Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (l) spricht am Montag (27.08.2007) auf einer Pressekonferenz zum Verkauf der Sachsen LB an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in der Staatskanzlei in Dresden, rechts sitzt Finanzminister Horst Metz (beide CDU).
Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Georg Milbradt (links) und sein damaliger Finanzminister Horst Metz erklären der Öffentlichkeit am 27.08.2007 den Verkauf der Sachsen LB. Später treten beide Politiker auf Druck der Öffentlichkeit von ihren Ämtern zurück. Eine Schuld räumten sie nie ein. Bildrechte: dpa

Vor genau zehn Jahren Der Notverkauf der Sachsen LB

Vor genau zehn Jahren wurde die Sachsen LB an die baden-württembergische Landesbank notverkauft. Die Folgen beschäftigten Politik, Justiz und Öffentlichkeit über Jahre. Bis heute kostete die Banken-Pleite die sächsischen Steuerzahler 1,5 Milliarden Euro. Die Verantwortung hat nie jemand übernommen.

von Johannes Schiller, MDR AKTUELL

Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (l) spricht am Montag (27.08.2007) auf einer Pressekonferenz zum Verkauf der Sachsen LB an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in der Staatskanzlei in Dresden, rechts sitzt Finanzminister Horst Metz (beide CDU).
Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Georg Milbradt (links) und sein damaliger Finanzminister Horst Metz erklären der Öffentlichkeit am 27.08.2007 den Verkauf der Sachsen LB. Später treten beide Politiker auf Druck der Öffentlichkeit von ihren Ämtern zurück. Eine Schuld räumten sie nie ein. Bildrechte: dpa

August 2007, die weltweite Finanzkrise gewinnt an Fahrt und die Sachsen LB steht vor dem Ruin. Über eine irische Tochter hat sie Immobilien-Kredite in den USA gekauft. Dann platzt die milliardenschwere Finanzierung. Es wird eng für die Bank. Notkredite, hastige Verkaufsverhandlungen.

Am 26. August schließlich gibt es einen Ausweg. Die Landesbank Baden-Württemberg übernimmt die Sachsen LB. Und Ministerpräsident Georg Milbradt von der CDU kann durchatmen: "Es ist uns gelungen, die Bank aus stürmischer See in einen sicheren Hafen zu geleiten. Alles andere hätte unabsehbare Folgen, Konsequenzen und Verluste bedeutet. Arbeitsplätze und vor allem Geld."

Drastischer Stellenabbau

Milbradt jedenfalls ist seinen Arbeitsplatz bald los. Im Frühjahr 2008 tritt er als sächsischer Ministerpräsident zurück. Sein Finanzminister Horst Metz ist da schon seit Monaten nicht mehr im Amt. Auch bei der Bank werden Stellen abgebaut. Von in Hochzeiten 600 Beschäftigten auf heute etwa 120.

Für den Preis von gut 300 Millionen Euro geht die Sachsen LB an die Landesbank Baden-Württemberg. Allerdings übernehmen die Stuttgarter viele Risiken und Lasten. Und auch der Freistaat Sachsen springt ein: Mit einer Bürgschaft von bis zu 2,75 Milliarden Euro.

Günther Oettinger
Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger ist heute Haushaltskommissar der EU. Bildrechte: dpa

Als dieser Deal geschlossen ist, blickt der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger nach vorne: "Die Landesbank Baden-Württemberg ist die größte, die stärkste und die leistungsfähigste Landesbank überhaupt. Wer, wenn nicht wir? Wir glauben, dass in den nächsten Jahren große Chancen für die Landesbank Baden-Württemberg aber auch für Sachsen entstehen können."

Zu den Ursprüngen

Antje Hermenau
Inzwischen aus der aktiven Politik ausgeschieden: Antje Hermenau von den Grünen. Bildrechte: MDR/Ine Dipmmann

Mit dem neuen Partner aus Stuttgart und unter neuem Namen Sachsen Bank findet das Institut zurück zu den eigentlichen Wurzeln: Kredite für die mittelständische Wirtschaft. Denn in den Jahren zuvor hatte die Sachsen LB eine ganz andere Strategie verfolgt. Den Großteil ihrer Geschäfte machte sie da nicht in der sächsischen Heimat, sondern im Ausland.

In manchen Jahren verdienten Bank und Freistaat gut daran. Aber das konnte auf Dauer nicht gut gehen, meint Antje Hermenau, damals Landtagsabgeordnete von Bündis 90/Die Grünen: "Die sächsische Landesbank war von vornherein zu klein. Die haben sich überhoben. Die hatte ein geringes Eigenkapital." Und weiter:

Man kann sich das bildlich vielleicht so vorstellen, dass eine kleine Nuss-Schale, ein Ruderboot rausfährt und denkt, es kann auf den Weltmeeren steuern, wenn Sturm aufkommt. Und da haben wir jetzt erfahren, dass das nicht geht!

Antje Hermenau, Bündis 90/Die Grünen

Wer trägt die Verantwortung für die Beinahe-Pleite der Sachsen LB? Mehrere Gerichtsprozesse gegen führende Banker laufen ins Leere. Verurteilt wird keiner von ihnen. Bis heute zahlt Sachsen und damit der Steuerzahler: Bislang 1,5 Milliarden Euro. Bis zu 2,75 Milliarden könnten es insgesamt werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 26.08.2017 | 10:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. August 2017, 12:48 Uhr

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3 Kommentare

27.08.2017 21:12 martin 3

Was macht Herr Mibradt jetzt und wer entlohnt Ihn?

27.08.2017 14:44 Ullrich 2

Das die Landesbank gerettet werden musste entspricht unserem “tollen“ Einlagen Sicherungssytems. Am Ende zahlt für dieses System nämlich der Steuerzahler und nicht wie von der EU vorgeschlagen die Banken. Warum Eigentümer der LB sind das entsprechende Land und die Sparkassen. Da beides letztendlich in öffentlicher Hand ist haftet somit zwingend das Volk gemeinschaftlich. Klasse Konstrukt ob ich mit diesem Banken/Sparkassen zu tun habe - egal ich hafte immer. Denkt mal darüber nach!

26.08.2017 13:20 jochen 1

Bereits vor 10 Jahren ist "fleißig "gerettet worden. Damals war die Merkel schon an der Macht. Es passt alles zusammen.

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