Trabant P 601 Limousine blau
Der meistgebaute Trabi: Der Trabant P 601, hier in der Variante Limousine blau. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau

Trabi-Jubiläum Ostdeutschland profitiert bis heute von DDR-Autobau

Mehr als 25 Jahre nach Ende der Trabi-Produktion profitiert der Osten noch immer vom Autowerken in der DDR. Denn wegen des gut ausgebildeten Personals siedelten sich gleich nach der Wende mehrere große Autobauer in Sachsen und Thüringen an. Bis heute hängen viele Jobs von der Autoindustrie ab.

Trabant P 601 Limousine blau
Der meistgebaute Trabi: Der Trabant P 601, hier in der Variante Limousine blau. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau

Auch mehr als zwei Jahrzehnte nach Ende von Trabant und Wartburg profitiert die Wirtschaft im Osten vom Know-How aus der DDR-Autoproduktion. Autobauer wie VW hätten sich nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern angesiedelt, weil es dort dank der DDR-Autotradition ausgebildete Fachkräfte gab, sagte Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des Ifo-Instituts in Dresden. "Das Personal war das entscheidende Argument."

Nach dem Ende der DDR begann VW in Zwickau und in Chemnitz zu produzieren. Hier wurde noch bis 1991 der Trabant gebaut. Opel fertigte ab 1990 Autos in Eisenach, wo zuvor die zweite große DDR-Automarke, der Wartburg, ihr Werk hatte.

"Basierend auf diesen Werken hat sich in Ostdeutschland ein riesiges Zulieferernetz entwickelt", sagte Ragnitz. Die Automobilbranche gehöre in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt heute zu den bedeutendsten Industriebranchen.

Werke von VW, Opel, BMW und Porsche

VW hat neben dem Werk in Zwickau auch in Chemnitz und Dresden Standorte. Anfang der 2000er Jahre haben sich zudem auch BMW und Porsche in Leipzig mit eigenen Werken angesiedelt.

Nach Informationen der Bundesagentur für Arbeit hängt etwa in Sachsen an jedem Arbeitsplatz in Autowerken mehr als ein weiterer in Zulieferbetrieben. Wie viele Menschen in der Branche insgesamt beschäftigt sind, wird jedoch nicht statistisch erhoben.

Am Dienstag jährt sich der Start der Trabi-Produktion zum 60. Mal. Der erste Trabant ging am 7. November 1957 in Zwickau vom Band. Bis 1991 wurden insgesamt gut 3 Millionen Stück produziert. Im April 1991 wurde die Herstellung beendet - vor allem wegen fehlender Nachfrage.

Trabi-Jubiläum 60 Jahre Trabi in Bildern

Junger Mann und ein Trabi
Der erste Trabant P50 lief am 7.11.1957 in Zwickau vom Band. Er wurde zunächst in einer Stückzahl von nur 50 Fahrzeugen verkauft. Bildrechte: MDR/Bernd Dannowski
Junger Mann und ein Trabi
Der erste Trabant P50 lief am 7.11.1957 in Zwickau vom Band. Er wurde zunächst in einer Stückzahl von nur 50 Fahrzeugen verkauft. Bildrechte: MDR/Bernd Dannowski
P 50 Limousine von 1958
Im Sommer 1958 ging der P50 in Serie, ab 1959 unter dem neuen Namen Trabant 500. Der Ur-Trabi hatte einen Zweitakt-Motor mit 500 cm³ Hubraum und 18 PS. Bildrechte: Horch Museum Zwickau
Pkw Trabant 500 mit Anhänger steht vor Landschaftstapete
Auf den Trabant 500 folgte 1962 der Trabant 600. Äußerlich fast unverändert hatte das neue Modell einen größeren Hubraum und 5 PS mehr Leistung unter der Haube. Bildrechte: MDR/Thomas Friedirch
Ein hellblauer Trabi auf dem Feld
1964 ging dann das Erfolgsmodell Trabant 601 in Serie. Es wurde bis 1990 kaum verändert und verkaufte sich millionenfach. Den 601 gab es in drei Ausführungen: Limousine, Kombi und Kübelwagen. Bildrechte: IMAGO
Trabant 1.1 Kübel Prototyp 1986
Der Trabant 601 Kübel wurde ab 1966 für die Armee und den Forstbetrieb als leichter Geländewagen hergestellt. Bildrechte: Horch Museum Zwickau
Pkw der Marke Trabant stehen mit aufgebauten Müller-Dachzelten nebeneinander auf einer Wiese.
Für den Trabant 601 gab es die berühmten Dachzelte aus dem Hause Gerhard Müller - damit wurde der kleine Trabi zum Camping-Wunder. Bis heute sind die Zelte Kult. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
DDR auf vier Rädern: Der millionste Trabant
1973 rollte der einmillionste Trabant in Zwickau vom Band. Insgesamt wurden zwischen 1957 und 1991 mehr als drei Millionen Trabis gebaut. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Trabant 800 RS Rallyefahrzeug von 1988
Im Volk war der Trabi auch als "Rennpappe" bekannt. Eine richtige Rennpappe war allerdings nur das Modell, mit dem in den 70er- und 80er-Jahren auch Rallyes gafahren wurden. Dieser Trabi konnte bis zu 150 km/h fahren, 50 km/h mehr als das Standardmodell. Bildrechte: Horch Museum Zwickau
Der letzte Trabant in Pink.
Ab 1990 wurde der Trabant 1.1 gebaut. Trotz seines 1,1 Liter-Viertaktmotors, der baugleich im VW Polo verwendet wurde, setzte sich der 1.1 auf dem Markt nicht durch - auch nicht in der Sonderlackierung "Miss-Piggy-Pink". Im April 1991 wurde die Fertigung des Trabant eingestellt. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
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Der letzte Trabant in Pink.
Bildrechte: August Horch Museum Zwickau

Gut ausgebildetes Personal

VW selbst begründet seine Ansiedlung am ehemaligen Trabant-Standort unter anderem mit guten Geschäftsbeziehungen zur sächsischen Automobilindustrie schon zu DDR-Zeiten. In den 70er Jahren hatte das Wolfsburger Unternehmen erste Geschäfte mit der DDR gemacht. 1984 hatte Volkswagen schließlich mit der DDR einen Vertrag über den Lizenzbau von VW-Motoren in Sachsen geschlossen.

Im Gegenzug sagte die DDR Lieferungen von Industrieprodukten und den Bau von Motoren für VW zu. Im Sommer 1988 begann in Chemnitz, dem damaligen Karl-Marx-Stadt, die Lizenz-Produktion der Motoren, die auch in die damals neueste Trabant-Generation eingebaut wurden.

Unmittelbar nach der Wende 1989 gründete VW gemeinsam mit den bisherigen DDR-Partnern in Sachsen die Planungsgesellschaft Volkswagen IFA-PKW GmbH, den Vorläufer der heutigen sächsischen VW-Tochter. Bereits ab 1990 wurden in der früheren Trabant-Fabrik in Zwickau die ersten Polo montiert, die Golf-Montage dort begann weniger als ein Jahr später. Anschließend baute Volkswagen die Produktionsstätten in Zwickau und Chemnitz sowie Opel in Eisenach weiter aus.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: MDR am Nachmittag | 30.10.-3.11.2017 | 14:00 Uhr & 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2017, 14:42 Uhr

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7 Kommentare

05.11.2017 19:00 Historiker 7

Noch eine Frage an die Fachjournalisten: Wo bezahlt BMW Gewerbesteuer, in Leipzig oder in Bayern?

05.11.2017 18:57 Historiker 6

Die Tradition der Automobilherstellung in Sachsen begann nicht mit der Fertigung des Trabants. Bereits vor 1945 wurde der AUDI entwickelt und hergestellt. Die Verlagerung erfolgte dann ab 1945 nach Westdeutschland. Der Trabant wurde entwickelt, nachdem die Lieferung von Eisenblechen aus Westdeutschland unterbrochen wurde. Aus den "Bruderländern" konnte man diese Bleche nicht beschaffen. Daher musste eine Plastikkonstruktion entwickelt werden. Auch der BMW kommt ursprünglich aus Eisenach, da in Bayern bis 1945 nur Motoren, aber keine kompletten Automobile hergestellt wurden.

05.11.2017 18:27 Vogtländer 5

Es gab nicht nur im Automobilbau der DDR gut ausgebildete Fachleute, die au dem wenigem verfügbaren noch etwas gemacht haben. Doch gab es mit einigen wenigen Einschränkungen bis auf das Gebiet des Automobilbaus nicht den politischen Willen dort die Industrie wenigstens in Grundzügen zu erhalten. Es wurde in wenigen Jahren eine Marktbereinigung durchgeführt. Das ist der Ergebnis der Politik, bei der "Privatisieren vor Sanieren" gegangen ist.
Das im Beitrag gelobte Verhalten der Automobilkonzerne hat einen entscheidenden Nachteil. Die Werke im Osten sind nur die verlängerte Werkbank der Konzerne. Sie können ohne ihre Mutter allein nicht überleben.
Da überdurchschnittlich viele Unternehmen im Osten als Zulieferer der Automobilindustrie tätig sind, wirkt sich das sehr negativ aus, wenn es der Autoindustrie in Deutschland einmal schlechter gehen wird.

05.11.2017 16:29 Paulchen 4

Ich sehe die hohe Abhängigkeit (gerade Sachsens) von nur 1 Branche eher als Nachteil, der neue Ideen verhindert und auf Landesebene große Teile des politischen Establishments in Abhängigkeiten bringt. Zumal die meisten Tochterunternehmen der Autokonzerne Gewinnabführungsverträge haben und Steuern andernorts zahlen. Langfristig wird es sich rächen, nicht mehr auf Medizin, Handel, Ingenieurs- und Elektrotechnik sowie Dienstleistungen (inkl. Handwerk) gesetzt zu haben.

05.11.2017 16:23 Fragender Rentner 3

Vorallem haben sie gut bezahlte Jobs geschaffen ??? ;-(

Mit viel Leiharbeitern usw. !!!

05.11.2017 16:17 Deutsche Autoindustrie Vertrauen weg 2

Es wird den Leuten immer erzählt man hätte, da 14 Jahre auf ein neuen Trabi warten müssen. Ich habe mein auf den DDR Automarkt bekommen, da standen auch Nagelneue im Angebot. Während ich mir zu DDR Zeiten einen Trabi leisten konnte, kann ich heute kein Auto mehr bezahlen, wegen einer miesen Rente, andere können sich auch kein Auto mehr leisten, wegen Hartz 4 oder der vielen miesen Löhne gerade hier in Ostdeutschland (Billiglohnland). Der Neuwagenverkauf in D ist weiter rückläufig auch deshalb. Sollten die E Autos kommen, wird das ein Reinfall. Bitte wer soll sich dann noch diese teuren Wagen kaufen mit dem fast teuersten Strom in Europa.

05.11.2017 16:01 optinator 1

Ja, die Ostdeutschen profitieren bei den Zulieferern der Automobilkonzerne als preiswerte Arbeitnehmer.
Was sollen sie auch sonst machen ?

Wer in dieser Branche arbeitet weis wie dort gelogen und betrogen wird. Wer ehrgeizig ist und gute Qualität abliefern möchte, geht dort zugrunde.

Geld, Geld, Geld ... nur darum geht es im Kapitalismus.

Ich werde ausgebeutet, so wie ich es auch schon in der Schule gelernt habe.