Streit um Pumpspeicher Ramelow greift Bund wegen Energiewende an

Vor einer Woche hatte Vattenfall heftige Einschnitte bei seinen deutschen Pumpspeicherwerken angekündigt. Einige dieser Werke stehen in Thüringen und Ministerpräsident Ramelow hat nun seinem Ärger darüber Luft gemacht. Und dieser Ärger gilt vor allem dem Bundeswirtschaftsministerium.

Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow hat dem Bundeswirtschaftsministerium vorgeworfen, die deutschen Pumpspeicherwerke bewusst als Energiespeicher zu benachteiligen. Ramelow sagte MDR AKTUELL, er habe den Eindruck, dass es Akteure gebe, die die Pumpspeicher einfach aus der gleichrangigen Behandlung zum Thema Speicher vertreiben wollten.

Konkret nannte Ramelow den Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Rainer Baake. "Alle Versuche, mit dem vorherigen Minister Gabriel darüber zu reden, und am Donnerstag habe ich auch mit der Bundesministerin Zypries darüber geredet, lösen bei mir immer den Eindruck aus, als ob bei Herrn Baake wirklich eine Aversion gegen Pumpspeicherkraft da ist." Das sei nicht nachvollziehbar, da es weder politisch noch wirtschaftlich gerechtfertigt sei.

Pumpspeicherwerke müssen Netzentgelte bezahlen

Ramelow nannte es unverständlich, dass man vorhandene Energiespeicher, die seit über 50 Jahren gut funktionierten, durch politische Rahmenentscheidungen aus dem Markt verdränge. "Wir reden hier von bestehenden Kraftwerksanlagen und von der Energiewende - und warum eine Windkraftanlage keine Netzentgelte bezahlen muss, ein Pumpspeicherwerk aber wohl, das will ich einfach nicht begreifen, das will ich nicht akzeptieren".

Die Frage sei, warum man es nicht schaffe, volatile Energie aus Wind- und Solarkraft in die Pumpspeicher umzuleiten, um das Netz stabil zu halten. "Es wäre ein Puffer. Und deswegen gehören Pumpspeicher für mich zum Netz und müssten über das Netz finanziert werden und nicht sogar noch Netzentgelte bezahlen - also bestraft werden."

Traditionelle Speicherfähigkeit wird benachteiligt

Ramelow sagte weiter, er vermute, dass dahinter ein Maß an Vorsatz stecke, dass man bestimmte Formen von Speichertechnik in Zukunft fördern wolle - also Lithium-Ionen-Batterien und teilweise Speichertechnik, die noch gar nicht existiere. Und dabei habe man übersehen, dass Deutschland eine traditionelle Speicherfähigkeit habe, die im Moment benachteiligt werde. "Dass wir existierende Kraftwerksanlagen nicht mehr nutzen, aber dafür neue Speicher aufbauen und dafür viel, viel Geld ausgeben wollen, das dann wieder der Kunde zu bezahlen hat - das will ich einfach nicht begreifen und da will ich mich nicht still zurückziehen."

Kaltstart-Reserven sind nötig

Es gehe aber nicht nur um die Frage, wie viel Kraft man speichern könne, wenn zu viel Energie im Netz sei, sondern auch darum, dass Kaltstart-Reserven da sein müssten. "Immer, wenn in München ein Blackout drohen würde, wäre es das Thüringer Pumpspeicherwerk Goldisthal, das tatsächlich die Kaltstart-Reserve darstellen würde. Das heißt, es ist ein technisch notwendiges Element, um andere Kraftwerke überhaupt in Gang zu setzen."

In der vergangenen Woche hatte der Vattenfall-Konzern drastische Einschnitte bei seinen Pumpspeicherwerken angekündigt. Das Personal der gesamten Sparte soll bis 2019 um bis zu 60 Prozent reduziert, einige der Werke stillgelegt werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im : Radio | 07.06.2017 | ab 06:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2017, 09:27 Uhr

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7 Kommentare

08.06.2017 10:11 Ekkehard Kohfeld 7

@Ruth Gerlach 4 Volle Zustimmung für Herrn Ramelow,denn gibt es etwas Genialeres als diese Pumpspeicherwerke?##Vielleicht mal das Gehirn einschalten vor dem hurra rufen.Wo wollen sie die alle bauen damit es für Deutschland reicht,was ist wenn der Regen aus bleibt und das Wasser was verdunstet und versickert nicht nachgefüllt wird siehe Ruhrtalsperren diesen Winter und Frühjahr schauen sie mal die aktuellen Stauhöhen.Wieviel Bäche und Flüße wollen sie zum aufstauen trocken legen und aus dem natürlichem Wasserkreislauf raus nehmen?Wo gibt es so viele leer stehende Täler in denen man das Wasser aufstauen kann und auch genügend Wasser ankommt?Ich glaube nicht das die dafür benötigten Flächen und Ressourcen vorhanden sind.Scheinbar gehen in Deutschland immer nur undurchdachte Schnellschüsse die unnötig sehr viel Geld kosten und nicht funktionieren (Ökostrom-Dunkelflaute,E-Auto usw).

07.06.2017 00:32 Achim Stephan 6

Die Pumpspeicherkraftwerke (PSW) sind die einzigen verlässlichen Großspeicher zur Zeit. Nur um die Elektrische Energie zu speichern, die in Deutschland an einem Tag benötigt wird, wären 200 Pumpspeicherkraftwerke der Größe von Goldisthal in Thüringen notwendig. Die Dunkelflaute im letzten Winter dauerte etwa 10 Tage !!! Bei den hochgesteckten Traumzielen der Energiewende macht es keinen Sinn die PSW auszubauen, weil wir nicht die geographischen Verhältnisse haben, die man dazu braucht. Den meisten PSW stehen auf den Bergen ja schon die Windräder im Weg. Wunder können auch die PSW nicht bewirken.

07.06.2017 13:20 Ruth Gerlach 5

Ergänzung: Das ist scheinbar das Pendant zu den Betonbändern und Energiemasten, die jetzt das Land umgraben und zerstören: Ober- und womöglich auch noch unterirdisch - und das nur, weil Bayern keinen Wind hat? G€Z noch? Dazu solche kriminellen Fehlplanungen wie die A 19 in Brandenburg 2011: Kein Windschutz aber die Opfer, die Autofahrer , anstatt die Verursacher Architekten und Ämter anzuklagen und zu verurteilen! Denn an der weißen Linie purzeln sie von der AutobahnKante, weil die Welt für sie dort endet, wo sie für andere erst beginnt! Demokratie = Anarchie + Chaos!

07.06.2017 13:10 Ruth Gerlach 4

Volle Zustimmung für Herrn Ramelow,
denn gibt es etwas Genialeres als diese Pumpspeicherwerke? Sie speichern und liefern je nach Bedarf. Und so was schafft man ab? Ist das Deutschland, Schilda oder gar IrRland? Aber ja, das ist nur wieder so ein Projekt der DDR, das WEG musst. Wie das Robotron-Gebäude. Aber jede Menge Goldene Kreuze, Kugeln, Rathausmänner, Pforten, Reiter usw.. Fehlen nur noch die Monarchen neben den Eliten, Exzellenzen, Eminenzen, Intelligenzen. Vorwärts, ohne Genossen geht's viel schneller zurück.

07.06.2017 10:17 Jens der Lausitzer 3

In Wirklichkeit geht es doch schon lange nicht mehr um "Energiewende" als Heilsbringer für eine eventuell menschengemachte "Klimaerwärmung". Es geht um Geld - um viel Geld ! Wo viel Geld im Spiel ist, ist auch der Betrug mit von der Partie ...

@2-Stena, stimmt, wo "ideologische Windmühlen" anlaufen und politisch genährt werden, wird vernünftigen und sachlichen Argumenten kein Raum gewährt. Sie werden politisch abgewürgt ...

07.06.2017 09:02 Stena 2

Tja, ... Herr MP Ramelow, ... so ist das halt, wenn man gegen ideologische Windmühlen 'anläuft'. Da kann man noch so vernünftige und sachliche Argumente vortragen. Allein .. man stößt auf 'taube Ohren'. :-(
Bemerkenswert an dieser Stelle auch die exponierte Rolle des Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Rainer Baake. Meines Wissens war doch die Feudalzeit der Sonnenkönige vorbei, oder?

07.06.2017 07:54 colditzer 1

Ich stimme Ihnen voll zu, Herr Ministerpräsident.
Pumpspeicherwerke sind politisch nicht gewollt.
Vorreiter auf diesem Gebiet war die DDR.