Ein-Rubel-Münze vor russischer Fahne in der Zange
Viele sächsische Unternehmen haben durch die Russland-Sanktionen wichtige Handelspartner oder Aufträge verloren. Bildrechte: IMAGO

Russland-Sanktionen Sächsische Unternehmen unter Druck

Seit Russland die Krim annektiert hat, wird es von der EU sanktioniert. Mittlerweile sind es drei Jahre. Die Folgen spüren auch sächsische Unternehmen, die traditionell eng mit Russland verflochten sind. Die Leipziger Stahlbau-Firma IMO musste Insolvenz anmelden. Drohen weitere Pleiten?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Ein-Rubel-Münze vor russischer Fahne in der Zange
Viele sächsische Unternehmen haben durch die Russland-Sanktionen wichtige Handelspartner oder Aufträge verloren. Bildrechte: IMAGO

Der Dresdner Unternehmer Thomas Streil gerät beim Thema Russland-Sanktionen noch immer in Wallung. Schon 2015 hat er Angela Merkel einen wütenden Brief geschrieben. Damals sagte er MDR AKTUELL: "Ich hoffe, dass Frau Merkel vernünftig wird und nicht weiter so gegen unseren Staat arbeitet wie bisher. In der Beziehung vergisst sie als Ostdeutsche die Ostdeutschen." Die Firma von Thomas Streil liefert Anlagen, die zum Beispiel die Reinheit der Luft messen können. Russland ist für ihn ein wichtiger Handelspartner.

Seit den Sanktionen hat Thomas Streil Aufträge in Höhe von acht Millionen Euro verloren. Von seinen 25 Mitarbeitern musste er fünf entlassen. Deswegen ist der Groll auch zwei Jahre nach seinem Brief an Merkel noch immer groß: "Leider hört unsere Politik nicht auf unsere Unternehmer. Es hat sich nichts geändert." Streil musste sich neu orientieren und produziert nun direkt in Russland. So umgeht er die strengen Exportregeln.

Die meisten haben sich darauf eingestellt

Die Sanktionen betreffen vor allem Hersteller von Werkzeugmaschinen und Landwirtschaftstechnik sowie Autozulieferer. Laut Industrie- und Handelskammer ist der sächsische Export nach Russland in den vergangenen drei Jahren um 670 Millionen Euro eingebrochen.

Inzwischen haben sich aber viele Unternehmen auf die Sanktionen eingestellt, sagt Reinhard Pätz. Im Verband der Maschinen- und Anlagenbauer vertritt er 125 sächsische Unternehmen. Existenz-Ängste wegen Russland-Sanktionen sind ihm nicht bekannt. "Aber viele ausländische Firmen, insbesondere die Chinesen, entdecken diesen Markt für sich. Das sehen wir schon mit einer gewissen Besorgnis."

Neue Märkte als Lösung

Was also tun? Die Produktion nach Russland verlagern ist ein Weg, mit den Sanktionen umzugehen. Der andere heißt: Neue Absatzmärkte suchen - sprich: Exporte nach China, Indien oder in die USA. Für kleine und mittelständische Unternehmen eine große Herausforderung, so Reinhard Pätz.

Es dauert zwei bis vier Jahre, einen neuen Markt zu erschließen. Bei einigen Unternehmen klappt das gut, bei anderen weniger. Aber ich glaube, sich breiter auf dem Markt aufzustellen, das ist die Zukunft.

Reinhard Pätz, Verband der Maschinen- und Anlagenbauer

Auch der Dresdner Unternehmer Thomas Streil versucht, neue Märkte zu erschließen. Schwierig sei das insbesondere in den USA. Seit der Abschottungspolitik von Donald Trump hat er keine größeren Aufträge mehr an Land ziehen können.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 27.07.2017 | 05:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2017, 10:52 Uhr

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7 Kommentare

27.07.2017 20:47 Alf 7

Der MDR sollte mal die Namen der Unternehmen veröffentlichen, die weiterhin Geschäfte mit Russland machen wollen trotz der Annexion der Krim! Dies ist aber typisch für den Kapitalismus, Profit kennt keine Moral oder Völkerrecht!

27.07.2017 13:52 4711 6

Ich glaube Putin ist unbeeindruckt von solchen Embargos u. hat lägst andere Wege gefunden, somit schädigt unsere Regierung bewußt!!! seine eigene Wirtschaft. Die politischen Fehler hat man vor Jahren gemacht, mit der Ausweitung der NATO, entgegen der Absprache mit Russland!!!! Dafür hat sich Russland. die Krim, wiedergeholt? u. wer hat das Nachsehen??? Die sogenannte "freie Welt" , besonders Deutschland!!!!!

27.07.2017 12:44 Bingo 5

Sanktionen gegen Russland, von Merkel und Co.beschlossen,stärken eher Russland (Russland produziert selbst-Aussage Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft) haben hier aber Auswirkungen, wie Pleiten und Arbeitslosigkeit von Beschäftigten z.B. Leipziger Stahlbaufa.IMO. Daran sollte man bei den Wahlen im Sept. auch denken.Politiker beschließen die Bevölkerung (zumindest ein Teil) muß es "ausbaden".

27.07.2017 11:37 Missi 4

Frau Merkel ist leider Beratungsresistent.

Warum sie aber bewusst die deutsche Wirtschaft weiterhin schädigt erschließt sich wohl niemanden so recht.

27.07.2017 11:36 SHKreis 3

....so ist es leider in D, Frau M.bestimmt....gegen Russland u.für die Türkei,vor Erdi hat sie doch auf den Knien gelegen,das Ergebnis,der Machtgierige dreht durch.....und Ende ist noch nicht abzusehen...und der Zauber geht nach der Wahl weiter,denn ich glaube nicht,das Schulz eine Chance bekommt,vor der Wahl reden,danach Versprechen vergessen....

27.07.2017 11:19 Uwe Kettmann 2

Aus lauter Verzweiflung starteten sächsische Unternehmer einen Friedensflug von Usedom nach Kaliningrad(ehem. Königsberg) Russland. Bisher fand ich in den Medien keinen Bericht dazu !

27.07.2017 11:15 jochen 1

Auch solche Pleiten sind eine direkte
Folge von Merkels Amihörigkeit mit den unsinnigen Sanktionen gegen Russland.
Bitte am 24.9.2017 auch daran denken