ERO-Geschäftsführer Peter Westerbarkey zeigt eine Ladesäule der Firma
ERO-Geschäftsführer Peter Westerbarkey zeigt eine Ladesäule der Firma. Bildrechte: MDR/Johannes Schiller

Zulieferer der Autoindustrie E-Mobilität wird bestehende Produkte massiv ändern

Der Umbau auf E-Mobilität in der Autoindustrie läuft auf Hochtouren. Davon sind nicht nur die Autobauer betroffen, sondern auch Zulieferbetriebe. Einer davon hat seinen Standort in Sachsen-Anhalt - und könnte wohl zu den Gewinnern des Wandels zählen.

von Johannes Schiller, MDR AKTUELL

ERO-Geschäftsführer Peter Westerbarkey zeigt eine Ladesäule der Firma
ERO-Geschäftsführer Peter Westerbarkey zeigt eine Ladesäule der Firma. Bildrechte: MDR/Johannes Schiller

Am Firmeneingang der Firma ERO Edelstahl-Rohrtechnik steht ein Oldie. Eine Ladesäule für Elektroautos, die fast zehn Jahre alt ist. Sie zeigt: Die Firma in Salzwedel zählt zu den Pionieren der E-Mobilität, sagt Geschäftsführer Peter Westerbarkey. "Diese Säule ist wahrscheinlich die erste oder mindestens eine der ersten Ladesäulen in Deutschland."

Über Jahre blieb E-Mobilität ein Nischenthema. Auch heute produzieren nur 15 der 80 Mitarbeiter Ladesäulen. Aber der Markt kommt in Bewegung. Die Bundesregierung will die Zahl der Ladesäulen für Elektroautos möglichst bald vervierfachen - auf dann 20.000. Unternehmens-Chef Westerbarkey sagt: "Wir sehen jetzt schon, dass sehr viele Anfragen von Firmen für Kundenparkplätze oder Mitarbeiterplätze kommen. Dann sehen wir sehr viele Anfragen von Supermarkt- oder Parkhausbetreibern. Auch Städte und Gemeinden würden bestellen.

Grundlegender Umbau der Autoindustrie

Neben ERO gibt es bundesweit rund ein Dutzend Hersteller von Ladesäulen. Sie könnten zu den Gewinnern zählen, wenn es um den Umbau der Autoindustrie geht. Der ist grundlegend. Vor allem die E-Mobilität krempelt die Branche komplett um, sagt Stefan Schünemann vom Magdeburger Institut für Kompetenz in AutoMobilität und führt aus: "Man spricht hier von einer disruptiven Technologie. Das heißt, die Elektromobilität ist eine Innovation, die die bestehenden Produkte massiv ändern und verdrängen wird. Das hat ganz massive Folgen für die Zulieferkette und für den Markt."

Ein Elektroauto braucht keinen Auspuff, kein Getriebe, keinen Verbrennungsmotor. Es gibt Studien, die sagen: Ein Drittel der Zulieferer steht in den nächsten Jahren vor dem Aus.

Doppelbelastung

Auto-Experte Schünemann spricht von einer Doppelbelastung der Zulieferer. Sie müssen einerseits weiter Teile für Autos mit Benzin- und Dieselmotoren produzieren. Andererseits müssen sie aber auch neue Produkte für die E-Mobilität entwickeln. Dennoch bleibt er optimistisch für die Branche. Schünemann sagt: "Es bietet Chancen für neue Märkte, Chancen für neues Geschäft. Wem es gelingt, dieses neue Geschäft aufzunehmen, neue Produkte anzubieten, wird in der künftigen Autodindustrie eine große Rolle spielen."

Ladesäule ist kein Mehrfachstecker

Zurück bei ERO in Salzwedel. Die Produktpalette reicht von einfachen Säulen für die Garage ab 1.000 Euro bis hin zu vielfach teureren Schnell-Ladesäulen mit Hochtechnologie im Inneren. Denn eine Ladesäule ist kein Mehrfachstecker aus dem Haushalt. Das erklärt Westerbarkey am Beispiel eines Mehrfamilienhauses mit 70-Kilowatt-Anschluss. "Eine typische Stromladesäule für Elektroautos hat elf Kilowatt. Das heißt: Es könnten maximal sieben Fahrzeuge betankt werden. Dann wird es dunkel in dem Haus. Dann gehen kein Licht und kein Herd mehr, dann geht gar nichts mehr."

Etwa 500 Säulen wollen Westerbarkey und seine Mitarbeiter in diesem Jahr verkaufen. Wenn das gelingt, sagt der Firmenchef, muss er etwa 15 neue Mitarbeiter einstellen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 30.01.2017 | 05:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2017, 12:31 Uhr

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4 Kommentare

30.01.2017 17:18 O-Perler 4

Es ist Wahnsinn, wohin die Durchideologisierung der Politik führt! Naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden mit einem Handwisch beiseite geschoben! Wo nehmen solche Leute nur ihre Gewißheit her? Es ist wie früher mit dem Marxismus-Leninismus!

30.01.2017 15:45 Fragender Rentner 3

Wie lange halten diese Akkus bei den Themeraturen der letzten Wochen?
(Reichweite und wie warm bekomme ich den Innenraum)

Gibt es nicht noch Alternativen zu dem E-Autos?

Ist ja ein Wahnsinn wenn die Firma 15 neue AN einstellt!

30.01.2017 11:47 optinator 2

Seit 20 Jahren arbeite ich in der Zuliefererindustrie für verschiedene Fahrzeughersteller. Alles Teile für Verbrennungsmotoren und Schaltgetriebe.
Da wird es noch eine Menge Unruhe geben wenn sich vieles ändert.
Noch 4 Jahre, dann bin ich Rentner.Bis dahin werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und Schaltgetirbe gebaut. Da mache ich mir weniger Sorgen. Aber meine Frau
hat noch 10 Jahre in dieser Branche zu arbeiten. Ob die Arbeit bis dahin reichen wird ?

Beängstigent wenn man weiß wie viele Arbeitsplätze in Deutschland an diesem Zweig hängen.

30.01.2017 10:26 Fragender Rentner 1

Dann kommen so Leute und hacken das Kabel an, was geschied dann?