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Bekenner-Video des Zwickauer Trios? : Paulchen Panther als Botschafter des Bösen

von Dirk Reinhardt

Beate Z. wollte Spuren verwischen, als sie am 4. November 2011 im Zwickauer Ortsteil Weißenborn die Wohnung in die Luft sprengte, die sie gemeinsam mit zwei Männern jahrelang bewohnt hatte. Das jedenfalls vermuten die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaften, die sich seither mit dem "Zwickauer Trio" und seinen Taten befassen. Doch in den Trümmern des Hauses fanden die Ermittler noch so manches Beweisstück: Waffen, die mit den sogenannten Döner-Morden in den Jahren 2000 bis 2006 und dem Polizistenmord in Heilbronn im Jahr 2007 in Verbindung gebracht werden.

Und sie fanden mehrere Exemplare einer DVD mit einem Film, einige davon bereits in adressierte Umschläge verpackt, die beispielsweise an islamische Vereinigungen gehen sollte. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, haben andere Exemplare dieser DVD ihre Empfänger erreicht. So teilte die Partei DIE LINKE in Sachsen-Anhalt am 13. November mit, dass in einem ihrer Parteibüros in Halle eine solche DVD eingegangen sei.

Wer oder was ist der NSU?

Screenshot eines Videos des Nationalsozialistischen Untergrunds
Nur ein Phantom oder eine gefährliche Vereinigung? Selbstbeschreibung des "Nationalsozialistischen Untergrunds" im Film.

Dem MDR liegt eine Kopie dieses Films vor. Das 15-minütige "Werk" ist ein Bekenntnis einer Gruppierung mit dem Namen "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zu den Döner-Morden und weiteren Gewalttaten, darunter einem Nagelbomben-Anschlag im Juni 2004 in Köln, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden. Unklar ist, ob Beate Z., die seit einigen Tagen in U-Haft sitzt, und ihre beiden Komplizen Uwe. B. und Uwe M., die sich am 4. November in Eisenach offenbar selbst erschossen haben, die Urheber dieses Films sind. Hinweise darauf gibt es darin nicht.

Vor dem Hintergrund der Fakten, die seit dem 4. November über das Trio bekannt geworden sind, kann man diesen Film allerdings auch als eine Art Vermächtnis interpretieren. Dessen Botschaft ist eindeutig rassistisch: Ausländer haben in Deutschland nichts zu suchen, sie müssen mit eisernen Besen herausgekehrt werden. Um diese zu vermitteln, werden Szenen eines Films aus der Comic-Serie "Der rosarote Panther" mit Bildern kombiniert, auf denen Migranten zu sehen sind. Doch das ist längst nicht alles.

Ein "Vermächtnis" des Zwickauer Trios?

Screenshot eines Videos des Nationalsozialistischen Untergrunds
Ein Bekenntnis zu den "Döner-Morden"?

Der Film beginnt mit einem Text, in dem der "Nationalsozialistische Untergrund" als "Netzwerk von Kameraden mit dem Grundsatz: Taten statt Worte" bezeichnet wird. Es folgt ein Ausschnitt aus dem oben erwähnten Comic, in dem die Hauptfigur Paulchen Panther zunächst ergebnislos versucht, mittels Bombe ein Haus zu sprengen. Ein Bezug auf die Aktivitäten des kriminellen Trios in den 90er-Jahren in Thüringen? Damals waren, soviel weiß man heute, Beate Z. und ihre Kompagnons Teil eines rechtsextremen Netzwerks und versuchten sich am Bau von Bomben und Sprengsätzen. Weil der Fahndungsdruck der Polizei immer stärker wurde, tauchten sie 1998 unter.

Weiter geht es in dem Film mit Ausschnitten aus TV-Berichten, die offenkundig mehrere Jahre alt sind und Ermittlungen zu einem Anschlag in einem Lebensmittel-Geschäft in einer westdeutschen Stadt zeigen. Als "Erfolgsmeldung" blenden die Autoren die Laufzeile "Das Opfer liegt in künstlichem Koma" ein. Und was sie vom Staat und seinen Sicherheitsorganen halten, zeigen die Autoren, in dem sie "ihr" Paulchen einem Polizisten eine Pistole an die Schläfe halten lassen.

Opfer werden verhöhnt

Screenshot eines Videos des Nationalsozialistischen Untergrunds
Die Botschaft des Films ist menschenverachtend und rassistisch.

Es folgen Sequenzen, die menschenverachtender kaum sein können. TV-Berichte über die Döner-Morde werden zusammengeschnitten mit Ausschnitten aus Fernsehkrimis und Zeitungsartikeln über die Taten, denen in den Jahren 2000 bis 2006 acht Türken und ein Grieche zum Opfer gefallen sind. Und es werden Fotos von einigen der toten  Opfer eingeblendet, die offenbar von den Mördern selbst angefertigt worden sind. In weiteren Filmsequenzen werden die Opfer und ihre Angehörigen verhöhnt.

Im nächsten Teil des Films bekennt sich die NSU auch zu dem Anschlag mit einer Nagelbombe in Köln im Juni 2004, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden und dessen Täter bislang nicht gefasst wurden.

Screenshot eines Videos des Nationalsozialistischen Untergrunds
"Eckensteher Knoll" als Sinnbild für die RAF

Die Macher des Films nehmen in dem "Werk" auch Bezug auf die linksextremistische Terrororganisation RAF, die in Gestalt des tumben "Eckenstehers Knoll" verspottet wird. Diese Sequenz lässt verschiedene Interpretationen zu: Ist die RAF mit ihren Anschlägen auf Protagonisten des "Systems" Vorbild für die "Kameraden" des NSU? Oder: "Die Nationalsozialisten kaufen der RAF den Schneid ab?"

Am Ende des Films wird Paulchen Panther mit einer Bombe selbst in die Luft gesprengt. Ein Hinweis auf den "Paukenschlag", mit dem das "Zwickauer Trio" am 4. November 2011 seinem Treiben selbst ein Ende setzte?

Wir wissen es nicht. Nur eines ist eindeutig: Dieser Film ist ein zynisches Machwerk, in dem Mörder und deren Taten verherrlicht werden.

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2011, 07:39 Uhr

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