Leipzig Stadion RBL
Bildrechte: Dirk Hofmeister

Hohe Einnahmen Durch RB Leipzig fließen mindestens 6,6 Millionen Euro in die Stadtkasse

Die Stadt Leipzig ist noch zurückhaltend, Sportökonomen der Handelshochschule Leipzig sind sich sicher: Der Aufstieg von RasenBallsport Leipzig in die Fußball-Bundesliga wirkt sich besser auf die Stadtkasse aus als ursprünglich erwartet. Effekte auf den Breitensport und den Tourimus sind hingegen sind noch nicht erkennbar.

Leipzig Stadion RBL
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Der Aufstieg in die Bundesliga von RB Leipzig bringt mehr Geld in die Kassen von Leipzig als noch im Frühjahr erwartet. Das geht aus Berechnungen der Handelshochschule Leipzig hervor. Danach kann RB einen bislang einmaligen Anstieg bei den Zuschauerzahlen durch den Aufstieg verzeichnen. Laut HHL-Sportökonom Henning Zülch landen damit nach Abzug von Zusatzkosten am Ende der Saison voraussichtlich 6,62 Millionen Euro im Stadtsäckel. Ursprünglich war der Ökonom noch von 4,88 Millionen ausgegangen.

Hoher Zuschauerschnitt ausschlaggebend

Zülch sagte MDR AKTUELL nach den ersten sieben Spielen mit einem Schnitt von 41.650 Zuschauern: "Kalkuliert man aufbauend auf diesem Zuschauerschnitt von 41.000 Zuschauern über die gesamte Saison, so ergibt dies über die Saison einen Zuschauerzuspruch von 697.000 Zuschauern und damit im Vergleich zu Zweitligazeiten ein Zuschauerwachstum von mehr als 47%." Im Mai hatte Zülch noch 35 Prozent angesetzt.

Sportdirektor Ralf Rangnick und Naby Keita (RB Leipzig)
Die Mannschaft begeistert die Leipziger Fans. Bildrechte: IMAGO

Auch die Ausgaben pro Besucher korrigierte Zülch nach oben: Vorsichtig kalkuliert gäben die Besucher 30 Euro außerhalb des Stadions aus – fünf Euro mehr als in der ursprünglichen Berechnung. Es könne inzwischen angenommen werden, "dass circa 6,73 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen außerhalb des Stadions in der Saison 2016/2017 generiert werden können." In der Summe aller 17 Heimspiele abzüglich der Kosten für zusätzliche Transportmöglichkeiten und Sicherheitskonzepte bleiben 9,50 Euro pro Besucher (Mai: 7,65 Euro). Bei 697.000 Zuschauern ergeben sich für die Stadt besagte 6,62 Millionen Euro verbuchen. Hinzu kämen indirekte Werbeeffekte, die mit 2,2 Millionen Euro angegeben werden und zusätzliche Übernachtungszahlen.

Stadt bleibt zurückhaltend

Die Stadt selbst hält sich noch bedeckt. Zwar werden hohe volkswirtschaftliche Effekte erwartet, erklärte eine Sprecherin des Wirtschaftsdezernats. "Allerdings konnten wirtschaftliche Effekte durch den sportlichen Erfolg von RB für den Wirtschaftsstandort Leipzig bisher nicht direkt beziffert werden."Für eine detaillierte Einschätzung sei es noch zu früh. Entsprechende fundierte Kennzahlen müssten erst erhoben werden. Ähnliche äußerte sich auch das Sportdezernat.

Obwohl HHL-Ökonom Zülch im Zusammenhang auch von einem Anstieg beispielsweise der Übernachtungszahlen ausgeht, die Internetplattform Google-Trends belegt diesen zumindest noch nicht. "Auf den ersten Blick scheint also eine Auswirkung auf die anderen Suchbegriffe auszubleiben“, teilte ein Google-Sprecher MDR AKTUELL mit. RB Leipzig wird inzwischen teils doppelt so häufig auf Google gesucht. Mehr Hotel- oder Zoo-Suchen korrespondieren damit aber noch nicht.

Kaum Effekte auf Breitensport

Red Bull Boss Dietrich Mateschitz nahm auf der Tribüne Platz. Rechts; Freundin Marion Feichtner.
Hat den Verein nach Leipzig gebracht. Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz Bildrechte: IMAGO

Auch auf die Sportvereine hat der RB-Aufstieg offenbar keine besondere Strahlkraft: Seit 2003 steige die Zahl der Sporttreibenden in den sächsischen Vereinen kontinuierlich, sagte ein Sprecher dem MDR. Auch im vergangenen Jahr habe es wieder einen kräftigen Zuwachs gegeben: "Einen Zusammenhang mit dem Erfolg von RB Leipzig zu konstruieren, halte ich aber für gewagt" – die sächsische Vereinslandschaft ist um einiges vielfältiger. Auch einen Effekt auf die Sportstätten in Leipzig, der von RB Leipzig ausgehe, könne der Verband nicht erkennen.

RB sucht regionale Identität

Dabei hat RB nicht nur eine sportliche und unternehmerische Verantwortung. Zülch zufolge steht der Verein auch vor einer gesellschaftspolitischen Herausforderung: Er müsse zeigen, dass er kein Fremdkörper in der Region sei und aktiv Gemeinwohl stiften sowie über den Sport hinaus einen gesellschaftlichen Beitrag für die Region leisten könne: "Hat die Stadt bislang dem Verein den roten Teppich ausgerollt, ist es nun an der Zeit, zu beweisen, dass der Verein es wert war (…) und dies nicht nur durch den sportlichen Erfolg."

Hier hat der Verein allerdings noch Nachholbedarf. Zu den Leuchtturmprojekten, die es vor dem Aufstieg gab und zu denen unter anderem ein Integrationsprojekt zählt, sind dem Verein zufolge keine neuen hinzugekommen. Allerdings gibt es einem Sprecher zufolge immer wieder zusätzliche einzelne Events, "bei denen RB Leipzig seiner sozialen Verantwortung nachkommt, wie beispielsweise die Scheck-Übergabe in der Kinderklinik der Uniklinik letzte Woche mit Ralf Rangnick und Lukas Klostermann."

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2016, 10:10 Uhr

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4 Kommentare

25.12.2016 09:38 toni 4

Auch ich wünsche allen ein FRohes Fest und wollte nur nebenbei bemerken, dass Kritik am ungebremsten Kapüitalismus nicht gleichzusetzen ist mit Antisemitismus. Jesus, Marx, Bloch und Adorno, das waren alles Denker mit jüdischen Wurzeln, die den Kapitalismus (Jesus die unreflektierte Geldwirtschaft bzw. die Vergötzung des Materiellen) leidenschaftlich analysierten und kritisierten.

25.12.2016 08:59 Bernd 3

Ich wünsche den Lesern hier frohe Weihnachten und wünsche mir dass Kräfte die Verfechter des strukturellen Antisemitismus sind endlich zur Besinnung kommen. Heute ist Rasenballsport Schuld an allem Übel wer ist es morgen? Schlimm dass wir in Deutschland hier ein Übel scheinbar noch nicht überwunden haben.

23.12.2016 19:30 toni 2

John Locke, ein Begründer des wirtschaftlichen Liberalismus forderte einst, dass das Bürgertum sich materiellen Reichtum erwarbeiten müßte. Alles andere, schrieb er, sei ungerecht und begünstige adlige Oligarchen usw. Der "Verein" Rasenball hat sich NICHTS selber erarbeitet, sondern erhielt alles vom Gründer und Eigentümer Red Bull. Der große Wirtschaftsweise Zülch sollte mal Locke lesen, bevor er sich mit "fremden Federn" schmückt bzw. mit dem Reichtum von Red Bull hausiert. Finanzielle Fairnesse gegenüber der sportlichen Konkurrenz ist dieses Großsuchtgehabe - Der Fußball wird, ganz nebenbei, als Mittel zum Zweck missbraucht. - nicht.

22.12.2016 18:26 Klaus 1

Frage an die Redaktion: Was ist denn eine "Check-Übergabe"?