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Hintergrund : Die Terrorgruppe und ihre mutmaßlichen Helfer

Nach den bisherigen Erkenntnissen gehören zur rechtsextremistischen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) die beiden nach einem Banküberfall am 4. November 2011 tot aufgefundenen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sowie Beate Zschäpe. Die drei werden für neun Morde an Gewerbetreibenden türkischer und griechischer Herkunft verantwortlich gemacht. Zudem sollen der Mord an einer Polizistin sowie zwei Bombenanschläge und mehrere Banküberfälle auf ihr Konto gehen. Das Trio soll eine Reihe von Helfern und Unterstützern gehabt haben. Hier ein Überblick:

Porträts der mutmaßlichen Rechtsterroristen Beate Z., Uwe B. und Uwe M.

Uwe Mundlos

Der Professorensohn aus Jena galt als intellektueller Kopf der Terrorgruppe, die 1998 untergetaucht war. Der 38-Jährige soll nach dem Bankraub in Eisenach am 4. November zunächst seinen Komplizen Böhnhardt und dann sich selbst erschossen haben.

Uwe Böhnhardt

Der 34-Jährige wird als Waffennarr beschrieben, der schnell und gern zugeschlagen hat. Er galt als Handlanger von Mundlos.

Beate Zschäpe

Die 37-Jährige ist die einzige Überlebende des Terror-Trios. Die gelernte Gärtnerin soll zunächst eine Beziehung mit Mundlos, dann mit Böhnhardt gehabt haben. Nach dem Tod der beiden Männer hat Zschäpe nach Überzeugung der Ermittlungsbehörden die gemeinsame Wohnung in Zwickau gesprengt, um Beweise zu vernichten. Vier Tage später stellte sie sich der Polizei. Entgegen erster Ankündigungen, sie wolle als Kronzeugin aussagen, schwieg sie bislang zu allen Vorwürfen. Am 5. November 2012 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen Zschäpe unter anderem wegen Beteiligung an zehn Morden und zwei Bombenanschläge.

Holger G.

Der 38-Jährige war in den 90er-Jahren mit dem Trio befreundet und in der Jenaer Neonazi-Szene aktiv. Später zog er nach Niedersachsen. Er wurde am 13. November 2011 festgenommen. Er räumte ein, der Gruppe seinen Führerschein und seinen Reisepass überlassen zu haben. Zudem soll er mehrfach Wohnmobile für die Gruppe angemietet haben. Über seinen Anwalt ließ er erklären, von den Morden nichts gewusst zu haben. Am 25. Mai 2012 hob der Bundesgerichtshof den Haftbefehl gegen G. auf und ordnete dessen Freilassung an. Der dringende Tatverdacht gegen G., das Trio bei Morden und anderen Straftaten unterstützt zu haben, konnte nicht belegt werden, lautet die Begründung. Am 5. November 2012 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen G.

André E.

Der 32-Jährige aus Sachsen wurde am 24. November 2011 in Brandenburg festgenommen. Die Bundesanwaltschaft verdächtigte ihn, den menschenverachtenden Propagandafilm hergestellt haben, in dem sich die Terrorgruppe mit den Mordtaten brüstete. Auf dem Film finden sich zudem Ausschnitte aus der Berichterstattung über die beiden Sprengstoffanschläge in Köln, die auf eine Urheberschaft des NSU schließen lassen. Die Ermittler gehen weiter davon aus, dass E. seit 2003 engen Kontakt mit dem Neonazi-Trio Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe hatte. 2009 soll er Bahncards für sich und seine Frau gekauft haben, die er dann an Böhnhardt und Zschäpe weitergab.

Am 14. Juni 2012 ordnete der Bundesgerichtshof die Aufhebung des Haftbefehls gegen E. und seine Entlassung aus der Untersuchungshaft an. Laut Gericht ist es kriminaltechnisch nicht belegbar, dass der Film auf dem Computer von E. hergestellt worden ist. Zudem habe auch Mundlos laut Zeugenaussaugen über entsprechende Kenntnisse verfügt, einen solchen Film herzustellen. Außerdem lasse sich nicht belegen, dass E. bei der Übergabe von Bahncards an Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe gewusst habe, zu welchem Zweck diese verwendet werden sollten. Insofern sei ein dringender Tatverdacht der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung gegen E. nicht begründbar. Am 5. November 2012 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen ihn.

Ralf Wohlleben

Der frühere Vizechef der NPD in Thüringen ist Ende November verhaftet worden. Er wird verdächtigt, Beihilfe zu sechs vollendeten und einem versuchten Mord geleistet zu haben. So soll er der Gruppe im Jahr 2001 oder 2002 eine Waffe und Munition besorgt haben. Außerdem soll er das Trio bei der Flucht in den Untergrund geholfen und sie danach finanziell unterstützt haben. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft hat er wegen seiner "anhaltenden Verbindung zu der unter falscher Identität lebenden Gruppe" von deren terroristischen Straftaten gewusst. Wohlleben war von Juli 2006 bis Mai 2008 stellvertretender Landesvorsitzender der NPD Thüringen. Er gehört der Partei inzwischen nicht mehr an. Am 5. November 2012 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen Wohlleben.

Matthias D.

Der 36-Jährige aus dem sächsischen Erzgebirgskreis ist am 11. Dezember festgenommen worden. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist er dringend tatverdächtig, in zwei Fällen die terroristische Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) unterstützt zu haben. Konkret soll er in den Jahren 2003 und 2008 Wohnungen in Zwickau angemietet und sie dann an die Mitglieder der Terrorgruppe untervermietet haben. Nach Informationen des MDR THÜRINGEN hat der wie André E. aus Johanngeorgenstadt stammende D. bereits 2001 das Trio unterstützt. So soll er die erste in Zwickau bekannte Wohnung von Zschäpe in der Polenzstraße zum 1. Mai 2001 gemietet haben.

Am 29. Mai 2012 ordnete die Bundesanwaltschaft die Freilassung von D. aus der Untersuchungshaft an. Zur Begründung verwies sie auf das Urteil des BGH im Fall von Holger G., in dessen Folge auch bei D. nicht mehr angenommen werden kann, dass ein dringender Tatverdacht der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung besteht.

Carsten S.

Der 31-Jährige wurde am 1. Februar 2012 in Düsseldorf verhaftet. S. soll 2001 oder 2002 der Terrorgruppe eine Waffe samt Munition besorgt haben. Zeitweilig soll er als Einziger aus dem NSU-Umfeld unmittelbaren Kontakt zum Trio gehabt haben. Später ist S. dann eigenen Aussagen zufolge aus der rechten Szene ausgestiegen. Am 29. Mai 2012 ordnete die Bundesanwaltschaft die Entlassung von S. aus der Untersuchungshaft an. Zur Begründung verwies sie darauf, dass er umfassend zu den ihm vorgeworfenen Taten ausgesagt habe und wegen seine gefestigen sozialen Umfeldes eine Fluchtgefahr nicht mehr angenommen werde. Am 5. November 2012 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen S.

Ermittlungen gegen ein Dutzend mutmaßliche Unterstützer

Die Bundesanwaltschaft ermittelte außerdem gegen eine ganze Reihe von Personen aus dem Umfeld des Terror-Trios und der rechtsextremen Szene. Unter anderem wurde gegen Mandy S. aus Sachsen ermittelt, die das Trio einige Monate in der Wohnung ihres damaligen Freundes in Chemnitz einquartiert haben soll. In Verdacht geriet auch der Thüringer NPD-Landesvorsitzende Patrick Wieschke, in dessen Wohnung in Eisenach Beate Zschäpe vor dem letzten Banküberfall von Mundlos und Böhnhardt im November 2011 übernachtet haben soll. Wieschke bestreitet das. Insgesamt sind nach Angaben der Ermittlungsbehörden rund 200 Personen daraufhin überprüft worden, ob sie dem Trio bei dessen Straftaten oder dem Leben im Untergrund geholfen haben

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2012, 14:19 Uhr

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