Eine Krankenschwester misst die Blutdruckwerte eines Patienten und übermittelt diese drahtlos per Smartphone an einen Arzt
Hier werden Blutdruckwerte eines Patienten gemessen und per Smartphone direkt an einen Arzt übermittelt. Bildrechte: dpa

Digitalisierung Telemedizin als Lösung gegen Ärztemangel?

Dringend gesucht werden immer wieder Landärzte. Seit Jahren schon wirbt Sachsen um mehr Allgemeinmediziner auf dem Land. Doch mangels Interessenten müssen wahrscheinlich andere Lösungen her: Telemedizin, Beratung übers Internet. An der Handelshochschule Leipzig gibt es jetzt eine Klasse aus Unternehmensgründern, die sich genau das zum Thema macht: Internetlösungen in Altenpflege und Medizin. Sachsens Sozialministerin Klepsch hat die Klasse besucht.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Eine Krankenschwester misst die Blutdruckwerte eines Patienten und übermittelt diese drahtlos per Smartphone an einen Arzt
Hier werden Blutdruckwerte eines Patienten gemessen und per Smartphone direkt an einen Arzt übermittelt. Bildrechte: dpa

Lebt ein betagter Angehöriger allein, macht sich auch eine Ministerin Sorgen. Und so steht Barbara Klepsch an einem Nachmittag plötzlich im Gründerlabor der Handelshochschule Leipzig bei der Firma IOCare. Inhaber Matthias Riedel hat eine Box entwickelt, die man bei alten Leuten in den Hausflur stellt, eine Box mit Bewegungssensor.

"Sobald man sie ans Netz steckt fängt sie autonom an, die tägliche Routine des Menschen zu erlernen. Das dauere drei bis vier Wochen. Dann fange das Gerät an, eine Lichtbotschaft in den Ampelfarben zu schicken. Grün bedeute 'alles in Ordnung', Gelb 'leichte Abweichung' und Rot 'Man soll mal wieder anrufen und schauen, ob alles in Ordnung ist'." Die Farben könnten sich Angehörige aufs Smartphone senden lassen, erklärt Riedel. So wisse man, ob Hilfe nötig ist.

Millionenschweres Förderpaket für Sachsen

Ministerin Klepsch wirkt interessiert. Sie sucht nicht nur aus privaten Gründen nach neuen Ideen für Vorsorge und Medizin. Sachsen fehlen Ärzte und Pflegekräfte. Mit digitalen Technologien kann man den Mangel zwar nicht beheben aber lindern. Das Land fördert deshalb Projekte zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. "Wir haben für 2017 und 2018 jeweils zehn Millionen Landesmittel geplant. Darüber hinaus gibt es Gelder der Europäischen Union. Da stehen bis zum Jahr 2020 noch einmal 28 Millionen zur Verfügung."

Die Handelshochschule Leipzig profitiert von der Förderung. Zum ersten Mal hat sie eine Gründerklasse auf Gesundheitsthemen ausgerichtet. Die Gesellschaft werde schließlich älter, sagt Eric Weber, Geschäftsführer des Gründerlabors SpinLab. "Für uns ist es ein sehr interessantes Thema. Wir glauben, es passt sehr gut an den Standort nach Leipzig. Das Gesundheitsthema ist eines der fünf Cluster, in denen sich die Stadt engagiert, in dem viel Expertise und viele Unternehmen vorhanden sind."

Gesundheitsklasse tüftelt an neuen Ideen

Die Gesundheitsklasse arbeitet zum Beispiel an einer App für Arztbesuche im Ausland. Bereits marktreif ist eine Internetseite, die individuelle Patientenverfügungen erstellt. Zur Klasse gehört auch die Firma DeGIV. Geschäftsführer Dieter Rittinger will Apotheken mit einem Computer-Terminal ausstatten, das Kunden dort nutzen können. "Es stehen schon rund 50 Terminals. Sie können sämtliche Dokumente an die Krankenkasse übertragen und Daten der elektronischen Gesundheitskarte auslesen. Sie können zum Beispiel einen Alzheimer-Schnelltest machen, um zu sehen, ob es möglicherweise Auffälligkeiten gibt."

Die Terminals sollen auch eine Kamera erhalten. Damit, sagt Rittinger, könne man einem Arzt auch seine Wunden zeigen. Ministerin Klepsch nickt höflich: "Das sind wirklich Visionen, die sie hier skizziert haben." Man hört nicht genau heraus, ob Klepsch nun begeistert oder skeptisch ist. Eines dürfte sie jedenfalls wissen: Ein Arzt zum Anfassen ist den meisten Alten wohl lieber.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 15.05.2017 | 06:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2017, 07:05 Uhr

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7 Kommentare

15.05.2017 19:45 optinator 7

Bitte Schere, Tupfer und Nadel mit dazu liefern.
Das wäre dann noch ein Schritt weiter zum
Selfmade-Peapel.

15.05.2017 14:13 Sie haben nicht verstanden. 6

@15.05.2017 10:55 R. S. (3Haben die Hochschüler auch mal Ärzte befragt, was die davon halten? Ein höflicher Arzt würde wahrscheinlich sagen, dass sie noch viel lernen müssen.)

Es geht bei der TM nicht um Therapie oder den Ersatz von Ärzten, sondern um die laufende Überwachung der physischen Parameter etwa von Herzpatienten. Wenn sich diese Parameter ändern, also ein lebensbedrohender Zustand eintreten kann, treten selbstverständlich Ärzte in Aktion. Und zwar schneller und effizienter, als im Falle eines Zufallsbefundes beim Arztbesuch. Es geht darum, das Gesundheitssystem (bzw. was SPD und Merkelei davon übrig gelassen haben), von etwa kostenintensiven regelmässigen karidiologischen Routineuntersuchungen zu entlasten und den Patienten Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Man denke dabei an dünn besiedelte Regionen mit weiten Anfahrtswegen und/oder temporären klimatischen Besonderheiten. Dass einige niedergelassene Kardiologen damit Probleme haben, ist wenig verwunderlich...

15.05.2017 14:06 Die "Telemedizin"... 5

... ist keineswegs neu und schon gar nicht der Einfall von "sächsischen Tüftlern". Im Gegenteil: Die ersten Versuche fanden bereits Anfang der 2000er statt, das Herzzentrum Bad Oyenhausen hat sich daran versucht und gegenwärtig betreibt u. a. etwa die Berliner Charite eine telemedizinische Abteilung (in Koop mit der Uni Greifswald AFAIK). Der ganze Artikel strotzt vor peinlicher Unkennntis der diesbezüglichen Historie, der Akteure und des aktuellen Status' der Telemedizin. Entweder recherchiert der MDR richtig oder er lässt es besser ganz bleiben.

15.05.2017 13:10 Graf von Henneberg 4

Es hat die unbefleckte Empfängnis gegeben. Warum soll der Medizinmann dann nicht z.B. einen offenen Bruch mit einer E-Mail behandeln können.
Das mit dem Alzheimer - Schnelltest im Beitrag ist wirklich herzerfrischend.
Auszug Zitat Schopenhauer: ..."alle Formen nimmt die Geistlosigkeit an...."

15.05.2017 10:55 R. S. 3

Ärztemangel, Fachkräftemangel in der Pflege - wieso, weshalb, warum?. Ursachenforschung, Befragung der Ärzte, des Pflegepersonals incl. derer, die aus gesundheitlichen und/ oder ethischen Gründen nicht mehr im Beruf arbeiten. Daten in Computer eingeben, sichtbar machen der Gründe und dazu was es braucht, das Defizit zu beheben. Für die, die mit Zahlen schlechter umgehen können, z. B. auch als Diagramm anzeigbar. Das ist in diesem Bereich sinnvoller Einsatz von Computertechnik. Auch der Alzheimer-Schnelltest in Apotheken. Haben die Hochschüler auch mal Ärzte befragt, was die davon halten? Ein höflicher Arzt würde wahrscheinlich sagen, dass sie noch viel lernen müssen.

15.05.2017 10:00 Sr.Raul 2

"Jahr 2022- die Überleben wollen" lässt grüßen!

15.05.2017 08:29 h2o 1

Wer früher stirbt ist länger tot. Punkt

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