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Thüringer Landtag : Untersuchungsausschuss will Zschäpe befragen

Der Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags zur rechtsextremen Terrorzelle will Beate Zschäpe vorladen. Die Vorsitzende des Ausschusses, die SPD-Politikerin Dorothea Marx, sagte, das habe der Ausschuss in seiner ersten Sitzung am Donnerstag einstimmig beschlossen. Zschäpe solle für den 12. März vorgeladen werden. Ein Ort für die Befragung stehe noch nicht fest. Sie solle dort stattfinden, wo die Sicherheitslage das zulasse, sagte Marx, möglicherweise auch in der Untersuchungshaftanstalt in Köln.

Befragung über Kontakte zu Thüringer Behörden

Beate Zschäpe
Soll im Thüringer Untersuchungsausschuss aussagen: die mutmaßliche Terroristin Beate Zschäpe.

Die heute 37 Jahre alte Beate Zschäpe war 1998 gemeinsam mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt untergetaucht und soll mit ihnen die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" gebildet haben. Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses wollen sie laut Marx vor allem über die Zeit in der Kameradschaft Jena und dem "Thüringer Heimatschutz" befragen. Dabei solle es auch um die Frage gehen, ob die Gruppe damals und nach ihrem Untertauchen Kontakte zu Thüringer Behörden, wie Landeskriminalamt oder Verfassungsschutz gehabt habe.

In der geplanten Befragung vor dem Ausschuss solle es nicht um die Morde der Rechts-Terroristen gehen, sagte die Vorsitzende weiter. Bei diesen Fragen habe Zschäpe das Recht, die Aussage zu verweigern. Dem Ausschuss gegenüber habe sie hingegen die Pflicht, zu erscheinen und zu den beabsichtigten Fragen auszusagen. "Wir akzeptieren kein Schweigen", sagte Marx.

Beate Zschäpe sitzt seit dem 8. November 2011 in Köln in Untersuchungshaft. Bei den Vernehmungen durch Polizei und Bundesanwaltschaft hat sie bisher geschwiegen. Vor dem Untersuchungsausschuss darf sie nach dem Gesetz nur dann die Aussage verweigern, wenn sie sich selbst belasten würde. Der Anwalt Zschäpes kündigte an, dass seine Mandantin vor dem Untersuchungsausschuss trotzdem keine Aussagen machen werde.

"Wir akzeptieren kein Schweigen."

Dorothea Marx (SPD), Vorsitzende des Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag zur rechtsextremen Terrorzelle

Gremium soll Ermittlungspannen prüfen

Eine Dame mit Akten auf dem Arm - die Thüringer SPD-Landtagsabgeordnete Dorothea Marx.
Ausschussvorsitzende Dorothea Marx (SPD): Ausschuss soll weitgehend öffentlich tagen.

Der Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages nahm am Donnerstagnachmittag seine Arbeit auf. Das Gremium soll prüfen, ob Thüringer Sicherheits- und Justizbehörden bei der Verfolgung der Rechtsextremisten Fehler gemacht haben. Dem Ausschuss gehören neun Abgeordnete an. Für ihre Untersuchungen haben sie Zeit bis zum Ende der Wahlperiode - also zweieinhalb Jahre. Wie die Ausschussvorsitzende nach der ersten Sitzung sagte, wollen die Abgeordneten spätestens nach einem Jahr einen Zwischenbericht vorlegen. Der Ausschuss wolle weitgehend öffentlich tagen, kündigte sie an.

Die Fragen der Abgeordneten beziehen sich vor allem auf die Umstände des Abtauchens der drei mutmaßlichen Rechts-Terroristen. Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt stammen aus Jena und waren in den 1990er Jahren hier in verschiedenen rechtsextremen Gruppierungen aktiv gewesen. Obwohl sie den Behörden bekannt waren, gelang es ihnen 1998, während einer Sprengstoff-Razzia zu flüchten und unterzutauchen. Zwischen 2000 und 2007 sollen sie in verschiedenen Regionen Deutschlands neun Ausländer und eine Polizistin erschossen haben. Auch zwei Bomben-Anschläge in Köln und mehrere Banküberfälle sollen auf das Konto der Terrorbande gehen. Das Trio lebte jahrelang unbehelligt in Chemnitz und Zwickau.

Mehrere Untersuchungsausschüsse in deutschen Parlamenten

Der Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages war Ende Januar auf Antrag aller fünf Fraktionen eingesetzt worden. Er ist nicht das einzige Gremium, das sich mit dem rechtsextremen Terror beschäftigt. Auch der Bundestag hat einen Untersuchungsausschuss beschlossen, der sich vor allem mit der Rolle der Bundesbehörden befassen soll. Zudem fahnden eine von der Thüringer Landesregierung eingesetzte Expertenkommission sowie das Parlamentarische Kontrollgremium, der Innen- und der Justizausschuss nach Pannen der Behörden. Im Sächsischen Landtag gibt es bisher keinen Untersuchungsausschuss.

Lieberknecht hält generell V-Leute für untauglich

Vor der konstituierenden Sitzung des Untersuchungsausschusses gab Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht bekannt, dass wegen der Pannenserie beim Verfassungsschutz alle V-Leute in der rechtsextremen Szene abgeschaltet worden sind. Die CDU-Politikerin zeigte sich sehr skeptisch, ob V-Leute generell einen Nutzen haben. Sie sagte, Aussteiger aus der Szene seien bessere Quellen.

Der Thüringer Verfassungsschutz gab hingegen an, weiter V-Leute im Einsatz zu haben. Ein Sprecher sagte MDR INFO, sowohl in der rechten als auch in der linken Szene in Thüringen seien Informanten des Geheimdienstes aktiv. Nur in der Führungsebene der NPD habe der Verfassungsschutz alle V-Leute abgeschaltet.

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2012, 19:30 Uhr

9. Diethard Mende:
Wie kann Christine Lieberknecht behaupten, daß V-Leute in der rechten Szene abgeschaltet worden sind, wobei der Verfassungsschutz angibt, weiterhin Informanten des Geheimdienstes in der rechten Szene zu beschäftigen?
17.02.2012
05:59 Uhr
8. Utsch:
Es ist im Grunde gut, dass es jetzt ein Untersuchungsausschuss in Sachen NSU gibt. Dennoch bin ich skeptisch, was das Ergebnis betrifft. Im Grunde müsste man auch bei einigen anderen Thüringer Ministerien einen Untersuchungsausschuss einsetzen. In meinem Fall das Thür. Finanzministerium. Meine Erkenntnisse aus zuverlässiger Quelle haben ergeben, dass eine Beweismittelunterschlagung, offensichtlich auf Anordnung der Ex-Finanzministerin Diezel od. eine übereifriger Beamter stattfand. Dies hat sich bei Akteneinsicht im FA Jena bestätigt. Aktuell auch ein erwiesener Prozessbetrug. Trotz Beweislage traut sich allerdings keiner der Staatsanwälte, gegen verantwortliche Personen des Finanzministeriums vorzugehen. Es kam dabei auch zu aufschlussreichen Kuriositäten. Offensichtlich alles nur, um zu vermeiden, dass mir entstandene Vermögensschäden, in Höhe von derzeit 1.067.188,80 € beglichen werden müssen. Eigentlich mehr zum Thema. Soviel über die Glaubwürdigkeit von Politikern und Beamten.
16.02.2012
21:01 Uhr
7. Götterfunke:
Wenn man dem Geheimdienst die V-Leute nimmt, kann man ihn auch gleich ganz auflösen. Mit so einem Vorschlag schlägt man einer Informationsbeschaffungsbehörde Arme und Beine weg.
16.02.2012
21:00 Uhr
6. Hans Meiser:
Genau...Hans Maas. Aber so weit können Politker nicht denken. Ein toller Spruch für die Medien, das sollte reichen um wieder gewählt zu werden, oder zumindest für den Listenplatz 1 in der Partei. Mein Tipp Zschäpe weich zu klopfen ist folgender: Frau Marx und Frau Lieberknecht halten so lange schöne Sonntagsreden über die Demokratie, bis Zschäpe zusammenbricht. Und wenn es dann geschafft ist: Eine Diätenerhöhnung!
16.02.2012
20:11 Uhr
5. Hans Maas:
Wenn ich das schon lese: Dorothea Marx: "Wir akzeptieren kein Schweigen!" Und was wollt Ihr machen, wenn Frau Zschäpe Euch was hustet? Sie hat bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft eisern geschwiegen, obwohl sie bestimmt durch die Vernehmungsmangel gedreht wurde. Man hat ihr sogar Angebote gemacht. Ergebnis NULL. So wird es auch bei Frau Marx sein. "Sie hat die Pflicht auszusagen!" Die hatte Kohl auch. Hat er´s gemacht? Nein! Und er hat auf die Verfassung geschworen - Frau Zschäpe hat das alles nicht.
16.02.2012
16:45 Uhr
4. Phonomatic:
Ich weiß nicht, mir erscheint das alles makulatur und ablenkung von den zutiefst radikalisierten rechten strukturen die ich aus eigener erfahrung in Jena und Rudolstadt nur zu gut kenne. KAum ein Dorf in Thüringen das nicht in rechts und links gespalten ist. Wer das verneint hat seine kinder noch nicht gefragt, der terror findet uinter den jugendlichen statt, das ergebnis ist eine homogenisierte Masse von erwachsenen.
16.02.2012
16:31 Uhr
3. Sachse:
Es ist schon erstaunlich und lobenswert, was seitens der Thüringer Landesregierung zur Aufklärung der Mordserie in Gang gesetzt wird. Leider herrscht in Sachsen immer noch eine "geheimnisvolle Inaktivität" der ebenfalls CDU geführten Landesregierung.Nun muss man sich die Frage stellen, vor "was,wem" hat man in Sachsen Angst? Warum werden Angebote zur Zusammenarbeit mit den Organen Thüringens abgeschlagen.Dies lässt leider großen Raum für Spekulationen. Und leider kann ich als Bürger keinerlei Aufklärungswillen erkennen.Fragen über Fragen die die Politik dem Bürger beantworten müsste,oder ??
16.02.2012
16:10 Uhr
2. S.:
Politiker suchen den Kontakt zu einer Hauptbeschuldigten, um etwaige Ermittlungspannen aufzuklären? Das ist ja wohl absurd! Glaubt man der Frau mehr als allen Beamten aus diversen Behörden? Dieses Zeichen der Politik ist einfach nur fatal! Na, dann sollen die sich halt volltexten lassen von der Rechtsradikalen. Kaum zu glauben das alles! Dazu kommt, dass das Strafverfahren gegen Frau Z. noch längst nicht abgeschlossen ist, also dass noch kein Gericht über ihren Fall befunden hat. Man kann Z. doch jetzt nicht im Untersuchungsausschuss zu genau diesem Sachverhalt befragen! Soll sie sich selbst belasten? Oder darf sie diese Gelegenheit einfach nur dazu nutzen, damit sie und andere Angeklagte in einem "besseren" Licht dastehen? Etwa so: "Hätten die Behörden dies und jenes gemacht, dann hätten unsere Taten verhindert werden können. Eigentlich sind die anderen ja Schuld" Will man so etwas da hören? Nee, da kann man nur den Kopf schütteln.
16.02.2012
15:57 Uhr
1. Andreas:
Es heißt *der* NSU und nicht *die* NSU!
16.02.2012
15:27 Uhr

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