Trauer : Christa Wolf ist tot
Christa Wolf ist im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. Die studierte Germanistin feierte in der DDR ihren ersten großen Erfolg mit dem Roman "Der geteilte Himmel". Sie war bis zur Wende SED-Mitglied, geriet aber immer wieder mit der Parteiführung aneinander. Sie protestierte gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann und verarbeitete im Buch "Störfall" ihre
Sicht auf den Supergau in Tschernobyl. 1989 sprach sich Wolf gegen einen Anschluss an die BRD aus. Dieses Thema beschäftigte sie bis zum Schluss.
Die Schriftstellerin Christa Wolf ist tot. Wie der Suhrkamp Verlag mitteilte, ist die Autorin nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. Ihre bekanntesten Werke sind unter anderem "Moskauer Novelle", "Der geteilte Himmel", "Kein Ort. Nirgends" und "Kassandra". Wolf war eine der bekanntesten und produktivsten Schriftstellerinnen der DDR.
Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Kultur lobten die Autorin am Donnerstag als "Identifikationsfigur" und "mutige Schriftstellerin".
Wolf galt als moralische Instanz
Für viele Leser war Christa Wolf die moralische Instanz der DDR, ihre Bücher waren Bückware. In Büchern wie der "Geteilte Himmel" - ihrem Romanerstling aus dem Jahr 1963 - befasste sie sich intensiv auch mit dem geteilten Deutschland. Für das Werk erhielt sie im selben Jahr in der DDR den Heinrich-Mann-Preis. Ein Jahr später wurde das Buch von DDR-Regisseur Konrad Wolf verfilmt, das machte die Autorin auch im Westen bekannt.
Wolf war SED-Mitglied und zwischen 1963 und 1967 sogar Kandidatin für das Zentralkomitee der SED. Nach einer kritischen Rede auf dem 11. Plenum des ZK der SED im Jahr 1965 hatte sich das erledigt. Zudem geriet sie immer wieder mit der Parteiführung aneinander. Die Schriftstellerin protestierte 1976 gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann und verarbeitete im Buch "Störfall" ihre Sicht auf den Supergau in Tschernobyl. 1980 wurde sie in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis, einer der wichtigsten deutschen Literaturauszeichnungen.
Im Juni 1989 trat Wolf aus der SED aus. Sie warb jedoch für eine Weiterexistenz der DDR und sprach sich gegen eine "Vereinnahmung" durch die Bundesrepublik aus. Als sie 1990 in ihrem Buch "Was bleibt" die Überwachung durch die Stasi und das Gefühl der Bedrohung schilderte, löste sie auch eine Debatte über die Mitschuld von Intellektuellen in der DDR aus. Westdeutsche Kritiker und Journalisten warfen der Autorin damals vor, sich als einstige "Staatsdichterin" mit dem Buch auf die Seite der Opfer mogeln zu wollen.
Enthüllungen um IM-Berichte
Christa Wolf war von der Stasi observiert worden, doch 1993 wurde enthüllt, dass sie selbst Stasikontakte hatte. Für Kritik sorgte hier auch, dass sie in ihre Akte 1992 Einsicht genommen hatte, ihre IM-Tätigkeit aber weiter verschwieg. Die Autorin unternahm nach den Enthüllungen aber einen ungewöhnlichen Schritt. Sie veröffentlichte ihre Stasi-Akte in dem dokumentarischen Buch "Akteneinsicht - Christa Wolf - Zerrspiegel und Dialog": Zwischen 1959 bis 1962 schrieb sie als "IM Margarete" drei Berichte für die Staatssicherheit, in denen sie die Betroffenen ausschließlich positiv geschildert hatte.
Die Auseinandersetzung in den Medien über ihre Stasi-Mitarbeit empfand sie teils als Hetze und als ungerechtfertigte Abrechnung mit ihrer DDR-Biografie. Die Autorin zog sich deshalb für längere Zeit aus der Öffentlichkeit zurück. Ein Jahr lang verbrachte sie in den USA, suchte Distanz.
Den Vorwurf, sie sei eine "Staatsschriftstellerin" gewesen, wies Christa Wolf vehement zurück. Diejenigen, die ihre Bücher gelesen hätten, wüssten, dass das absurd sei, sagte sie. Das Thema DDR beschäftigte sie bis zum Schluss. Wegen ihrer Einstellung war sie erst vor kurzem noch von Schriftsteller Erich Loest kritisiert worden.
2002 wurde Wolf für ihr Lebenswerk mit dem erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis geehrt, weil sie sich, so die Jury, "mutig in die großen Debatten der DDR und des wiedervereinigten Deutschland eingemischt" habe.



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