Astrid Kahmann und ihre Tochter Valentina. Das Ballkleid ist noch zu weit, die Magersucht noch nicht überwunden.
Bildrechte: MDR/WDR

Nah dran | 13.07.2017 Mein Kind isst nicht!

Die beiden 15-jährigen Teenager Valentina und Edda leiden an Magersucht. Was bedeutet das für ihre Familien, und wie verändert diese Diagnose ihr Leben? Der Film begleitet sie und ihre Familien über mehrere Monate durch die schwere Zeit der Krankheit ihrer Töchter.

Astrid Kahmann und ihre Tochter Valentina. Das Ballkleid ist noch zu weit, die Magersucht noch nicht überwunden.
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Wenn Valentina ihre Eltern besucht, ist das immer ein besonderer Tag für die Familie. Denn eigentlich lebt die 15-Jährige zurzeit in einer Klinik. Das Mädchen ist an Magersucht erkrankt. Alles scheint normal, während sie auspackt. Die gemeinsame Zeit jedoch ist knapp. Seit Valentina aufgehört hat, ausreichend zu essen, richtet sich alles in der Familie nach den Vorgaben der Klinik.

Wenn die Eltern hilflos sind

Valentina und ihre Mutter
Vergangenheit: Früher sah sich Valentina an den Fotos in Kochbüchern satt. Bildrechte: MDR/WDR

Valentinas Magersucht begann mit einer Diät. Innerhalb weniger Wochen entwickelte sich die zwanghafte Essstörung. Die Eltern waren fassungslos: "Valentina war völlig verändert, wir konnten nicht mehr mit ihr reden, alles drehte sich nur noch darum, dass sie nichts mehr essen wollte. Ich hatte Panik", sagt Mutter Astrid. Als sie und ihr Mann Hagen merken, dass sie Valentina nicht mehr erreichen, dass sie ihrem Kind nicht helfen können, reagieren sie schnell. Zusammen mit ihrer Tochter lassen sich die Eltern therapeutisch beraten. Sofort wird Valentina in der Charité auf die Station für Essstörungen eingewiesen.

In der Klinik macht Valentina gute Fortschritte. "Endlich konnten wir uns wieder entspannen, weil wir wussten, sie ist in guten Händen. Der Druck war erstmal weg", berichtet Astrid. Als Valentina schließlich nach zwölf Wochen wieder nach Hause kommt, hat sich vieles in der Familie verändert. Die Eltern und die zwei kleinen Geschwister freuen sich, dass die Familie wieder zusammen ist. Vater Hagen will beruflich kürzer treten. Und Valentina ist unabhängiger geworden, nimmt sich den Freiraum, den sie braucht.

Im Moment geht es mir ziemlich gut, weil ich mich mit meinen Freunden treffe. Und es nicht so ist wie früher, dass ich so lustlos bin. Ich habe wieder Spaß daran gefunden zu leben. Es ist immer so, wie ich mich gerade fühle. Das finde ich schön.

Valeria

Valentina zu Hause mit ihrer Familie
Angekommen: Valentina ist endlich wieder zu Hause bei ihren Eltern und Geschwistern. Bildrechte: MDR/WDR

Wenn die Tochter weit weg ist

Auch die Brinkmanns kämpfen gegen Magersucht. Edda, die 15-jährige Tochter, lebt in einer betreuten Einrichtung für Mädchen mit Essstörungen in Bielefeld. Über 200 Kilometer trennen nun Mutter und Tochter - eine sehr weite, aber ärztlich empfohlene Distanz, nachdem Edda lebensbedrohlich abgemagert war. "Auch wenn ich als Mutter weiß, dass diese Entscheidung richtig ist, ist es sehr schwer, sie gehen zu lassen. Sie ist doch noch so jung", offenbart sich Mutter Hildegard.

Frau Brinkmann mit ihrer Tochter.
Frau Brinkmann mit ihrer Tochter. Bildrechte: MDR/WDR

Hildegard besucht ihre Tochter regelmäßig in der Einrichtung, denn Edda darf nur einmal im Monat nach Hause. Nach einigen Monaten scheint sich das Mädchen von der Magersucht zu lösen. Doch die Essstörung ist nicht besiegt, sie hat sich eine neue Form, einen neuen Ausdruck gesucht. Edda entwickelt nun aber Essanfälle, ihr Körper ist aufgeschwemmt.

Diese Zwänge sind weg. Aber jetzt ist es schwierig wegen der Fressanfälle. Ich merke jetzt, wenn es mir schlecht geht, wenn mich etwas traurig macht. Das habe ich vorher gar nicht so gemerkt. Und dann bekomme ich Druck, was zu essen. Ziemlich viel. Es ist ziemlich schwer, damit klar zukommen, so viel zuzunehmen.

Edda

Wird es der Familie gelingen, mit der extremen Essstörung der Tochter zurechtzukommen?

Frau Brinkmann mit ihrer Tochter in einem Café
Fortschritte: Frau Brinkmann besucht mit ihrer Tochter ein Café. Bildrechte: MDR/WDR

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2017, 16:12 Uhr