Kerstin Doppelstein - die Großstadtschäferin
Bildrechte: MDR/Katharina Oeppert

Nah dran | 14.04.2017 Die Großstadtschäferin – Knochenjob statt Karriere

"Schafe sind die besseren Menschen", sagt Kerstin Doppelstein. Die Mittdreißigerin muss es wissen, sie ist Schäferin. Mit ihrer Herde zieht sie jedoch nicht von Dorf zu Dorf, sondern pflegt die Landschaft im Leipziger Süden.

Kerstin Doppelstein - die Großstadtschäferin
Bildrechte: MDR/Katharina Oeppert

Zusammen mit einer Herde von 400 Tieren kümmert sich Kerstin Doppelstein um die Leipziger Deiche, den trockenen Elsterstausee und allerlei Flächen am Cospudener See. Das fünfte Jahr nun schon, und dieses ist das entscheidende: Endlich soll es sich rechnen - sonst muss die Schäferin umsatteln.

Die studierte Biologin mag das einfache Leben

Alles hört auf mein Kommando!
Der Alltag einer Schäferin ist abwechslungsreich - und hart! Bildrechte: MDR/Katharina Oeppert

Die 35-Jährige hat Biologie studiert, hatte gar eine Promotionsstelle an der Uni Leipzig. Doch dann entschied sie sich für die Schafe und gegen den Schreibtisch. Die Großstadtschäferin mag dieses einfache Leben, auch wenn es oft hart ist. Ihre Woche kennt keine Ruhe, der Arbeitstag beginnt um halb acht und endet nicht vor elf in der Nacht. Ihr Leben ist bescheiden bis zur Selbstausbeutung. Geld für die Landschaftspflege der Schafe bekommt Kerstin Doppelstein erst im Herbst, bis dahin muss sie irgendwie über die Runden kommen. Die junge Schäferin hat einen Plan, sie weiß ganz genau, was sie in welcher Zeit geschafft haben muss.

Bilder Alltag einer Schäferin

Lämmer
Kerstin Doppelstein hat mit ihren Schafen alle Hände voll zu tun. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Lämmer
Kerstin Doppelstein hat mit ihren Schafen alle Hände voll zu tun. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schafe und Schnee
Die Schafe suchen auch im tiefen Schnee nach Nahrung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Milchschafe
Milchschafe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schur
Jetzt geht es den Tieren an die Wolle... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Frühsommer auf den Deichen
Es ist Frühsommer auf den Deichen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Großstadtschäferin Kerstin Doppelstein
Großstadtschäferin Kerstin Doppelstein hat trotz des harten Alltags gute Laune. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kerstin Doppelstein
Kerstin Doppelstein mit ihrem Hund. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Lili
Lili begleitet die Schafherde durchs hohe Gras. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Netze
Hier werden die Netze ausgerollt, damit die Schafe nicht ausbüchsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schäferin mit Bocklammherde
Kerstin Doppelstein beim Umtrieb der Herde. Bildrechte: MDR/Katharina Oeppert
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Der Plan ist eng und richtig böse wird es, wenn – wie so oft – etwas dazwischen kommt: Der Winter 2013 war hart und lang, sie hatte kein Futter mehr für die Schafe. Fast 7.000 Euro hat sie für Heu ausgegeben. Geld, das nun an anderen Enden fehlt. Rabenvögel töten im Frühjahr fast 20 ihrer Lämmer.

Ein Jahr im Leben der Großstadtschäferin

Anfang Juni bleibt auch sie von der Flut nicht verschont. Sie musste die Deiche räumen, die Herden schnell woanders unterbringen. Das Wasser vernichtet das beste Futter, Notlösungen müssen her. Irgendwie schafft es Kerstin Doppelstein in dieser hektischen Zeit auch noch, mit den Schafen wissenschaftlich zu arbeiten. Für das Projekt "Hutewald" mit dem Leipziger Stadtforst gibt es im Sommer den sächsischen Umweltpreis - Anerkennung, die so wichtig für sie ist.

Katharina Oeppert hat die Großstadtschäferin ein Jahr lang begleitet. Ihr Film zeigt ein Leben voll harter Realität und wenig Romantik. Ein Leben, das viel abverlangt: Kraft, Leidenschaft und Willen.