in der Provinz her, genauer in der Gemeinde Neukirch in der Lausitz. Von dort kommen Maschinen zur Metallbearbeitung. Jetzt wird die Firma erweitert.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Metallteil der Firma Trumpf aus Neukirch
Klare Kante: Die Firma Trumpf in Neukirch schneidet Metall mit Laser. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Ein Laser schneidet Muster in ein Blech. Funken sprühen. Harry Thonig sieht fasziniert dabei zu. Seit 2010 leitet er die Geschäfte von Trumpf in Neukirch. Seine Firma baut Maschinen, die auf der ganzen Welt Metalle schneiden. Thonig sagt: "Das ist die weltweit schnellste Maschine, die es hier gibt." In allen Achsen habe sie Linearantriebe. Sie sei in Neukirch entwickelt worden. "Es gibt sie auch als Zweikopfmaschine. Oder hier mit nachgetakteter Pallette, dass man Teile bis zu 16 Meter Länge schneiden kann."

Harry Thonig, Geschäftsführer der Firma Trumpf aus Neukirch
Harry Thonig ist Geschäftsführer der Firma Trumpf aus Neukirch. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Das Werk in Neukirch wird am Nachmittag offiziell erweitert. Denn auch in der Metallbearbeitung werden immer mehr Arbeitsschritte automatisiert. Damit die Maschinen Bleche nicht nur schneiden, sondern auch aufnehmen und stapeln können, brauchen Thonig und seine 400 Angestellten mehr Platz. "Wir haben die Fläche erweitert, weil die Stückzahlen weltweit steigen." Zum anderen habe sich das Prinzip der Automatisierung geändert, die auch mehr Fläche benötige und das schon in der Montage.

Weltmarktführer aus der Lausitz

Trumpf ist mit seinen Laser-Schneidemaschinen Weltmarktführer. Dabei sitzt die Produktion in der Provinz. Neukirch ist eine Gemeinde in der Lausitz. Mario Ohoven findet die Lage aber gar nicht so ungewöhnlich. Er ist Präsident des Bundesverbandes der Mittelständischen Wirtschaft und kennt die Zahlen. Ohoven sagt:

Zwei von drei Mittelständlern haben ihren Firmensitz auf dem flachen Land, also in der völlig zu Unrecht belächelten Provinz. Das gilt auch zum Teil für hunderte von Hidden Champions, das heißt Weltmarktführern, für ganz bestimmte Produkte.

Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes der Mittelständischen Wirtschaft

Die Firmenzentrale von Trumpf liegt im baden-württembergischen Ditzingen. Die Zusammenarbeit mit den Maschinenbauern in Neukirch begann 1987. Denn der DDR fehlte es an Lasern, sie kaufte bei Trumpf. SED-Chef Erich Honecker besuchte damals sogar den Messestand der Firma und sagte: "Das bedeutet etwas für Sie und bedeutet etwas für uns, ja. Und es hilft auch mit, die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen."

Potenzielle Arbeitskräfte

Harry Thonig war damals noch einfacher Werkzeugmacher in Neukirch. Inzwischen ist es für den Chef eine Herausforderung, gutes Personal zu finden – gerade weil die Firma in einer eher kleinen Gemeinde sitzt. Thonig arbeitet deshalb schon eng mit Kindergärten der Region zusammen. Er hat unterschiedliche Projekte, erzählt er: "Einmal haben wir Entwürfe gemacht, die haben was gezeichnet. Und diese Zeichnungen haben wir eingescannt, dann aus Metall ausgeschnitten. Danach hatte jeder seine Zeichnung als Kleiderhaken. Oder andere Sachen, die Kinder eben interessieren."

Abstraktes Thema Maschinenbau

Ob die Kinder dann tatsächlich bei Trumpf anfangen, zeigt sich frühestens in zehn Jahren. Thonig weiß, dass es schwierig ist, das abstrakte Thema Maschinenbau zu vermitteln. Dabei finden sich die Bleche, die seine Laser geschnitten haben, in vielen Produkten wieder – in der Kaffeemaschine ebenso wie im Lkw.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 21.03.2017 | ab 06:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2017, 15:35 Uhr

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