Meissener Porzellan
Die Staatliche Meissner Porzellanmanufaktur arbeitet mit hitzebeständigen Aufglasur-Farben, die Cadmium und Blei enthalten können. Sie sorgen dafür, dass beispielsweise Gelb-Rot oder Purpur besonders strahlen. Bildrechte: dpa

Wegen bleihaltiger Farben EU-Richtlinie bedroht Meissner Porzellan

Blei und Cadmium sorgen für strahlende Farben auf Porzellan. Doch Teller können damit Giftstoffe abgeben. Die EU-Kommission will die Bleiwerte senken. Damit stünden Teile der Meissner Porzellanmanufaktur vor dem Aus.

Meissener Porzellan
Die Staatliche Meissner Porzellanmanufaktur arbeitet mit hitzebeständigen Aufglasur-Farben, die Cadmium und Blei enthalten können. Sie sorgen dafür, dass beispielsweise Gelb-Rot oder Purpur besonders strahlen. Bildrechte: dpa

Die geplante Verschärfung der Grenzwerte für Cadmium und Blei in der sogenannten EU-Keramikrichtlinie droht deutsche Porzellan-Manufakturen in ernsthafte Schwierigkeiten zu stürzen. Die Brüsseler Generaldirektion Gesundheit will die Richtlinie aus dem Jahr 1984 überarbeiten und den Wert für Blei auf ein Vierhundertstel der bisherigen Obergrenze reduzieren. Derzeit liegt er bei vier Milligramm pro Liter.

Bis wann die neue Richtlinie vorgelegt wird, ist unklar. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte auf Anfrage von MDR AKTUELL, man führe derzeit noch mit allen beteiligten Seiten Gespräche. Die Neuregelung solle helfen, die beiden Schwermetalle für den Verbraucher zu reduzieren.

Blei und Cadmium sorgen für strahlende Farben

Problematisch wären die neuen Grenzwerte vor allem für Manufakturen, in denen Motive und Verzierungen per Hand auf Teller, Tassen und Schüsseln aufgetragen werden. Dazu zählen die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen, die Königlichen Manufakturen Nymphenburg sowie KPM in Berlin.

Die Porzellanmaler dieser Unternehmen arbeiten mit hitzebeständigen Aufglasur-Farben, die Cadmium und Blei enthalten können. Sie sorgen dafür, dass beispielsweise Gelb-Rot oder Purpur besonders strahlen. Wegen der Blei- und Cadmium-Anteile der Farben können die Teller aber auch Giftstoffe abgeben, besonders, wenn das Essen viel Säure enthält.

Aufglasur-Malerei bedroht

Eine Verschärfung der EU-Keramikrichtlinie würde nach Angaben der Porzellan-Manufaktur Meissen zwar nicht die gesamte Manufaktur in Bedrängnis bringen. "Allerdings wäre das das Aus für den gesamten Bereich der Aufglasur-Malerei im Bereich Tisch und Tafel", sagte Unternehmenssprecherin Sandra Jäschke MDR AKTUELL.

Welchen Anteil die Aufglasur-Malerei am Gesamtgeschäft der Meissner Porzellanmanufaktur hat, lässt sich nach Angaben Jäschkes nicht beziffern. Sie sieht aber auf jeden Fall ein Stück Kulturgut bedroht, falls dieser Bereich ganz wegfallen sollte. Eine über 300 Jahre alte Tradition würde damit verschwinden. Das sei nicht mit Geld aufzuwiegen, sagte Jäschke.

Auch wie hoch die Bleiwerte beim Meissner Porzellan derzeit sind, konnte Jäschke ad hoc nicht sagen. Man halte sich aber an die gültigen Grenzwerte. Wenn die Manufaktur ganz darauf verzichten würde und bleifreie Materialien verwenden würde, würden sich auch die Farben des Meissner Porzellans verändern, so Jäschke.

Meissner Porzellan Die in Meißen entwickelte Handmalerei mit Pinsel und Feder auf Hartporzellanen ist auf Farben angewiesen, die Bleioxide enthalten. Sie werden seit jeher im eigenen Labor hergestellt und sind für unterschiedliche Malstile geeignet. Bleifreie Farben erzeugen laut Unternehmen hingegen nicht die Farbbrillanz, die das besondere Alleinstellungsmerkmal des hauseigenen Porzellan sei. Der Konzern versichert, Blei werde von den Tellern nur freigesetzt, wenn über einen sehr langen Zeitraum sehr saure Speisen darauf aufbewahrt würden.

Warnhinweise als Alternative

Die Meissner Porzellanmanufaktur hofft, dass sich noch eine Lösung mit der EU-Kommission finden lässt. Sie hat, so Jäschke, bereits mit Hilfe des Verbandes der Keramischen Industrie bei der EU-Kommission interveniert. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich habe sich in Brüssel für eine Ausnahmeklausel für die Staatliche Meissner Porzellanmanufaktur stark gemacht.

Eine mögliche Alternative sieht Jäschke in Warnhinweisen auf dem Porzellan. Diese gebe es bereits in Kalifornien, da auch in den USA die Bleiwerte stark eingeschränkt würden. Mit Hilfe der Warnhinweise könne der Verbraucher selbst entscheiden, ob er das Produkt wolle oder nicht.

Von der EU-Kommission hieß es auf Anfrage, man sei sich der Bedenken kleinerer und traditioneller Keramikunternehmen bewusst und berate sich mit ihnen.

Problem seit längerem bekannt

Dass die Grenzwerte für Blei und Cadmium bei Porzellanfarben gesenkt werden sollen, ist seit längerem bekannt. Die Initiative zur Änderung der Keramikrichtlinie von 1984 geht auf das Jahr 2016 zurück. Am Sonnabend hatte zunächst das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über das Problem berichtet.

Porzellanmanufaktur Meissen Johann Friedrich Böttger gelang 1708 die Herstellung des ersten europäischen Hartporzellans. Eigentlich hatte Kurfürst August der Starke den Alchimisten gefangen gehalten, um ihn Gold herstellen zu lassen. Dass es am Ende "weißes Gold" wurde, geriet für Sachsen zum Glücksfall. Am 6. Juni 1710 wurde auf der Albrechtsburg in Meißen die erste Porzellanmanufaktur Europas eingerichtet. Seit 1722 sind die gekreuzten blauen Schwerter das Markenzeichen des Porzellans aus Meißen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.08.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 11:58 Uhr

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44 Kommentare

17.08.2017 17:33 Olaf D 44

Deutschland sollte zu der Europäischen Regulierwut endlich mal Nein sagen,natürlich ist Blei hochgiftig.der wer ist schon Teller und Tassen.deshalb wäre für mich schon ein Warnhinweis beiligend in Papier ausreichend für eventuelle Käufer.es reicht wenn die Geradheit der Gurken reglementiert wird.

16.08.2017 09:48 Stefan Thumm 43

Lösungsansatz:
Es gibt seit 2015 in der EU-Gesetzgebung einen REACH ANNEX XVII, Entry 63 zur sog. Bleilässigkeit bezüglich Gebrauchsgegenständen, die von Kindern in dem Mund genommen werden können. Die noch fehlende Prüfmethode dazu ist gerade in Erprobung.
Diese EU-Gesetzgebung hat weiterhin für sehr reichlich Verwirrung gesorgt da Angelblei, Bleiartikel zum Bleigießen an Neujahr, etc. auch verboten wären.
Die schwedische Chemikalienbehörde KEMI hat im Auftrag der EU-Kom 2016 eine Guideline verfasst, was nach ihrer Meinung nach in den Geltungsbereich der Verordnung fällt oder nicht.
Diese Guideline ist im Hinblick auf die Erhaltung der Arbeitsplätze in Meißen lesenswert.
Ausnahmen die KEMI definiert hat sind u.a. Artikel aus Bleikristallglas !
Außerdem sind noch mehr EU-Bleigrenzwerte etc. aktuell in Vorbereitung (z.B CMR-Stoffverfahren Art 68/2 ) und es besteht ggf. Gefahr einer Mehrfachregulierung von Blei in einem Bereich durch überschneidende Gesetzgebung.

15.08.2017 11:49 karstde 42

@ Bleifreies Deutschland 40: "Das Hauptproblem bei Blei ist, dass es selbst in niedrigsten Konzentrationen im Microgrammbereich erhebliche IQ-Minderungen bei Kleinkindern verursacht."
Jetzt habe ich endlich eine Erklärung, warum ein großer Teil des Volkes Ballaballa ist. Die wenigen normalen wie Sie, haben nur vom Campinggeschirr gegessen und getrunken.

15.08.2017 11:42 karstde 41

@ Bleifreies Deutschland 40: Aber Lampen mit Quecksilber verkaufen.

14.08.2017 23:11 Bleifreies Deutschland 40

Die massive Absenkung der Grenzwerte für Blei-und Casmiumlässigkeit von Keramikgeachirr ist absolut richtig und überfällig. Das deutsche Bundesamt für Risikobewrrtung hat diesen Schritt seit 2005 gefordert, lange haben ausländische Lobbys dies auf EU-Ebene verhindert.
Das Hauptproblem bei Blei ist, dass es selbst in niedrigsten Konzentrationen im Microgrammbereich erhebliche IQ-Minderungen bei Kleinkindern verursacht. Nun werden die Wenigsten ihre Kinder aus Meißner-Porzellan trinken lassen. Ich rate aber allen Freunden unserer Familie seit Jahren, auf bleifreies Essgeschirr zu achten. Ikea ist nachweislich clean. Auch gut: Villeroy &
Boch

14.08.2017 13:52 Sclaumeier 39

Blei im Zahn = Amalgam

13.08.2017 22:11 Karl L. 38

Dazu fällt mir spontan nur ein (leider nicht von mir) : In Brüssel wird's erdacht, in Deutschland wird's gemacht und in Italien wird gelacht.

13.08.2017 17:56 Paule 37

Man muss ca. 200 Teller fressen um sich vernünftig zu vergiften...
Kann nicht irgendjemand Grenzwerte für Brüsseler Schwachsinn festlegen, dann könnte der Laden endlich dicht gemacht werden.

13.08.2017 15:29 Wo geht es hin? 36

@Normalo - Zitat von Ihnen: "Gut Brüssel, diesmal hast du richtig reagiert." Zitat Ende. Nein, hat es nicht! Ne Frage: besitzen Sie solches Porzellan? Nein? Ich auch nicht! Fehlt uns beiden wahrscheinlich das nötige "Kleingeld". Und selbst wenn wir es hätten und uns so etwas kaufen könnten - dann mit Messer und Gabel darauf herumkratzen? Ich würde mich an dem wirklich sehr schönen Anblick erfreuen mit einem Ehrenplatz in der Vitrine. Und gut wär`s. Und zum allergrößten Teil wird es auch genau so verwendet und nur ein klitzekleiner Teil wird dieses Porzellan auch beim Essen verwenden. Und auch ganz bestimmt nicht täglich. Also wird von Brüssel aus wieder mal mit Kanonen auf Spatzen geschossen! Wenn das der starke August wüsste....

13.08.2017 14:50 Frank 35

@ 33. Kenne die vollmundigen Ankündigungen des Herrn Dulig aus eigenem Erleben aus einer seiner Wahlkampfveranstaltungen. Was daraus wurde ist als Rohrkrepierer noch mild umschrieben.
Aber vielleicht hat unser "Forums-Peter" eine Antwort darauf. Der kennt sich bei der SPD ja bestens aus, wie wir aus seinen Beiträgen tagtäglich entnehmen können.