André Herzberg, Sänger und Autor
Bildrechte: MDR/BR/Gerald von Foris

Nah dran | 09.02.2017 Das Schweigen der Väter: André Herzberg, Sänger und Autor

In den Achtzigern etablierte André Herzberg mit Pankow eine subversive Band im DDR-Kulturbetrieb. Nach dem Mauerfall war plötzlich alles anders. Herzberg machte solo weiter, suchte nach neuen Pfaden – auch im Glauben.

André Herzberg, Sänger und Autor
Bildrechte: MDR/BR/Gerald von Foris

Er war mit seiner Band "Pankow" einer der bekanntesten Rockmusiker der DDR: André Herzberg, geboren 1955 in Ostberlin als Sohn von linientreuen Kommunisten. Sie waren aus der Emigration in England heimgekehrt und hatten ihr Judentum gleichsam "abgegeben", um sich nicht dem Misstrauen der Partei oder antisemitischen Vorurteilen auszusetzen.

In der Familie steht "die Sache" über allem - und über Themen, die der "Sache" nicht dienen, herrscht Sprachlosigkeit. Die Eltern, deren Ehe nicht hält und die über so vieles schweigen, erscheinen dem Sohn wie Fremde. André Herzberg rebelliert: Er sucht sich eine andere Welt, die Musik. Die Band wird seine neue Familie.

Ich weiß, wie sich das anfühlt: ganz unten.

Nach dem Mauerfall kommen die Krisen: 1998 löst sich "Pankow" auf. Herzberg wird arbeitslos, hat Depressionen. "Ich weiß, wie sich das anfühlt: ganz unten", sagt Herzberg heute. Erst 2011 kommt die Band wieder zusammen, feiert erneut Erfolge auf der Bühne. Und Herzberg schreibt drei Bücher, das jüngste trägt den Titel: "Alle Nähe fern".

Im Buch und im Leben hat er sich auf die Suche begeben nach etwas, über das so lange Sprachlosigkeit herrschte - in der Familie und in einem ganzen Staat: Die eigene jüdische Identität. Der Musiker, der sich ungern anpasst und einst gern mal einen Schritt zu weit ging, arrangiert sich heute mit den Einschränkungen des jüdischen Lebens. Es scheint, als hätte er ein Fundament für sich gefunden.

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2017, 10:24 Uhr

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