Nah dran Logo und Moderatorin Anja Koebel
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nah dran - Das Magazin im Oktober Gegen den Strom

Am 31. Oktober feiern Protestanten den Reformationstag. Anlass genug für Anja Koebel, kritische Menschen vorzustellen, die auch heute ganz im Sinne Martin Luthers handeln - "Hier stehe ich, ich kann nicht anders!"

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"Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen." So soll Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521 den geforderten Widerruf seiner 95 Thesen zurückgewiesen haben. Mit den Thesen, 1517 erstmals in Wittenberg veröffentlicht, hatte Luther einen akademischen Disput über den Zustand der Kirche im allgemeinen und über die vorherrschende Praxis des Ablasshandels im besonderen herbeiführen wollen. Denn Luther bestritt die Ansicht der Kirche, es gäbe die Möglichkeit, sich von seinen Sünden freizukaufen. Ihm ging es vor allem darum, dass Gottes Wort, wie es in der Bibel steht, Richtschnur des christlichen Handelns sein sollte. Mit einer solchen Rückbesinnung auf das Evangelium wollte Luther die Kirche reformieren. Doch stattdessen wurde ein Prozess gegen Luther eröffnet, der 1521 in einem Bann gegen ihn mündete.

Dass Luthers Thesen zum Ausgangspunkt der Reformation wurden und sogar zur Spaltung der katholischen Kirche führten, war zunächst nicht absehbar - im Gegensatz zu den Konsequenzen, die seine Standfestigkeit, Unbeugsamkeit wider den Papst nach sich zog: Exkommunikation. Damit stand er außerhalb des Gesetzes.

Eine eigene Meinung zu haben und diese zu vertreten, auch gegen alle Widerstände, etwas aus fester Überzeugung zu tun - das ist auch heute noch gar nicht so einfach. Auch nicht in einer Demokratie. Doch es gibt die Menschen, die aufstehen und etwas bewegen wollen. Die ein "geht nicht" oder "das haben wir schon immer so gemacht" nicht akzeptieren. Und die etwas anders machen als der Mainstream, die besondere Meinungen vertreten und sich sozialem Druck nicht beugen. Das muss man erst mal können. Wie schafft man es, gegen den Strom zu schwimmen? Welche Kraftreserven braucht man dafür? Und lohnt sich das überhaupt?

Gegen Massentierhaltung

Eine gesellschaftliche Diskussion anstoßen wollen auch Jürgen Foß und seine Mitstreiter im Verein Animal Rights Watch (ARIWA) aus Berlin. Seit Jahren kämpfen sie gegen schlechte Bedingungen in der Massentierhaltung. Sie dringen in Ställe ein und dokumentieren öffentlicheitswirksam das elende Leben der Tiere. Ihr Einsatz für die Tiere bringt die Tierschützer in ständigen Konflikt mit den Betreibern von Mastanlagen und dem Staatsanwalt, doch würden ohne sie solche Fälle wohl nie ans Tageslicht kommen. 

Solange die Öffentlichkeit nicht eingeschaltet wird und kein öffentlicher Druck da ist, werden Behörden immer gegen die Tiere und für den Betreiber entscheiden. Ich habe es in den zwanzig Jahren noch nie anders erlebt. Daher auch unsere Motivation, Anzeigen immer mit öffentlichkeitswirksamen Mitteln zu begleiten.

Jürgen Foß, Animal Rights Watch
Ein Kamerateam filmt Schweine auf einer Wiese
Glückliche Schweine im "Land der Tiere". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit einem Jahr leben nun Nutztiere, die getötet werden sollten, im "Land der Tiere" auf einem ehemaligen NVA-Gelände in Mecklenburg. Hier gibt es Platz für Schafe, Schweine, Puten, Hühner und Kaninchen, die endlich so leben können, wie es ihren Bedürfnissen entspricht. Sie wurden gerettet und leben hier auf 133.000 Quadratmetern ein Leben ohne Zwänge.

Haltung zeigen

Juliane Nagel
Bildrechte: Fraktion Die Linke im sächsischen Landtag/dpa

Standfestigkeit beweist auch Juliane Nagel. Seit 17 Jahren engagiert sie sich gegen Rechtsradikalismus. Die sächsische Landtagsabgeordnete der Linken wuchs im links-alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz auf. Hier lebt sie auch heute noch. Immer wieder wird ihre Nähe zur linksautonomen Szene kritisiert, von der sie sich nicht stark genug abgrenze. Doch Gewalt ist für sie "keine politische Aktionsform", wie sie selber sagt. Mit ihrer Arbeit und ihrer Überzeugung erntet sie auch Anerkennung, weil sie unter anderem Pegida entgegentritt.

Juliane Nagel steht als Gesicht für eine antirassistische Bewegung in Sachsen. Sie trägt Debatten der antirassistischen Bewegung in das Parlament. Das schätzen wir an ihr.

Ein Mitstreiter

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2016, 10:41 Uhr

Videos aus der Sendung

Drei Jugendliche sitzen auf Pollern
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Drei Jugendliche sitzen auf Pollern
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Ein abgemagertes Huhn
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Ein abgemagertes Huhn
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Juliane Nagel
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Juliane Nagel
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Ein Mann sitzt in einem Gartenstuhl
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Bernd Thränhardt trifft in der dreiteiligen Sendereihe "Der Trocken-Doc" Menschen, die vom Alkohol loskommen wollen. Im November laufen die Folgen im MDR.

Nah dran Do 27.10.2016 22:35Uhr 01:34 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Mann sitzt in einem Gartenstuhl
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Bernd Thränhardt trifft in der dreiteiligen Sendereihe "Der Trocken-Doc" Menschen, die vom Alkohol loskommen wollen. Im November laufen die Folgen im MDR.

Nah dran Do 27.10.2016 22:35Uhr 01:34 min

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